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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 2. (1905) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 2. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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Schütter fühlt mit Freudigkeit, daß plötzlich in lebens- Tollerer Gestalt ein hebriUeeher Sirach Tor ans steht, dessen Geschlecht in-der Bibel lebte and webte, nicht als verschlossenes Bach sie ▼or ihm, und sowohl Sirach als sein Enkel haben mit hellen Angen gelesen. Schiatter bestätigt, was man sonst geahnt hat, daß der Syrer, abgesehen von Entlehnungen aas dem Griechischen (z. B. Sirach 48), aaf der hebräischen Urquelle beruht. Man bedurfte unbedingt älterer Zeugen, als des Syrers oder der Urquelle der griechischen Texte, die (wie die Um- Stellung von 81—86» beweisen) aus einer Grundlage stammen. Aus Clemens ersah man, daß die altlateinische Uebersetzung auf dem nach Clemens za nennenden Alexandriner beruht. Hier Anden wir Glossen im Sirachtexte. die vom Griechen zum Teil getilgt worden sind, während (nach dem hexaplarischen Kodex Ambrosianus) Origenes in seiner Ausgabe die Glossen kenntlich gemacht hat Aaf diese Anregung hin konnte der Grieche die Zusätze beseitigen, und nur Weniges ist darin zurückgeblieben. Zur Wiedergabe des hebräischen Textes bemerke ich, daß 40» '1 ב קרומי (durch äxsl nahegelegt) ebenso wenig bedenklich ist, wie das spätbebräische צורך in Verbindung mit יספיק (vgl. Haggada וספק צרכנו כשדבר ארבעי׳ שנה)• '«'oiite man doch an anderen Orten סוחף* leseD, was dem 3ito-<>; entspricht, (Smend <u 40«), was Sehlatter allerdings bestreitet Doch sind solche Ausdrücke Sirach wohl zuzutraaeu. Schiatter benutzt den Ausdruck 41« nach der Randbemerkung nur zur Textessicherung, dafür מחובר einstellend. Sirach schreibt biblisch, aber vermeidet nicht ängstlich die Sprechweise seiner Zeit Ansprechend ist 424 שחק auf das Abreiben der Wage der Genauigkeit wegen and rfinCP auf das Abwiscben des Gewicht- Steins gedeutet. Ob wohl, (das mischnische) תמחוי vom gestricbenen, nicht gehäuften Maße herkommt, wie לסאה מחוקה (Fortsetzung folgt.) Geschichte der Jaden in Lissa. Von Rabbiner Dr. Lewin, Pinne. Von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Pinne. Gundermann. 1904. 401 S. 3,50 Mk. Wenn ein Buch, das in streng geschichtlicher Behandlung eine Masse Einzelheiten verarbeitet, dieselben nicht zu nackt hervortreten läßt, eo ist die Lesewelt vor der Gefahr der Langeweile bewahrt. Wenn die darin gebotene Tatsachenfülle, ohne daß der Verfasser ihr unnötigen Schmuck verleiht, uns noch innere Erlebnisse bietet and in ihrer einfachen Darlegung doch auf unser Gefühl einwirkt, dann ist der Verfasser in seiner Gründlichkeit anch mit seinem Herzen dabei geweeen. Ein solches Werk ist das vorliegende. In demselben tritt nicht nnr die Vergangenheit der Geeamtgemeiade Lissa und die hohe Bedeutung der dortigen Jndenschaft für die ganze Glaubensgenossenschaft hervor, auch die Einzelgestalten derjenigen, die darin gewirkt haben, sind genau zu erkennen. Daza hat Verfasser einen Bestandteil seiner Arbeit benutzt, in welchem man bei manchem andern nur trockene Namen und Zahlen gefunden hätte. Im Nachträge zur Hauptdarstellung bietet er ein alphabetisches Verzeichnis der Personen, die inmitten der Lissaer Gemeinde eine Bedeutung gehabt oder dieselbe außerhalb betätigt haben. Da beleben sich die Namen vor unseren Augen, sie werden zu Gestalten, deren Wirken und Geistesschaffen uns nahegeführt wird.' Eine herrliche Arbeit) Knapp wo ee möglich ist, bietet sie an anderen Orten jedem Leser Ansprechendes, dem