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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 23/24. (1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 23/24. (1904)
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 23/24. — 1904. Jüdisches Jahrg. XXVIIL Litteratur-Blait. Zur Beleuchtung aller Judentum und Begründet ton Rabbiner Dr. M. Rahmer. Bücher der einschlägigen Litteratur, Zur Beleuchtung aller Judentum und Juden betreffenden literarischen Er• scheinungen auf dem Gebiete der Philo• sophie, Geschichte, Ethnographie, Theologie. Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Begründet ton Rabbiner Dr. M. Rahmer. Verantwortlicher Redakteur: Rabb. Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Verlag und Expedition: Arthur Scholfent, Berlin C., Roß-Straße 3. Bücher der einschlägige n Litteratur, deren Besprechung in ciesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe and Manuskripte sind an die Redaktion, Inserate u. Beilagen ai die Expe* dition franco ein*äsenden. Btkasr’s ״JBiUche» Uttsrstar - Blatt** erscheint mosatNeh zwei Mal und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direkten Arthur Scholem, Berlin, Roßstr. 8) vierteljährlich eise Mark. — Die Abonnenten der in demselben Yerlage erscheinenden ״!•raelitttt(1fl reiche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich ]3.— M. kostet, erhalten das ,Jüdische Litteratur-Blatt‘' als firatU-Beif. werden mit 20 p»,. die viergespalten* ZeiJe berechnet und sind an die Expedition in Berlin au senden Bezüge durch Wseheatehritt44' age. — Inserats Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe! ״Au■ Rahmer’• JOd. Litteratur-Blatt“ geetattet. Raschi — Maimonides. Gin Gedenkblatt. Siebenhundert Jahre ist Maimonides, achthundert Jahre Raschi tot — dieses Jahrjhat also die Ehre, die zwei meistgenannten Geistesgrößen des Mittelalters der Jetztzeit in'Erinnerunglzu bringen. Israel ist dankbar, es hat ein gutes Gedächtnis; in solchen Erinnerungen bewahrt es sich selbst in seiner Frische. Kein Alfaßi, kein Naohmanides, noch Adereth sind imstande gewesen, eine solche Fülle vop Gelehrten in Bewegung zu setzen, wie Raschi und der Rambam. Kaum sind die Sätze, ja, die Worte irgend welcher Schriftsteller mit solcher Genauigkeit betrachtet, gedeutet und wieder gedeutet wordeij, wie die dieser beiden Männer. Mit der ״schweren Rajschi“ ging der ״herbe Rambam“ Hand in Hand. Der Blick in eine gute Ausgabe der Jad Hachasäkah (anders nannte man ,,Mischne Thora“, das £roße talmudische Gesetzbuch, nicht) zeigt uns den Text in der Mitte, umgeben von einer Schar ״Waffenträger“, die sich um den ״König“ oder den ״großen Adler“ scharen; den gleichen Anblick zeigt der ״Moreh Nebuchim“. Und wenn schon Raschi nicht mit seinen Erklarem zusammen gedruckt werden konnte, so nimmt dafür deren bloßes Verzeichnis schon einen weiten Raum ein, und eine auch nur flüchtige Kennaeich־ nung, ihrer Leistungen würde ein mehrbändiges Werk erfordern. Beide, Raschi, wie Maimonides, gehörten nicht tu den Unverstandenen, denen erst die Nachwelt ihr Recht hat angedeihen lassen — sie waren Schon bei Lebzeiten berühmt, und ihre Hauptwerke erfreuten sich einer Verbreitung, die für jene Zeiten, »0 die Verkehrswege so mangelhaft waren, wunderbar erscheinen muß. An ihre Namen knüpften sich folgenreiche Be- Regungen, die zum Teil gegen sie gerichtet ■waren Dnd sie noch berühmter machten.* Maimonides kühne Ansichten über die Wunder in der Bibel und über die Begründung der halacha le moschejmissinaij, wie *uch über die Zwecke der Thorasatzungen teilten Judentum in zwei Lager. Und Raschis eigene Enkel gingen mit prüfenden Blicken an 1 eine großen Werke heran, und indem sie in Bibel und Talmud über ihn hinausgingen, schufen sie durch den scheinbaren Gegensatz zu ihm die Tossafistensc!ule. Beide Bewegungen weckten große Geiste« kräfte und wahrten die Forschung vor Erstarrung. Sie ließen für die Folge die berühmten Fragen als Er twicklungsstoff zurück, der sich gerade in den folgenden dunkelen Zeiten bewährte. Die Gestalten Raschis und Maimonides wuchsen aber gerade dadurch zu übermenschlicher Höhe empor, ihre Nt men hatten in den Massen einen volkstümlichen Klang, und mannigfache Sagen knüpften sich an i ire Lebens- Schicksale. War man späterhin der übertriebenen Deutungen des Bibelwortes müde, so wandte man sich Raschi zu und suchte in ihm (weniger in IIn Esra) die einfache Größe der Schrift. Regte sich in der Abgeschiedenheit der Judengassen in jemandem der Forschergeist, so war es Maimonidei , den er zu seinem Führer nahm. So tat es Mose [sserles trotz der Abmahnungen des Salomo Luria. So fand Salomo Chelma, wie die Vorrede zu seinen Merkebeth Hamischne zeigt, in Maimonides talmudis!hem Hauptwerke die Mittel, sich den Weg zur Pflanzenkunde, zur Metrik, zu einiger Kenntnis der Musik und — zu einer klaren Denkart zu bahnen, die sich in all’ seinen halachischen Erörterungen zeigt. Also ganz unabhängig von Mendelssohn haben fiele andere im Einzelnen den Weg zum Licht durch Maimonides gefunden und durch .Mendelssohn hat u:1s sein Geist aus der Enge mittelalterlicher Judengtssen wieder in die Menschheit hineingeführt. Wodurch übten Raschi und Maimonides eine so gewaltige Wirkung auf die Nachwelt aus? Sie gaben sich nicht mit Kleinigkeiten ab, und nichts Kleines erschien ihnen unwichtig. Man konnte ihnen nicht entgehen, weil 8i< die Hauptgebiete des Denkens und Forschens i n Judentum ihrem Lebenswerke zu Grunde legten und von diesen Mittelpunkten aus alle ihnen zugängli! ihen Gegenstände behandelten. Welches waren diese Hauptgebiete? Die Schriftliehe und die mündliche Lehre, Bibel ind Talmud.

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