Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 5. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 1 u an gleich damit das lebensvolle Bild vom Fischer, dasgeradeienerSchilderungdesKriegszuges so würdig ist. Wie kommt es aber, daß wir in Nabum und Joel gleich lebensvolle Schilderungen von Kriegs- und Tierzügen mit ganz gleichen Farben finden — sollen diaauch dorthin versprengt sein? So streiohe man alle Bilder aus dem Tierleben, wie wir sie in Nahum gefunden; so streiche man das kraftvolle Spottlied der Völker im zweiten Kapitel des Habakuk. Liegt doch in dem Versuch, ls etc. nach 2 zu versetzen, das Zugeständnis, daß diese Teile einander entsprechen. Oder man widerlege den von uns am Anfang (fieser Abhandlung gegebenen Vergleich, der — es unbedingt bewirken muß, daß, was von einem dieser Bücher gilt, von allen dreien gilt. Psalmenartige Stücke,, wie Hab. 3, müssen als unecht erklärt werden, zum Teil auch deshalb, weil man die Psalmen für nachexilisch ansieht Nun gleicht Nahum 1 entschieden einemPsalm (s.o. denNaehweis). Dies Kapitel ist ja denn auch bis auf wenige Reste als unecht gestrichen worden. Dann muß aber Hab. 11-1 ,12 ,»י* schwinden. Es gibt kaum, wie wir oben genau nachgewiesen haben, etwas der Psalmenreihe 1—18 Aehnlicheres, als diese Sätze. Und zwar dürfen dann nicht etwa jene Psalmen als abhängig von Habakuk angesehen werden — der Prophet, der sich im dritten Kapitel ganz in den Geist eines . Psalmendichters versetzt dessen 31 שגיוגות durch die gleiche Psalmenreihe geschützt wird, wie sein למנצח בנגינותי mit Bewußtsein an den Schluß gesetzt ist ' (8, 0.), steht im Ausdruck und Geist jenen Psalmen so nahe, daß er nur aus ihnen erklärt werden kann. Da man die Psalmen doch nicht mit einem Mal wird für davidisch oder vorexilisch erklären können, so müssen diese Teile des Habakuk auch.schwinden. Und gerade sie hat man zum großen Teil für echt erklärt weil ohne sie im Habakuk nur ein lebensunfähiges Stück, 11« bis 2» bezw. nach anderen 2u bleibt. Wer nun noch ein übriges tut und das Bild vom Taumelkelch 2!s-u stehen läßt, der darf nicht vergessen, daß, wie wir gezeigt, Nahum Aehnliches hat. Wer aus diesem Grunde die Stelle erhält, der muß zugeben, daß alles diesen Büchern'Gleichartige echt ist. Wer gerade darum die gleichen Bestandteile den einzelnen Propheten absprechen und etwa einem gemeinsamen Bearbeiter zusprechen wollte, der muß auch 21s-״ tilgen. ” Was bleibt denn nun an allem? Hab 1!!2ff., 3 muß als psalmenartig, U!! als versprengt schwinden, und die paar noch übrigen Vferse werden schon jemanden finden, der sie als 1: etc. ähnlich beseitigt. Dann ist Habakuk zu seinen Vätern gegangen. Nah. 1 schwindet als Psalm, 2 und 3 als gewaltige Kriegsschilderung, wie der betreffende Teil des Habakuk, darin ist Nahum verschwunden. Ob nun Joel zu seinem Recht kommen kann? Er, der den beiden andern so ähnlich ist, wird nun vielleicht ihr Zeitgenosse werden, d. h. sie die Seinen, und wir rücken dann in Happels Gebiet ein, d. h. wir erklären Nahum und Habakuk für makkabäisch, ebenso JoeL, dessen drittes Kapitel dann dazu die beste Veranlassung bieten würde. Welche Schwierigkeiten aber dadurch entstehen würden, ist von anderer Seite genügend hervorgehoben worden. Daß wir nicht als Scharfmacher zu schwarz gemalt haben, wird jeder Kenner der Verhältnisse uns zugestehen. Wir sind überzeugt, daß die Dinge unbedingt schließlich diesen Gang nehmen werden, und 80 gut sich unsere früheren Ahnungen genau erfüllt haben, so gut wird es mit unseren hier ausgesprochenen Annahmen sein. Es gibtEntwicklungsgesetze, die sich nie verleugnen, Folgerungen, die mit zwingender Notwendigkeit im Voraus gezogen werden können. Kommt außerdem noch Zephanja an die Reihe, wie es nach unseren obigen Darlegungen sich nicht anders erwarten läßt, so wird es schwer sein, sich zu erklären, wie Sirach von 12 Propheten spricht; und zwar auch der hebräische Sirach. (Fortsetzung folgt.) Optimismus Israels. Von Dr. A. Lericli. (Schluü.) Umschlossen von ihren Lebensformen und beherrscht von ihren Ordnungen,weiß Israel durch den ihm innewohnenden sittlichen Geist der Natur gegenüber seine volle Selbständigkeit zu bewahren und sie diesem dienstbar zu machen. Nicht also in der Abkehr von der Natur, in ihrer Zerstörung und Verwüstung sieht Israel den Sieg des Sittlichen. Ohne Natur kein Leben und keine sittlichen Maximen. Die Pflanze kann ohne Erde und Wasser ebensowenig gedeihen, wie ohne Licht. Das Natürliehe ist gleichsam der Unterbau, auf dem das Sittliehe als Oberbau aufgeführt wird. Ebenso verhält es sich nach der israelitischen Weltanschauung mit dem menschlichen Triebleben. Die Triebe im Menschen dürfen nicht unterdrückt werden, denn auf ihnen beruht ein großer Teil menschlichen Lebens; sie tragen zur Freude unseres Daseins bei. Auch die heilige Schrift verabsäumt es nicht, an vielen Stellen die Lust am Leben rühmend hervorzuheben, die uns zu neuen Taten anregt, in schweren Zeiten erhebt. ״Freue dich, Jüngling, deiner Jugend und laß es dir Wohlergehen“ ist einer von den vielen Sätzen hierüber. Die ethischen Gebote sollen jedoch die natürlichen Freuden weihen, die Lust veredeln und auf das richtige Maß beschränken, so daß zwischen dem Natürlichen und Sittlichen harmonische Ueberein- Stimmung herrsche. Bezeichnend für diese Auffassung ist eine Erzählung im Talmud. Nach dieser wollten die Weisen, die sich die menschlichen Triebe als personifizierte Engel dachten, sie vernichten. Als sie aber sahen, daß durch die Aufhebung der natürliehen Kräfte dem Menschen der'Untergang drohe, da beschlossen sie, diese nur zu beschränken und auf das natürliche Maß zurückzuführen. Auf diese Weise hofft Israel das 'סלכוחש, das Gottesreich auf Erden herbeizuführen Nun aber dürfte man mit einem Satz unserer Weisen einwenden: die Welt nimmt ihren natür- {