Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 5. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 — ■ai bemerkt, daß die Abbreviatur für מצוה ראשונה nicht'כסייח ף• sondern tatsächlich 'טצת־ן א ist, wie '־ק א® für פרקראשין oder סשנח für משנה ראשונה• Dr. J. Goldschmidt-Offenbach a. h. Litteraturbericht. Recensionen. Erich Bisohoff. Talmad-Katcehismas. XII. 112 8. Leipzig. Grieben. (Auch unter dem Titel: Morgenländische Bücherei. 3.) Wir haben vor einiger Zeit Bischoffis in gleichem Verlage erschienene ״Kabbala* besprochen. Ebenda ist Min ״Koran* erschienen. Er hat Aber Talmnd&bersetsangen, Aber den Schulchan Aruch gearbeitet. Ein fleißiger Arbeiter! müssen wir sagen, der nicht mit alltäglichen Dingen sich abgibt, nar mit feniliegenden, dankein. ja geheimen. Es ist ein sehr verdienstvollee Unternehmen, solche weit abliegenden Dinge weiteren Leserkreisen zugänglich zu machen. Wir wollen es gar nicht für so gefährlich and schlimm ansehen, wenn ein' solches Arbeiten mehr in die Breite als in die Tiefe geht Die Tiefe taagt für weitere Kreis« nicht Genug, wenn sie an der Oberfläche haften können, wenn sie dabei noch die Hoffnung hegen können, in einigen Standen in den Talmud eingeführt zu werden. Verfasser ist selbst Sachkenner genug, um nur zu behaupten, daß er immerhin soviel glaubt mitreden zu können, wie mancher vermeintliche moderne Talmudkenner, ja, daß er manches Eigene and Eigenartige glaubt darin gesagt zu haben. Es ist ganz richtig, daß unter Christen schwerlich mehr als ein halbes Dutzend zweiäugiger Talmudisten vorbanden sind; selbst daß manch# Rabbinen talmudblind sein sollen, äußert Verfasser zu eigener Entschuldigung. ,Damit hat er dem Beurteiler von vornherein den Standpaukt angewiesen. Des Schwertes Schneide ist dadurch dem Kampflustigen unter den ״Besprechern* abgestumpft, und wir müssen dem Verfasser nun dankbar sein für das, waa er bietet ״Wer es besser versteht, mag es besser machen!* Ganz richtig! Genau das, nt wir stets als unser eigenes Recht verfochten haben. Und doch — ein ״Talmudkatechismus* erweckt von vornherein große Erwartungen. Wenn noch so bescheiden, wird der Beurteiler darin den Ueberblick über das gesamte Gebiet erwarten, besonders von der Seite aus, die dessen Haupt- und Kernpunkt ansmacht Wir müssen dem Verfasser zugestehen, daß er bezüglich der Wichtigkeit des Talmuds die Gebiete gestreift hat, in welchen er dem Forscher bedeutende Mittel zur Erkenntnis auch nichtreligiöser Gebiete liefert Bisehoff gibt zu, daß Schürer bei genauerer Kenntnis der Gemara mehr hätte zur Beleuchtung der neutMtamentlichen Geschichte bieten können. Gelegentlich bietet Verfasser hier treffende Beleuchtungen für manche Redensarten nnd Begriffe unserer Zeit. Wir weisen auf Bismarck» ״praktisches Christentum* und Rabbi Jeremia’s ״praktisches Judentum* (S. 11) hin. Was die Geschichte und den Umfang der Mischna mit ihren Ordnungen und Traktaten, wie den Umriß der Gemara anlangt, so kann Bischoff darin nichts Neues bieten und will es auch nicht Die großen Erklärer des Talmuds sind sehr ungenügend angeführt Weshalb fehlen Alfaßi, Ascher, der Tur, der Schulchan Aruch? Wenn schon die beiden Letzteren von ihm übergangen werden konnten — aber die beiden Ersten? In der ״allgemeinen Charakteristik* fehlt das berühmte erste Blatt des Talmuds nicht; dann wird der Anfang des Traktats Sbtah und einiges Agadische gebracht; zur ״inneren Charakteristik* die erste Misonna von Sabbath. Dabei kann es ja auf nichts Weitere« hersuakommen, als dem Talmud Kleinlichkeit nnd Spizflndigkeit ohne Großzügigkeit vqrzuwerfen. Von dem Geiste, der diese Erörterungen durchweht — von der Größe des Ganzen, wenn man es als Ganzes za betrachten imstande ist; von der inneren Freude de« Forschers, der hier dem Werden von Halakhot nachgehen und den Gedanken von Geschlecht zu Geschlecht