Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 4. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 9)
- Language
- German
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— 45 — phischen Methode etwas allgemein fjlur hätten wir Ginsburg die Be- Brauchbares auch hier schafft. Eine ' Zeittafel, die Namen der 24 Bücher der hl. Schrift sowie eine genaue Karte von Palästina bilden den Schluß des auch durch seine äußere Ausstattung recht geeigneten Schulbuches. (Schluß folgt.) David G-insburg. Biblia Hebra'ica. Massoretisch-kritischer Text des Alten Testaments, IV u. 1808 S. 6 Mk. Carl Frommei, Wien und Leipzig. Der Leser wird sich sicher über den billigen Preis dieser Bibelausgabe wundern. Und wenn er den starken Band in die Hand nimmt, so wird er sich davon überzeugen, daß er hier keine Auswahl vor sich hat, keinen Halbband, sondern die gesamten 24 Bücher der Schrift. Und die Ginsburg’schen Bemerkungen betreffen die gesamte Massorah, alte Handschriften, alte Ueber- Setzungen und Targume, wie alte Drucke. Was Kittels BibliaHebrai'cabezüglich der Uebersetzungen ff leistet, das geschieht in vorliegender Ausgabe in Bezug auf die textliche Arbeit, soweit sie aus dem Judentum hervorgegangen. Der Einblick in die zahlreichen Bemerkungen zeigt uns, daß selbst innerhalb der alten jüdischen Handschriften eine unbedingte Gleichförmigkeit, wie man sie erwartet, sich durchaus nicht zeigt, sondern daß sie bezüglich der Durchsehung, des Tonsatzes und der Rechtschreibung manche Unterschiede zwischen den Handschriftengruppen aufweisen. So gering die Ausbeute auf den ersten Blick zu sein scheint, so wichtig wird sie in der weiteren Folge, daß sich nun bald die Eigenart gewisser Handschriften herausstellt und man auch, wo deren Herkunft festgestellt werden und erkennen kann, welche Wege die textliche Entwicklung gewonnen hat. Dem weitgehenden Mißtrauen gegenüber dem das MT heutzutage in den leitenden Kreisen der katholischen nnd protestantischen Bibelforscher begegnet, wird sich aus dieser Ausgabe 1*1t Sicherheit und Klarheit herausstellen, daß die Wandlungen in der hebräischen Fassung verhältnismäßig gering, daß also die Ab- Schreiber zu jederzeit mit größter Vorsicht verfahren sind. scliränkung auf die massorethische Seite gewünscht, im höchsten Falle eine An- I gäbe, wie sich die 70, die Vulgata oder ] Pe;chitto zu einer bestimmten Fassung I vei halten. Ginsburg geht aber weiter un i entscheidet zwischen MT und anderen Quellen. Damit hat er auf ein! Gebiet übergegriffen, auf welchem er der christlichen Forscher nicht Meister werden kann, da diese auf Schritt unr Trtt ihre Entscheidungen im schroffsten Gegensätze zu MT treffen und wir von ihn die Wahrung des entgegengetzten Standpunktes und Schrifttums erwartet hä ten. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß wir hier den sorgfältigen Wiederabdruck eines älteren Werkes vor uns haben, daß die Kittcl’sche Biblia Hebra'ica das ngere Buch ist und daß vor deren fe rischeinen auch die wenigen Stellen, denen entscheidend auf Septuaginta in und verwandte Uebersetzungen Bezug genommen wird, immerhin selbst das Neue darstellten und zumeist in die Kittel’sche Ausgabe mit hinübergenomm!:n worden sind. Auch daß der unveränderte massorethische Text oben steht, ist ein Verfa iren, dem sich Kittel mit Recht angeschlossen hat. Von mancher Seite isi dies Vorgehen als unrichtig und rücklä ifig angesehen worden. Aber sehr mit Unrecht. Soll etwa der hebräische Text all die Vermutungen oben mitschleppen, an denen die Neuesten so reich sind, und der arme Leser soll zwischen dem Ursprünglichen und den späteren Vermutungen keinen Unterschied mehr finden? Es ist demnach w ssenschaftlich durchaus berechtigt, daß oben in eherner Unveränderlichkeit ein wDhldurchgesehener MT sich findet — unten zu seinen Füßen mögen die Bemerkungen Zeugnis ablegen von der aijif ihn verwandten Geistesn ühe. Das wollten wir ganz besjnders gelegentlich der Angriffe wiederholen, die Ij das KittePsche Vorgehen erfahren hat. Wir werden auch fernerhin Gelegenheit £hmen, auf Einzelheiten einzugehen. Es ist eine Ehrenpflicht, derartige erke nicht nur freudig zu begrüben, ändern durch eifrige Verbreitung ihnen n Weg zu bahnen. Und wie so Manem ist nicht Ginsburg ein unbekinnter Gast?; U s de di