Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 2. (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492408-6582210-8771033--3476-4858573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Freund der Bihel, besonders aber der Lehrer und der fortgeschrittene Schüler werden gut daran tun, sich dieses auch schOn ausgestattete Werk anzuschaffen. William Henry Cobb: A critictam of Systems of hebrew metre. Oxford at the Clarendon Press. 1905. VII und 216 Seiten. ־Biblisch-hebräische Metral Man schüttelt ungläubig den Kopf, wenn man diese Frage erwähnen hört Und trotz.lem war sie von jeher v״rl an len. ist sie immer wieder und wieder aulg.'iaucht und alle Gegengründe waren nicht stark genug, da* Auftauchen immer neuer Versuche zur Entdeckung einer jüdischen Metrik bezüglich der Bibel zu verhindern. Der Elinblick in solche Sonderfragen tut uns aus vielen Gründen not Ehe wir selbsttätig in die bibelWissenschaftliehen Fragen eingreifen, d. b. also ehe wir uns Wissenschaftlieh überhaupt wieder hoffähig machen, müssen wir vor allem wissen, um was es sich handelt Und bei den gelehrtesten Mienen und den schönsten Allgemeinregeln über Wissenschaft und ihre Pflege — Hand aufs Herz! Wissen wir’s? Darum machen wir oft einen so merkwürdigen Eindruck, wenn wir bibelkritische Fragen zu behänd ln glauben und uns dann ernsthaft mit Dingen abgeben, die längst überwunden sind; wenn wir etwas zu bekämpfen wähnen, dessen Dasein uns kaum in weitesten Umrissen bekannt ist Dadurch mu hen wir den Eindruck des Liebhabers, aber nicht des Fachmanns. Werke, wie Hoffmanns ״Letzte Instanzen׳‘ und ״LevitikasJ|_ stehen im b-sten Falle (aber 1׳ ider zu wenig!) auf unseren Bücherbrettern, aber sie machen keine Schule, weil eie zu wenig gelesen werden! Sir Claude Montefiore hat in klarer Erkenntnis dieses UmBtandes denn auch die Darst Uung des heutigen Standes der biblisch-metrischen Frage und ihrer Entwicklung zum Gegenstände einer Preisaufgabe gemacht, deren Ergebnis in dem Cobbschen Bach vor uns liegt Und wirklich! Allee, was dazu gehört, was zar Einführung and zum Verständnis dient, steht in diesem nur mäßig starken Bändchen drin. Die Forschungen über die Bibel in bezug auf ihre dichterischen Gestaltungen begannen schon vor Herder im Vaterlande unseres Verfassers, in England. So wenig Herder mit Lowth’s de sacrä poesi Hebraeorum zufrieden gewesen ist, so sehr hat er sich dessen Folgerungen angeeignet Wer jemals die Vorlesangen des englischen Bischofs gerade in ihrem lateinischen Gewände auf sich hat wir .en lassen, der vrtfd ermessen können, welche Wirkung sie trotz oder wegen ihrer Psalmen in horaz sehen Versmaaßen anf die damalige Jugend ausüben muß en. Schon Lowth hat 1768 die Crewianlschen Versuche, Metra in der Bibel zu entdecken, mit zweifelnden Blicken betrachtet. De Wette, Ewald. Budde und Kuenen haben sich später nicht viel anders geäußert. Und trotzdem sind die bezüglichen Versuche immer mehr angewachsen. Niemand lkß sich durch dpn Mißerfolg seiner Vorgänger absrhrecken, immer von Neuem wachsen die Entdecker der biblischen Verskanst empor ohne mit einander in _enge Fühlung za treten. Ohne eine sich entwickelnde Ueberlieferung wird heatzntage die biblische Metrik als eine Wissenschaft betrachtet, die den Text der Bibel meistert nod der saliebe die neuesten Deuter der prophetischen und dichterischen Bücher der Bibel unbequeme Worte aus dem Text werfen and andere einsetzen. Allerdings hat Goethe in der .Braut von Korinth* den Vers .bis er aagekleidet sich aufs Bette legt‘, Schiller im Wallenstein: .Macht, daß Ihr fortkommt! Euer treuer Isolan“, und die Duhms der Zukunft werden sicher hieraus, ohne Rücksicht auf die tiefe Absicht der Dichter, sehr regelmäßige Verse machen. Wenn sowohl Lyriker, als auch Dramatiker ohne Herrschaft über diese Gesetze nicht za denken sind — sollte dem Propheten, dem Psalmendichter eine solche Freiheit nicht zustehen? Jedenfalls ist« es von hohem Werte, daß Cobb in einem mäßig starken Lande diese ganze Entwicklung bis zu den Neuesten uns vorführt. So mancher wird mit Staunen vom Vorhandensein dieser Forschungen erst erfahren, und der Eingeweihte wird noch lieber einen klaren Einblick in den ganzen Weg gewinnen, den die biblische Metrik bis zam heutigen Tage genommen hat (Schluß folgt) Predigtumrisse. 