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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1908-01-01 · No. 3. (1908) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
31 (1908-1909)
Issue
No. 3. (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 — e n d g n e ijd e d n rd einem eigenen Lande sich selbst würde Gesetze geben ut d das Leben gestalten. Nicht eine besondere religiöse Partei, nicht die Judenschaft eines besonderen Landes darf Zukunft für sich gestalten. — Jeder hat für Alle darä! mitzuarbeiten. Somit genügt uns das bloss religiöse Bar׳ nicht, zumal er sehr dünn geworden ist durch Beseitigui des Volklichen. Durch dessen Wiederaufnahme werd« 1 alle Ziele des Judentums gefördert werden, die vaterländisch und menschliche Seite wird dadurch nicht geschädigt u alle Richtungen erreichen ihr Ziel. Vf. verlieht die zionistisch Richtung, welche in Palästina ein Staatsleben gründen u damit, neben der Lösung der neuzeitlichen Fragen mit ddi alten Hoffnungen in Einklang bleiben will. In einem Schlussworte wird den Abtrünnigen des Westens ernst ins־ Gewissen geredet und das Zwecklos e und Schimpfliche ihrer Stellungnahme ihnen dargetan. Dass dies Buch allgemeine Zustimmung finden wirl, erwartet Vf. gewiss selbst nicht. Wer schreibt aber Bücher, um allgemeine Zustimmung zu erlangen? Wer Gemeinplätze vorträgt und damit der Mittelmässigkeit huldig t. Solche Bücher sind zumeist überflüssig, während das vo־- liegende gerade mit dem Landläufigen und Selbstverständliehen wenig zu tun hat. Diese Abrechnung mit dem, w; s sonst in ermüdender Selbstgefälligkeit zur Verteidigung di s Judentums und als Wesen desselben vor unser Auge tri! t, kann nur erfrischend wirken, wie ein Gewitterregen. Ei! e Masse von Grundsätzen und Anschauungen wird hier vo! unseren Augen entwertet, eine Fülle anderer, die wir u selbst verschweigen, mit zwingenden Gründen uns als rieht! dargetan, und man merkt, dass sich hier nicht vermitte 1 lässt, dass hier das letzte Wort gesprochen wird oder da;: man doch diesem letzten Worte sich nähert. Werden unsere sorglosen Geschlechte ein paar Schlagworte geraubt, wird es sich auf etwas Besseres besinnen müssen. Unser! Wissenschaft ohne Bibel und Talmud — diese ei Erwägung macht mir das Buch schon wertvoll und dt Verfasser zu einem Mitkämpfer. Ebenso seine Auffassung, dass unsere Wissenschaft hauptsächlich der Verteidigui und darum nicht der Erkenntnis von Tatsachen dient. Bei aller Anerkennung der Geisteskraft, des ede Willens und der Liebe zum Judentum will ich doch nie alles unterschreiben, was Vf. sagt. Seine Abneigung gegi das Selbstverständliche, also gegen den Gemeinplatz, ihn doch über Vieles aburteilen, was wichtig, weil selbst verständlich ist. Er hält das gesetzestreue Judentum ps 11 g n ,s n fiir verloren und gibt keine Mittel zu dessen Erhaltung an. In der Reform sieht er aber den Erbfeind einer gesund-jüdischen Entwickelung. Von der sogenannten rechten und vernünftigen Mitte scheint er auch nicht viel zu halten. Wohin wendet er sich nun? Das konnte ich nicht finden. Aber er will ja die Einzelrichtung von seinem zionistischen Herrschertum fernhalten. Wird nun aber die Hervorkehrung des Volkstums zur Erhaltung Israels genügen? Wird der Geist von selbst geweckt werden und geweckt bleiben, wenn innerhalb des Judentums die Erhaltung des Volkstums als unbedingte Hauptsache gilt und alles andere von selbst kommen soll? Von selbst kommt nichts, was nicht bewusst gefördert wird. So genügt es nicht, ein Schlaglicht auf die wissenschaftlichen und religiösen Mängel seiner Brüder zu werfen und dann von diesen Gegenständen abzusehen. Es ist sehr schön, wenn das Allgemeinmenschliche als jüdische Volkseigentümlichkeit hingestellt wird. Aber die Betonung dieses Triebes muss als unentbehrlich hingestellt werden. Ebenso halte ich es für eine Verengung des Gesichtskreises, wenn das Vaterländische nur als mit dem jüdischen Volksthume vereinbar nebenher läuft, wenn es nicht als Lebenstrieb gewaltig hervortreten soll. Die Sendung Israels zu leugnen, seinen Einfluss auf die menschliche Entwickelung seit der biblischen Zeit als gering herabzudrücken — das kann ich dem Vf. auch nicht so hingehen lassen, weil die Tatsachen das Gegenteil zeigen. Wie heute Zionisten und Nichtzionisten, so standen sich einst Sabbatianer und Talmudjuden, früher Philosophenanhänger und Kabbalisten, früher Hellenisten und Gesetzeseiferer, früher Propheten und Volksmänner gegenüber. Der Gegensatz zwischen Schammaiten und Hilleliten war kein anderer. So sehen wir zwei starke Triebe die jüdische Geschichte mit gleicher Kraft beherrschen; und wenn mit Recht nach dem Vf. das Volkstum gehegt werden soll, so schliesst das die begeisterte Förderung der anderen Triebe nicht aus. Seien wir eben nicht einseitig und lassen wir nichts Belebendes aus dem Judentum schwinden. Wir bedürfen solcher Bücher, wie des Joseph'schen, und ich wünsche, dass recht viel darüber gestritten, also dass es recht viel gelesen werde. Aber vergesse der Vf. nicht, dass er nach seinem eigenen Worte unser Aller bedarf. So möge er denn auch dafür sorgen, dass wir ohne Zionisten werden zu müssen (Freiheit werde auch uns im Staate der Zionisten!) an all den Zielen mitarbeiten können, die Israel den Pfad in die Zukunft zu bahnen bestimmt sind. ANZEIGEN 3 c ■ ■״׳ Verlag von Jonas Ale xanders Witwe, Rogasen. 6•*י"־" /Wiro’s rechinna. י־״־״■ Völlig umgeai beitet von Dr. Ludwig A. Rosenthal. 1842 erschien die erste Au läge dieser ältesten hochdeutschen Techinna, durch deren vo lkommene Umwandlung eine den Verhältnissen der Jetztzeit angepasste Fassung gewonnen hat. Die Verlagsbuchhandlung. -נ -C

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