wachsen sehen kann, ist in Bischoff« Gesichtskreis nichts gedrungen. Stollen wir ihm daran« einen VonOurf machen? Was er in Sohriften, die ihm naheliegen, vorgefunden, hat er benutzt: so lange aber noch die äußere□ Umrisse den Hauptgegenstand solcher Einleilungsschriften bilden, kann ein Fortschritt in der Durchdringung dieses Schrifttums nicht verzeichnet werden. So lange man in dichterischer Bildersprache den Talmud als halaehische Fechtschule, als agadischen Garten, als dädalischen Bau, als Meer mit seinen Tiefen und Klippen, als Felsgebirg« mit Gipfeln und Tälern zu bezeichnen sich bemüht, im besten Falle sich mit der Agada abgibt — wie soll da das innerst• Wesen des Talmuds, die Halaoha, r 1r Geltung kommen? Im besten Falle nehmen aber agadiscb scbiobtliche Erwägungen die Breite der heutigen Bestrebung, •יי; mit dem Bau. dem Werden, dem inneren Zusammenhang Ganzen, den Grund- Sätzen, die dH Ganze durchziehen, g ד an sich wenig ab, Verfasser hat von seinem Standpunkt. 1s genug geleistet Wir müssen noch zufrieden sein, daß , die Angabe dieser wenigen halachischen Stellen für nötig b funden, um dann mit einem sapienti sat! abzugehen. (Schluß folgt) Predigtumrisse. הפסקה — ־פקידי• Innerhalb der Vorbereitungssabbate auf die Freiheitsfeete des Purim und Pesach gibt es Sabbate, die ohne besonderen Thoraabschnit als Pausen und Ruhepunkte zum Rück- und Ausblick mahnen. Ehren wir diese einfachen, schmuoklosen Sabbate, die uns auch die Ruhe, die beseligend• Feier im Hatue, die Belehrung durch den Wochen- und Prophetenabschnitt bringen. Lieben wir das ״Gewöhnliche“, m ist das Dauernde. Suchen wir nicht allein das Neue, Selten« und Ungewöhnliche zur Erhebung und Erbauung auf, dann wird das Neue und Seltene uns nicht weniger erheben und!, erbauen. Israel bedarf des Stetigen und Ewigen, des Alltag•! liehen, denn das Judentum ist keine Religion weniger Ffeierj tage, sondern trägt mit sich die Lehre des Lebens in all seine*] Gestaltungen. So sei auch der heutige Sabbat keine ייחפסקה Unterbrechung der heiligen Empfindungen, sondern führe uni] ebenfalls weiter auf unserem ernsten Wege durch das Jahrl und durch die Geschichte. 0- מגילה נקראח ספר ונקרא האגרת — •פ' זכור •דקראhJ Esterbuch heißt Buch uud heißt Brief* sagen unser« I Weisen. Briefartig falten wir es am Purim bei der Vorlesung.j in der Synagoge. Denn scheint es uns nicht, als wären di«ן darin geschilderten Verhältnisse neu, als käme die EsterroU•] heute wie ein soeben geschriebener Brief an uns heran? Für] den einen Mordechai müssen alle Juden büßen — in schein- ] barer Vaterlandsliebe werden die Anklagen gegen alle veriU•] gemeinert — die Not rückt an Israel mitten aus heiteren I Himmel heran — aber sie weckt die Selbsterkenntnis, das Be• j streben nach Besserung, das Bewußtsein des Zusammenhangs 1 Die Unglücklichen lernen, was die Glücklichen vergessen haben, J daß die Gottheit nicht überflüssig ist. Das ist heute so wi*| vor Jahrtausenden.— Aber als Buch gibt uns das Esterbueh 1 ernste Lehren: Mögen die Mordechai und Ester unserer Zeh,] die Hochgestellten unter den Juden, stets bereit sein, für di« 1 Gesamtheit einzutreten und sich ihr nicht entziehen, dann wirf 1 die Gesamtheit ihnen gern folgen! Schämen wir selbst uo•:] nicht der Elenden unter unseren Glaubensgenossen! ״Gaben,1 für die Armen* fordert das Esterbuch, denn sind in der! Not alle gleich, so müssen sie auch im Glücke sich eins! fühlen! I!■halt dar lunimir 5. Wissenschaftliche Aufsätze: Habakuk — Nahum — Joel. Von,! Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. (Fortsetzung.) — OptM mismus. Von Dr. A. Lerich. (Schluß.) — Replik. — i Literaturbericht Rezensionen: Erich Bisehoff, Talmud• j Katechismus. — Predlgtuarlsse. _ Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal I in Preußisch Stargard. j Druck von Arthur Scholem, Berlin. ] V.