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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 10. (1907) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 10. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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— 122 — Dann in der zweiten mag es sich geziemen. Die Buße und die Rückkehr hochzurühmen. Die Dritte preist mit weisem Sinn Den klugen Rat dir als Gewinn, Die vierte preist Bescheidenheit Und Demut jedem allezeit. Die Gottesfurcht, die Scheu vor Gottes Worte, Rühmt endlich!dir die letzte Pforte. Wie die Geisteskräfte fünf sind an Zahl Enthält das Buch fünf Pforten allzumal, Und wie im Geiste die Gedanken streiten, Das wollte ich durch Red’ und Antwort deuten. Damit auch die Kinder das Büchlein versteh’n, Habe ich’s mit Bildern zierlich verseh’n; Wenn sie die Bilder fleißig betrachten, Werden sie auch auf den Inhalt des Buches achten Und von jenen unheiligen Schriften lassen. Die wir verschmähen und hassen. JlNloninus und Rabbi Ein Vortrag von Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein-Schweinfurt. j (Fortsetzung). Den philosophischen Geist des Kaisers beweist auch folgende Agada: Der Kaiser habe Rabbi angegangen, er möchte für ihn beten. Rabbi sagte: ״Mögest Du vor Kälte bewahrt sein!" Antoninus sagt darauf: ״Das ist kein Gebet; einen Mantel mehr und die Kälte ist fort.“1 Darauf sagte Rabbi: ״Mögest Du vor Hitze bewahrt sein!“ Da sprach der Kaiser: ״Dies ist ein Gebet; möge Dein Gebet erhört werden! denn es heißt ein Psalm: ״Vor seiner Hitze ist niemand geborgen.“ Es ist ersichtlich, daß hier der Grundgedanke jener schönen Fabel gegeben ist von dem Streit zwischen Sonne und Wind, wer von ihnen der Stärkere sei. Auch über den Lauf der Sonne, ihren Aufgang und Untergang hat nach den talmudischen Berichten Antoninus sich von Rabbi belehren lassen. Diese Belehrung geschah in einer Weise, die uns zeigt, daß Rabbi dem Antoninus die Zweckmäßigkeit der Welteinrichtung vor Augen zu führen bestrebt war. Nach der Agada war der Kaiser in nicht geringem Maße mit dein jüdischen Leben und Gesetz vertraut. Sie erzählt: Rabbi bereitete dem Antoninus einst eine Mahlzeit am Sabbath und brachte ihm kalte Speisen. Dann bereitete er ihm eine Mahlzeit an einem Wochentage, wobei warme Speisen gebracht wurden. Da sprach Antoninus: ״Jene kalten Speisen schmeckten angenehmer, als diese warmen!“ Rabbi erwiderte: ״Es fehlt bei diesen eine Sache.“ Darauf Antoninus: ״Fehlt denn in meinem Keller irgend eine Sache?“ ״Nein!“ antwortete der Rabbi, ״aber woher soll ich den Speisen hinzusetzen: ״Und Gott segnete und heiligte den Sabbath?“

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