Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 3. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 26 — Noch hat die Seele nicht genug. Auch meine Schrift verlangst Du noch, Auch ihr willst Raum Du gönnen Bei denen, die dort prangen! Du hast mich hochgeehrt, mein Freund, So will ich Dich auch ehren! Sieh', meine Gabe liegt vor Dir, Die Frucht des Gartens, den ich angepflanzt. Und Wasser von dem Libanon. Frag’ nur Deine Aerzte, Sie werden’s bekunden: Nach einem großen Weingelage Ist auch ein wenig Wasser heilsam. Sonst trankst Du aus goldenen Bechern den Wein Trink’ nun durch das Wasser aus irdnem Gefäß1 Bald kommen der Vergeltung Tage, Wenn Deine Reben sind gereift, Dann zahlst Du mir in Wein es heim. Iß Trauben aus dem Weinberg, Den Andere gepflanzt; Trink’ Wasser aus Cisternen, Die ich nicht selbst gegraben. Bis es auf Deinerj Pflanzung wächst Und Deine Bäume geben Frucht Und Freunde essen den Ertrag Und trinken den Saft der Granaten. Die Wasser des Meeres — sie fliessen da unten Unter Felsen hinweg. Die Tiefen des Abgrundes durchdringen sie Und rasten nicht, Bis sie den Kieselfels gespalten, Das Feld der Bergeshöhn benetzt; Sie werden zu Quellen und Bächen! 1 So des Gedankens Ströme Im Herzen eines Mannes Deiner Art. Ihre Wellen regen sich Tag für Tag, Uebersteigen die Höhen der Forschung, Sie stürzen die Mauern des Zögerns, Die Pforten der Lust sie zerbrechen. Zerschlagen beschränkende Riegel Und ruhn im Vorwärtsströmen nicht, Es hätten ihre Quellen denn Da draußen bis zur Ferne sich verbreitet.