Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 1. (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4 / Die Verse sind nicht Ghaselenverse und soliens auch nicht sein. Unsere großen Spanier haben unter der Nachahmung der alten Versmaße nur gelitten und können oft kaum genossen werden. Hat man Horaz in Reime gebracht — können da unsere Großen nicht aus der Umklammerung ▼eralteter Silbenzählereien gelöst werden? Sie würden neu belebt werden, wenn sie die Sprache unserer Zeit redeten, und man würde ihnen im wesentlichen trotzdem treu blei en. Dies nur nebenher. Und nun zu unserem Buch zurück. Der Kenner hat hier einen trefflichen Wegweiser durch die Blütezeit der Spanier. Außer Dunasch und Menahem (die beiden ersten Stücke gehören dem berühmten Brief Chisdai an und sind demnach eigentlich ein Stück), wie deren Schulen kommen nachher Joseph Ibn Abitur und Isaak Ibn Gajjat — das Zeitalter der Größe Cordovas umfängt uns. Joseph ben Chisdai mit seiner יתיטה leitet gut zu Samuel dem Nagid hinüber, der, ■wie wir hier ersehen, auch als Dichter besser is׳, als sein Ruf. Gabirol, Bacbja IbnPepuda(Schlußreime der, Herzenspflichten “), Mose Ibn Esra, ben Sahal, Jehuda Halevi, der vielverspottete Levi al Tabban (dem man hier gerecht werden lernt), Jehuda Ibn Gajjat und Salomo Ibn Gajjat, Joseph Ibn Zaddick, der Philosoph, Abraham Ibn Esra, Joseph Ibn Zebara und Charisi gehen an uns vorüber. Die Hauptdichter mit einer größeren Anzahl von Stücken vertreten, die anderen (außer den Bekannteren von uns Genannten findet man in vorliegender Sammlung noch eine große Fülle Dichtergestalten, von denen wir.selbst einige zum erstenmal kennen gelernt haben) mit weniger Dichtungen. Man muß gestehen, eine mit Umsicht zusaram« ngestellte ^Auswahl, die einen sehr guten Ueberblick über das behandelte hochwichtige Zeitalter gestättet Wir müssen auch noch besonders auf die Einleitungen mancher Gedichte hinweisen, in denen uns die Stellung der einzelnen Piutarten im Gottesdienst und ihre Bezeichnung bei den Sefardim erklärt wird. Man erhält dadurch Liebt über viele sonst rätselhaft bleibende Ueberschriften und lernt mit der Veranlassung eines Gedichts auch dessen Beziehungen zu den Kerngebeten des Siddur kennen. * Noch eine Bemerkung über No. 12, Hochzeitsgedicht des Isaak ben Gajjat. Es ist dies ein Genizabruchstück. Die Herausgeber bemerken, es sei die einzige bisher bekannte nichtreligiöse Dichtung Isaak Ibn Gajjats. Merkwürdig, daß sie auf mich nicht den Eindruck einer Gajjatschen Dichtung macht. .Erinnert das Versmaß selbst, soweit meine Erfahrung reicht, nicht an diejenigen Dichter, die uns als spätere Vorkommen, weil bei ihnen die weltliche Seite vorherrscht? Schon Ibn Kalfon und Joseph ben Chisdai müssen uns, wie nahe sie zeitlich auch Ibn Gajjat stehen, als solche^rscheinen. Bei Gabirol finden wir dies Vermaß auch in religiösen Dichtungen; ich würde es, die wissenschaftliche Metrik in Ehren, den zehnsilbigen Jambus nennen, also den Blankere. Soweit mein Blick bei Ibn Gajjat reicht (allerdings werden wir manche Arten und Beispiele seiner Dichtungen fehlen), - findet sich dieser Ton bei ihm nicht Und wäre das bezüglich des Metrums trotzdem der Fall, so würde der leichte Bau des Ganzen, das sehr glatt uns über die Verse dahinfahren läßt, jedenfalls dem Dichter eine große Vielseitigkeit Zutrauen lassen. Dazu genügt ein B ispiel nicht Es gibt soviel Dichter des Namens Isaak (s. Zunz), daß trotz der etwaigen Ueber- Schrift im Text des Brit. Mus man dem noch nicht so leicht zustimmen kann. Ich selbst veröffentlichte in der ״I8r. Wochenschrift" vor einigen Wochen ein Gedicht mit dem Akrostichon ואני משה סיסון d$s ich trotzdem nicht glaubte Maimuni zusprechen zu müssen. Ja, die Geulla יקוש בעניו> di® ebenfalls (len Namen Isaaks an sich trägt und in der man den Ton Isaak Ibn Gajjats wirklich finden könnte, hat z. B. -Zunz einem unbekannten Isaak, aber nicht Ibn Gajjat zugeschrieben. Wenn nicht ganz besondere Ueberlieferungen dafür sprechen, so wäre