Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 1. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wir Tatsachen bringen und je weniger die Verteidigung der Hauptzweck zu sein scheint. Der Hellenismus, wie das Urchristentum werden uns auch ihre Beleuchtungsmittel bieten. Dass damit die Betrachtung des späteren rabblnlschen Schrifttums zusammenhängt, versteht sich von selbst. Damit sind die Grundzüge der gesamten jüdischen Geistesgeschichte gegeben. Die Denker des Mittelalters sind die Träger nicht nur der Weltanschauung, sondern auch der Bibelwissenschaft ihrer Zeit und vielfach der talmudlsch-midraschlschen Auffassung. Und bis zur Neuzeit hin gibt es ohne diese Grundlage keine jüdische Religions- Philosophie. Das*Gleiche gilt von den gottesdienstlichen Dichtern. Hier wird es unser Streben sein, neben den grossen Spaniern auch die TTrspränge der pajetanischen Dichtung und die deutsche und französische .Schule in den Vordergrund zu stellen. Es wird sich zeigen, dass auch sie ihre Reize habend Die Geschichte zeigt uns die Wege, auf welchen die jüdischen Gemeinden zur Betätigung dieser hohen Geistesziele geführt worden sind. Und -zu diesem Zweke sollen ihre Ergebnisse von uns benutzt werden. Wir wollen uns auch nicht vornehm von den schönwissenschaftllchen'Brzeugnissen, die von Juden stammen oder zum Judenmm in Beziehung zu bringen sind, abwenden, sondern auch sie nach dem strengen Massstabe der Kunst und als Aeusserungen des Zeitgeistes würdigen und kennzeichnen. Hoffentlich wird sich im Laufe der Zelt zu diesem Zwecke eine besondere Beilage herstellen lassen. So hoffen wir unseren Lesern ein wissenschaftliches Blatt ersten Ranges ausgestalten zu können, das auf der Höhe der Zeit steht, dessen selbständige Arbeiten und Besprechungen alle einen dauernden Wert behalten sollen. Die Besprechung wird auch fernerhin als Hauptgegenstand mit angesehen werden. Vergessen wir nicht, dass die Hauptwirksamkeit Lessings und Mendelssohn mit auf diesem Gebiete lag, denke man an die Bedeutung der ״Briefe, die neueste Literatur betreffend“, für das Emporblühen des deutschen Geisteslebens. Soll auch unser Geistesleben ein Emporblühen erfahren, so dürfen wir mit unseren schwachen Kräften die Mittel nicht ausser Acht lassen, die einst von den Grössten zu solchem Zwecke für nötig befunden worden sind. Preusslsch Stargard, Anfang 1907. Der Herausgeber. Rabbiner Dr. Ludwig A. RosenthaL V