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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 8. (1907) · p. Seite 102

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 8. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 102 (sequence 14)
Language
German
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102 — gehenden, zu 4 hinübergeleitet 4»ff. hatte selbst D u h m als mächtig wirkendes Gesicht, als echt genommen, worin Cornill ifim beistimmt — merkwürdig, daß Giesebrecht hier den Bearbeiter sehen konnte! Doch gegen Duhm und in Uebereinstimmung mit Giesebrecht wurde der Endteil von 4 als jeremianisch erkannt, wieder zu 5 überleitend; hier stehen wir bis Ende 6 nach Ansicht Aller am sichersten auf ieremianischem Boden. Die wesentlichen Teile der Tempelrede hat Cornill früher bis über 11 hinaus angenommen, während Duhm in 7—10 nur eine künstliche Zusammenschweissung einzelner Gedichte sieht; Cornill hält gerade hier gegen Duhm an der Auffassung fest, wir hätten Jeremia’s ernste, nicht in Kinahform gezwängte, Rede vor uns, wieviel "Fremdkörper auch eingedrungen sein möchten. Nun lässt er mit 11 eine neue Rede beginnen. Duhm hält eine Vertretung des Deuteronomion durch Jeremia für einen späten Midrasch (nach Marti), während Giesebrecht nachweist, dass Jeremia nie an der gesetzlichen Durchführung der Thora irregeworden; wohl nimmt dies Cornill an und ist schliesslich dazu gekommen, Duhm’s ״befreiende Tat“ durch die Entwertung von 11 anzuerkennen. Die sinnbildlichen Handlungen 13, 18, 19, die bei Duhm so schlecht fortkommen, sind nach Cornill und Giesebrecht tatsächlich die Grundlagen der von ihnen ausgehenden Mahnungen; ebenso steht es 24, 25 (hier der Zornesbecher!) Bis hierher wollen wir den Erklärern folgen, also bis zur ersten Hälfte des Buches; das Wesentlichste aus der zweiten Hälfte haben wir in den vorangehenden Be- Pachtungen behandelt, und wiederholen wollen wir uns nicht. Im Allgemeinen sind Cornill und Giesebrecht die massvolleren. Giesebrecht bleibt im Großen und Ganzen seinen ersten Auffassungen treu, während Cornill sie im Einzelnen berichtigt, wie wir schon oben gesehen, aber im Ganzen auch seinen ursprüngliehen Ansichten über Leben, Wesen, Reden und Dichtungen der Jeremia treu geblieben ist. Von der ״Einleitung“ und dem ״Prophetismus“ führt eine Linie her, die in vorliegender Erklärung gewiß noch nicht abgeschlossen ist. Wireriioffen von Cornill, seinem innersten Wesen nach, noch viele Berichtigungen, wie wir erwarten, daß Giesebrecht das Feststehende im Wissenskampfe in seinen weiteren Arbeiten in Gestalt der Bereicherung und Festigung seiner!| ausgesprochenen Ansichten vertreten ■j wird. Ob Duhm sich je dazu bekehren : wird, geschichtliche und menschliche 1 Notwendigkeiten anzuerkennen und den Jeremia aus der Höhe einsamen Brütens , hinabsteigen zu lassen fit die Tiefen geschichtlichen Kampfes? Das wissen wir nicht. , Wir haben, soweit es in unserer . Kraft gelegen, unsere Leser an einem großen Kampfe teilnehmen lassen, der! uns viel Lehrreiches bietet. Daß keine ' jüdischen Namen hier im Wesentlichen l zu verzeichnen sind, ist leider etwas so; Selbstverständliches, wie die bescheidene Selbstgenügsamkeit, mit welcher wir uns mit den Brosamen der Bibelwissenschaft begnügen! Diese Wissenschaft trägt ihre Berichtigung in sich. Mit dem Nachweis, die von Jojakim verbrannte Rolle sei nicht das Echabuch, begann die wissenschaftliche Bewegung in jüdischen Kreisen, mit einem kleinen Ausschnitt (als das echte Jeremiabuch hingestellt) endete die äußerste Lincke. Da kam der erwartete Gegenschlag: Cornill hielt seine lang angekündigte Abrechnung mit Duhm und erntete den Lohn seines nonum prematur, indem er etwas um so Größeres und Abschließenderes bot,! und Giesebrecht durfte seine frühere! Erklärung mit nur geringen Aenderungen 1 veröffentlichen. Und ein solcher Kampf! um einen alten Propheten Israels! Wer j hat den Vorteil davon? Die Bibel an 1 sich, die Wissenschaft, die Wahrheit, zu der alle diese einander bekämpfenden Richtungen den Weg zurückweisen. Wann werden bei uns einmal die Bibel- oder talmudwissenschaftlichen ץ Arbeiten mit Spannung erwartet werden? |j Wann werden mehrere Ansichten ein-! ander bekämpfen, ohne daß man Unheil i für die eigene Ehre wittert? Wenn erst einmal eine Ansicht da sein und sich durchgesetzt haben wird; wenn das Schicksal einer wissenschaftlichen Ansicht uns so wichtig sein wird, wie etwa eine kleine und unwichtige Lesart, die "a auch unbeachtet unter dem Striche auert. Erörterung ist kein Uebel und trennt die Forscher durchaus nicht, sie ist das Einzige, was Heil bringen kann. Erörterung kann durch nichts ersetzt! werden — solange man sie scheut, kann | nichts gedeihen! Erst wenn sie herrscht und man sie ehrlich anerkennt und in ihr keine Fachsimpelei von Anfängern sieht, entstehen Werke, wie wir sic so-; eben betrachtet haben — ohne sie gibt’s nur fromme Wünsche, deren Erfüllung! man durch Wunder erwartet.

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