der Nachweis der Verfasserschaft für Ibn Gajjat nicht geführt. Das sind Sachen des Eindrucks. Ich kann irrgn. Es wäre mir deshalb lieb, gerade über dieses Gedicht den entgegengesetzten Standpunkt kennen zu lernen. Niemand wäre froher, als ich, wenn diese Dichtung wirklich dem großen Talmudisten, dem Vorgänger eines Alfaßi in Luiena, äugehörte, und wenn es sich von neuem herausstellte, daß ein tüchtiger Baal Gemoro zugleich ein leichtes Horbzeitsgedicht, nicht nur ernste und schwere gottesdienstliche Stücke schaffen konnte. Da bin ich wieder in der Erörterung drinn, selbst auf die Gefahr, widerlegt zu werden. Das ist mir die geringste. Ich bitte, die wichtige Veröffentlichung recht viel zu lesen, sehr viel darüber in Erörterungen zu geraten, vorzugsweise aber — sie zu kaufen! Den Herausgebern aber für die daraus geschöpfte reiche Belehrung und für die genußreichen Stunden, die es mir geboten, innigsten Dank! Dr L A. Rosenthal. Tel Talpiot. Talmudische Zeitschrift. Waitzen, Ungarn. Es ist ein schönes und verdienstvolles Unternehmen, welches der gelehrte Rabbiner zu Waitzen hat ins Leben treten lassen. Er hat in seiner Zeitschrift einen Sammelpunkt für die zahlreichen Freunde fruchtbaren sehriitstollerisch tätigen Strebens bezüglich des Talmuds geschaffen. Der Inhalt (in hebräischer, leicht verständlicher Sprache) zeugt von halakhisch tiefem Eingehen auf die nicht so lei• hten Gegenstände. Der geistvolle, durch sein tiefes Wissen und seine Gründlichkeit weithin bekannte Herausgeber gibt öfier in ein׳ m balakhischen Artikel den Grundton an, der dann (wie z. B. in der Frage des einstigen Schofarblasens am Sabbat) von den Mitarbeitern in allen Tonarten weiter erörtert wird. Dem Freunde des Talmuds und der Erörterung, dem Feinde der wissenschaftlichen Stille und des üb> rmäßig vornehmen T.ms in Gegenständen und Behandlung macht diese Art des frischen Geisteslebens wirklieh Freude Ein Nebenblatt dient den ers en selbständigen Uebungen der Jugend, der mit einer gewissen herablassenden Nachsicht leichtere Gegenstände geboten werden und die dadurch zur Mitarbeit angeregt wird. Neben den ernsten balakhisch«n Gegenständen erhebt auch die Haggada ihr Haupt, und es mutet uns so recht traulich an, wenn wir sinnige und erbauliche Deutungen vornehmen; allerdings würdig des ganzen Tons der Zeitschrift indem die Gestaltung eines Midrasch durch Vergleiche mit anderen Stellen beleuchtet und so auch der wissenschaftlichen Seite durch Zusa umenstellung der Stoffe gedient wird. , Die schöne Zeitschrift verdient die eifrigste Förderung von Seiten aller Feinde der Verflachung und aller Freunde des jüdisch-wissenschaftlichen Denkens. Predigtumrisse. וירא מנוחה כי טיב — •דחי etc• Wer wahrhaft Ruhe genießen will, und wem die Erde lieblich erscheinen 8011, der darf nicht die Ruhe suchen, muß vielmehr Last und Arbeit freiwillig auf sich nehmen und ein Arbeiter werden. An ihn kommt Sorge nicht heran. (Traupredigt auf fleißige Personen, Braut oder Bräutigam.) ששות• — Haftara. — הבאים ישרש יעקב יציץ ופרח ישראל ומלאו פני תבל תביאר,• In Zukunft wird Jakob Wurzel fassen; zunächst wird das schwankende Judentum sich festigen durch Betonung seines Volkstums, durch Festhaltungseiner Eigentümlichkeit, um den Gedanken zu erhalten. — 2) Doch als Israel, als Gotteskämpfer kann es nur wahrhaft streben und Blüten treiben, als Vertreter des Gedankens. — 3) Dann wird das Zeichen unserer Trefflichkeit sein: Die Erde ist vo 1 der Früchte unseres Tuns, der edlen Taten. — Inhalt der Nummer I. Wissenschaftliche Aufsätze: Bibelwissenschaft und Glaube. Von Dr. L. A. Rosenthal. — Einiges über Mischnaforschung. Von Dr. L. A. Rosenthal. (Fortsetzung.) — Lltteraturbericht Recensionen: Prof. Dr. Simon Stern: Tolstoi, Zola und das Judentum. — Dr. H. Brody und Dr. K. Albrecht שער השיר• Die neue hebräische Dichterschule der spanisch-arabischen Epoche. Von Dr. L. A. Rosenthal. — Tel Talpiot. Talmudische Zeitschrift. — Predlgtumi88e. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.