1אדא (Kaisers Geburtstag) Gegensatz zwischen Pharao und dem Wirken eines edeln Fürsten. I. Pharao denkt nicht an sein Volk und dessen Not, sondern an sich und seinen persönlichen Willen. Er weicht nur der Not, und auch dann nur halb und unwillig, und nie mit dem Ent- Schlüsse, sein Wort vollkommen wahr zu ma< h״n — bis es zu spät ist (Begreiflicher Schluß auf die Vorgänge in Ruß- י land) II. Unser Ka׳ser, für den Weltfrieden strebend, blickt zi lb׳w ß au die Bewegungen des Völkeilebens, um ■einem Volke den Raum an der Sonn.• zu erhaben Wo es sich um die Zur ■ckdräng■ ng seines Volkes bandelt da t itt er mit besonderer En schiedenlieit auf, doch stets zur Mäßigung bereit, um die Hauptsache, den Frieden nicht zu gefährden, stehen wir alle vertrauensvoll zu ihm, unterstützen ihn in seinem Wirken! — בא (Schrifterklärung). Die Satzung des ungesäuerten Brotes hat in der Sidra zwei Begründungen: Einmal wird Israel das Backen der Brote in Voraus geboten, damit sie sie mit d׳ m Peßachopfer genießen; dann, beim Auszuge, wird es als Ergebnis des Augenblicks dargestellt, indem Israel nicht die Zeit hatte, den Teig säuern zu lassen, als es ausziehen mußte. Die Freiheit ist wohl ein Gottesgeschenk — daher das vorher gebackene Brot der Freiheit. Aber der Mensch muß selbsttätig, wenn er selbständig Sein und bleiben will, auf die Freuden des Lebens verzichten können und trotzdem Gott vertrauen Das tat Israel, als es mit dem bloßen Teig, ohne auf die Säuerung und Beschaffung des Reisevorrals zu warten, dem Rufe Gottes folgte .in ein nicht besätes Land zu ziehen * Diese Erinnerung ist uns besonders geblieben, sie ist sinnbildlich für die Erhaltung des Judentums und seiner Selbständigkeit trotz aller Schwierigkeiten. Winke für den Unterricht. קרבנות Bibel- und Talmudstellen, durch die wir der früher schon ausgesprochenen Pflicht, der Beschäftigung mit dem göttlichem Worte, genügen und die das Opfer vertreten sollen. וידבר כ1' ועשית Vor dem Opfern reinige sich der Priester; ולבש dann reinige er den Altar; מדבר בו' צו dann bringe er die beiden täglichen Opfer dar; מאסר בו' קח und Talmudst• llen; das Räucheropfer (Kethoreth) ist das Sinnbild der vereinigten Gläubigen, deren Taten zu Gott emporsteigen. ה׳צבאות bis 3 קדמוניות von Rabbi Jonathan empfohlene Psalmverse, unser Vertrauen auf Gott ausdrückend, wie die Zukunftsh1׳ffnungen Israels. (Der Lehrer wird gut daran tun, hier sittliehe Folgerungen anzuknüpfen. Zuerst Selbstreinigung, dann erst Reinigung des Altars: Zuerst bemühe Dich, tadellos zu sein, dann kannst du bessernd und reinigend wirken. Aber die Hauptsache ist das Opfer, und zwar das tägliche, morgens und abends! Hinweis darauf, daß alle Gemeinschaften, Vaterland. Menschheit, Familie des Opfersinna täglich und stündlich bedürfen. Das Zusammenwirken Aller in diesem Sinne bringt das Kethoreth hervor.) Inhalt der ■umrnnr 2. Wissenschaftliche Aufsätze: Leibniz’ Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand. — Einiges über Mischnaforschung. Von ür. L. A. Rosenthal. (Fortsetzung.) — Lltteraturberlcht. Rezensionen: Schulrat Dr. Frohnmeyer und Dr. J. Benzinger: Bilderatlas zur Bibelkünde. — William Henri Cobb: A criticism of s\9־tems of hebrew metre, — Predigtumrisse. — Winke für den Unterricht ׳Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.