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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 9. (1907) · p. Seite 106

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 9. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 '1 I I Der heiligen Sprache Reinheit, Ihre Würde und Feinheit, Wie reiche Pracht sie schmückt, Wie sie Fürsten und Völker entzückt: Will ich hierdurch beweisen, Die heilige Sprache preisen. Lieber jene von den Söhnen Meines Volkes, welche wähnen, Daß vor allen die Hellenen Herrschen im Gebiet des Schönen, Daß der Araber nur und Christ Im Besitz der Dichtkunst ist, Die an fremdem Schrifttum sich ergötzen, Das eigene aber unterschätzen, Muß ich bitter mich beklagen, Will ihnen meine Meinung sagen: Ihr seid aus heil’gem Fels gehauen, Drum setzte ich in Euch Vertrauen; Ich wähnt’ Euch vom Licht des Glaubens entflammt, Weil Ihr göttlichem Ursprung entstammt, Doch habt Ihr die Treue nicht bewährt Dem Stamme, dem Ihr angehört; Als wäret Ihr Söhne der Mohren, So seid Ihr Euerem Volke verloren; Dem Staub’ habt Ihr Euch zugewendet, Vom Glauben aber abgewendet Und lasset Euch sowie den Glauben Eure schöne Sprache rauben! — Sie antworten darauf nicht klug: Es reichet hin und scheint genug, Wenn man die heilige Sprache glänzen Läßt in der Tora engen Grenzen Und nur so viel davon versteht, Als nötig scheinet zum Gebet; Doch will man Sprüche und Gedichte, Rechtslehren kennen und Geschichte, Die Leiden, die uns je getroffen, So bleibt der eine Weg nur offen. In fremder Dichter Land zu gehen, Um, was ergötzet, zu verstehen. Diese Ansicht zu vernichten, Tret’ ich mit Fabeln und Geschichten, Weisen Sprüchen und Gedichten Vor meine Leser mutig hin. Es soll mein Buch sie überzeugen, Daß auch uns die Dichtkunst eigen Und die Redeblumen blüh’n. Es-bleibe auch nicht unerwähnt, Daß ich den Dichtungen Fremder nichts entlehnt. Aus dem, was Edom und Ismael ersonnen,

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