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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1906-01-01 · No. 3. (1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 3. (1906)
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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N0.3.—1906. Jüdisches Jahrg. XXX. Litteratur-BIatt. Zur Beleuchtung aller Judentum und Juden betreffenden litterariechen Er• scheinungen auf dem Gebiete der Philo• •ophie, Geschichte, Ethnographie, Theologie. Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Begründet von Rabbiner Dr. M. Rehmer. Verantwortlicher Redakteur Rabb. Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Verlag und Expedition: Arthur Seholem, Berlin C., Roß-Straße 3, Bücher der einschlägigen Litteratur, deren Bettprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind an die Reda ktioc. Inserate u. Beilagen an die Expe• dition franco einzusenden. Rahner'• ״Jitflscb•• Ltttaratur * Blatt“ erscheint moaatlleb zvfei Mal und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Arthur Seholem. Berlin, RoBstr. 3) vierteljährlich eins Mark -+• Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״Israatltlscbe■ Waobsasohrift44, welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— ■ kostet, erhalten das ״Jüdische Litteratur-BIatt״ als firatls-Beilage. — Inserats werden mit 20 Pfg. die viergespaltene!Zeile berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe! ,,Aus Rahmer’e JQd. Litteratur-BIatt1* gestattet. Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand. Philosophische Bibliothek, Band 69 Ins Deutsche pbersetzt, mit Einleitung, Lebensbeschreibung des Verfassers und erläuternden Anmerkungen versehen von C. Schaarschmidt. 2. Auflage. LXVIII und 590 Seiten. Leipzig, Dürr, 6 Mk. (Schluß). Locke hatte sein Essay on human understanding veröffentlicht. Darin war er der Geistigkeit der Seele und den angeborenen Vernunftanschauungen entgegengetreten, hatte die Seele als an sich von der Außenwelt nicht verschieden, als eine leere Tafel hingestellt, der aus der Erfahrungswelt die Sinnenreize zukommen; sie löst sie von der Außenwelt ab und verarbeitet sie innerlich. Mit diesen Versuchen war Locke dem damaligen Bedürfnisse nach Erklärung der Welt und des Geistes entgegengekommen. Die Wirkung der Schrift war nach allen Seiten hin eine ungemeine. Locke hatte nämlich die letzten Fragen nach Weltbestand und Weltursache nicht berührt, und so zogen seine Freunde gar nicht die Folgerungen, die sich zwingend daraus ergaben. Nicht so Leibniz. Dieser Denker, der trotz seiner Gelehrsamkeit ein unabhängiger, vom Schulstaub unberührter Geist geblieben war, hatte die Stimmungen, aus denen heraus die Locke’sche Schrift geschrieben war, bereits hinter sich. Er erkannte, was kein Anderer einsehen konnte: Wenn die Erfahrung und ihr Sinnenreiz Alles war, so gab es eigentlich keine Seele, ihre Stellung in der Welt des Glaubens und der Sittlichkeit hörte auf; ja, wenn alle Antriebe einseitig nur, von außen kommen, dann hört die Möglichkeit, einen Weltmittelpunkt zu suchen, auf, und maßgebend wird dann eben die Sinnenwelt; höhere Eingebungen und sittliche Voraussetzungen sind dann nicht vorhanden. Was davon ererbt ist, kommt dann auch nur aus der Erfahrungswelt her und kann durch Anderes, was die gleiche Quelle bietet, ersetzt werden. Das waren die ersten Gründe, welche Leibniz zuerst in einer kürzeren Schrift, dann in vorliegendem Buche gegen Locke auftreten ließen. Da Locke sich mit den weiteren Fragen, welche der Denker I 1 im Anschluß an die Erforschung des Seelenlebens stellt, wohlweislich nicht befaßt hatte, 80 war die Frage, ob es außer der Erfahrung und dem Vermögen, ihre Reize aufzunehmen und zu verarbeiten, noch etwas Weiteres gebe, bei ihm zu kurz gekommen, und hier konnte Leibniz einsetzen. Er betonte die Unkörperlichkeit der Seele und ihre unaufhörliche Tätigkeit. Der Erfahrung setzte er die Vernunft als das unbedingt Notwendige entgegen. So war die Brücke zu einer Beantwortung der letzten Fragen geschlagen. Die Seele in ihrem selbständigen Betätigungsvermögen wird nicht nur leidend von außen beeinflußt, sondern hat die Kraft, die Welt unter eigenem Gesicktspunkt zu betrachten. Es war Leibniz nicht möglich, die allgemeinen Voraussetzungen zu Gunsten einer von Fall zu Fall arbeitenden Wissenschaft preiszugeben; er hatte das Gemeinsame hinter allen ihm zugänglichen Weltauffassungs1 ^־suchen zu entdecken sich bemüht. Ein Etwas außer dem Sinnenreize einfach fortzuleugnen, weil es sich uns und unseren Denkwerkzeugen nicht zeigt, dazu war Leibniz nicht imstande. Er hatte zwischen Freiheit und Notwendigkeit in der Selbständigkeit der Wesenseinheiten (Monaden) und ihrer unendlichen Wirkungsfähigkeit, wie ihrem notwendigen Verhältnisse zu einander (seiner voransbestimmten Harmonie) die ihm unentbehrliche Vermittelung gefunden — so war ihm die Beziehung zwischen äußerem und innerem Leben klar, zwischen der Sondereinheit und der Gesamtwelt, und andererseits der Stellung dieser besonderen Einheit in ihrer vorausbestimmten Wirksamkeit. Diese so oft verkannten, als Hirngespinnste betrachteten Anschauungen haben Leibniz es doch ermöglicht, das Wesen des Innewohnenden, der Kraft, neben der blos äußerlich erfaßten Daseinsgestalt des Einzeldings festzuhalten und das Unbewußte in seinem unondlichen Wirken zu erkennen. Die Wissenschaft unserer Tage kennt den Wert dieser Leibniz’schen Auffassungen gut genug. Wir wissen auch, daßjvon Leibniz aus der Weg zu Kant führt. Was diese Dinge das Judentum angehend Wir l haben gegen Ladenburg gekämpft, da wir unsere

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