Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 6. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Kriegesbeute ich ward Den Stolzen; hoch sind sie gestiegen’ Indeß geschwunden mein Runm Und ich im Staube muß liegen! Und wie bei der Schur verstummet das Lamm, So beugt vor Bedrückern sich nieder mein Stamm, Bis der Ewige uns in Gnaden befreit. Wann wird sie kommen, die Gnadenzeit? Zuerst hat mich Babel bedrückt, Dann wurden mir Feinde die Griechen. Ich stand vor den Römern gebückt, Nun muß ich vor Arabern kriechen Vierhundert und einundsechzig Jahr! Und doch verzag’ ich nicht ganz und gar. Einst wird vor dem Glücke vergessen das Leid. Wann wird sie kommen, die Gnadenzeit? Dem Abraham wurd’ offenbart. Wann die erste Bedrückung zu Ende. Jeremia hat wohl uns bewahrt. Daß das Leid sich in Babel einst wende. Auch dem David tatst Du die Zukunft kund; Wann erfüllst Du nun endlich der Väter Bund? Die Seher verstummen, es kommt kein Bescheid! Wann wird sie kommen, die Gnadenzeit? Kurz vor seinem Tode sang Gabirei so traurige Klänge. Der Glanz Cordova’s war durch die Almoraviden geschwunden, der Glanz Granada’s durch die Ermordung Joseph Nagrela’s; die Zukunft schien Israel nichts Gutes zu verheißen — aber eins bleibt in Israel zu allen Zeiten fest: Das Bewußtsein, mit Gott alles Schwere zu überwinden und ewig zu dauern. Dies Gefühl spricht sich auch besonders stark in vorstehendem Gedichte aus. Preußisch Stargard. Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. Deutsdie and Inden. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preuß. Stargard. (Schluß.) ‘ Die Empfindungen haben den Deutschen öfter bestimmt als das nüchterne Denken an die Vorteile des Augenblicks; dabei hat er sich das Recht, seine Gedanken eigentümlich auszuspinnen, selbst bei äußerem Drucke, selbst wo er scheinbar den Rückschrittsbestrebungen nachgab, nicht nehmen lassen. Ein großer zündender Gedanke konnte Deutschland in allen Tiefen aufregen, — dann aber verlangte der einzelne Deutsche für sich die Freiheit des Sonderstrebens. Er sträubte sich gegen jede zu strenge Einordnung in ein großes staatliches Ganze, löste das einstige große Kaisertum