Kenner aber eine Fülle von Einzelheiten, durch die er manche Werke seiner eigenen Büchersammlung erst schätzen lernt Der Verfasser versetzt so manchen Leser nach den Stätten seiner Kindheit und seiner Erinnerungen hin, es werden alte Eindrücke in ihm lebendig, und er erfährt, daß manche von ihm längst geschätzte Personen ihren Ausgangspunkt in Lisqa haben, oder doch zeitweilig mit diesem Orte in Verbindung gewesen sind. Die Geschichte des jüdischen Schrifttums erfährt auf diesem Wege mannigfache Bereicherungen. So haben wir hier nach Gegenstand und Behandlung einen fesselnden Teil der jüdischen Geschichte vor uns, der uns dartut, was eine fromme Gemeinde der Vorzeit zu leisten imstände war, sei es für die Erhaltung und Verbreitung der Lehren, sei es für den Bildungsfortschritt und für die Rechte Aller. Möchten die heute 80 ausgiebig benutzten Gemeindeakten und Memoirbücher noch recht viele solche Werke aus sich hervorgehen lassen! Predigtumrisse. יבשלה Anfangssatz. Nicht auf dem nächsten Wege kann Gott Israel ins heilige Land führen, ״ .בי קרוב הואweil es zu nahe ist uod sie, ,wenn sie Kämpfen ^entgegengehen“, d. h. wenn ihnen solche begegnen, geistig ,nach Egypten zurückkehren würden, d. h. sie würden feig vor jeder Probe ihres Glaubens zurückweichen. Daher erzieht sie Gott, führt ihnen den Feind und sie dem Meere entgegeo, damit sie durch Gefahren fest und mutig und so erst frei werden. — Auch Israels Weg durch die Geschichte ist ein Weg zur Kräftigung; ist es nicht der nächste Weg zur Freiheit, so fuhrt die Bahn durch Kämpfe und Prüfungen um so sicherer dahin. Darum vertrauen! יתרו• Schlußsatz. .Steige nicht auf Stufen zu meinem Altar empor, damit nicht deine Gebrechen kund werden!“ Der Bescheidene, der keine großen Voraussetzungen von sich hervorruft, der nicht ruhmredig verspricht, was er nicht leisten kann, wird stets Ehre erlangen, weil er sie nicht sucht Seine Fehler werden weniger bemerkt, weil er zugibt, welche zn besitzen. — Wie aber, wer sich durchaus auf Stufen stellen will, um sich von Anderen zu unterscheiden? Was er auch leisten mag — es wird nie ihm Bewunderung eintragen, denn er hat ja viel versprechen. Jeder Sonnenflecken an ihm wird aber bemerkt, weil er den Ruhm sucht. — Jener wird am Altar opferwillig sein können, weil er an sich vergißt; dieser wird ihn sofort verlassen, wenn er keinen Ruhm erntet משפשים (Neumondsankündigung). לא תהיה משכלה ועקרה ״ בארצך את מספר ימיך אמלאWenn auf dem Boden deines Lebens und deiner Jahre kein Tag unfruchtbar und nichtig verläuft, dann werden deine Tage zäblenswert sein, dann hast du lange gelebt, denn der Wert des Lebens liegt in seinem Inhalt, nicht in seiner äußern Dauer. — Die Thora, die ans des Leben nach Jahren durch die Bußfeste, nach Monaten durch die Neumonde, nach Wochen durch die Sabbate, nach Tagen durch die gottesdienstliche Ordnung des Tages messen läßt, bringt uns zum Bewußtsein, daß auch der Tag, ja, die Stunde wertvoll ist. — Benutzen wir in dieser Weise das Leben! Inhalt dar Mummmr 2. Wissenschaftliche Aufsätze: ׳ Habakuk — Nahum — Joel. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. (Fortsetzung.) — Das Gebet bei der Leichenfeier. Von Rabbiner Adolph Gerloczy. — Literaturbericht. Rezensionen: D. A■ Schiatter, Das neugefundene Stück des Sirach. — Dr. Gasser, Die Bedeutung der Sprüche Jesu ben Sir» für die Datierung des althebräischen 8pruchbuches. — Dr. Lewin, Geschichte der Juden in Lissa. — Predlflt• unrlsse. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosentha• in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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