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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 16. (1904) · p. Seite 62

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 16. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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62 welches eines Frühlings zum Schmuck der Oede unserer Tage nicht entraten kann. Die Wunder eines jeden Tages, einer jeden Stunde sollen sich vor das Auge Ladenburgs stellen; das Erkennen, die Selbstbetrachtung sind ebenso wunderbar, wie der Stemenhimmel; die entgötterte Natur, welche knechtisch dem Gesetz und der Schwere folgt, ver- ־ mag wohl den Gesichtskreis des Menschen zu e r ־ weitern, aber nicht zu vertiefen; die Dichtung malt uns Krankhaftes vor und die Philosophie erwartet ihr seliges Ende. Levinstein zeigt an der Hand der Erfahrung, daß der Mensch die Krone der Schöpfung sei. Die Naturgesetze liegen jenseits der Erfahrung und wir müssen sie als übernatürliche bezeichnen. Der Mensch, allein in Freiheit der Schöpfung entgegentretend, widerlegt die naturwissenschaftliche Weltanschauung; und 8011 die letztere herrschen, so hört alle Weltanschauung auf. Selbst die unbewiesenen Sätze der Schulweisheit beglücken mehr, als die Ladenburgschen Sätze mit ihrer Zersetzung der Ewigkeit. Die Gottheit, die Auserwählung Israels ist eine Tatsache, kein Gegenstand des Glaubens. Die Vernunft schafft sich Gott als Ziel des eigenen Verlangens; der Unsterblichkeit, des Jenseits gedenkt die Thora nie, 80 wenig wie die Propheten. Die Lehre liegt innerhalb unseres Gesichtskreises, verlangt von uns nicht die Annahme des Unbewiesenen. Darum verlangen wir sie von unseren Kindern. Er betrachtet die Aenderung des obersten jüdischen Glaubenssatzes als das Neue, was uns die neutestamentliche Lehre gebracht hat. Es kann uns, wie schon gesagt, nur recht sein, wenn ein Mann, der keineswegs unserer Gesinnungsgenösse ist, so warmblütig für die Erhaltung des Heiligsten im Gegensatz zum Geist des Abfalls auftritt. Seine Worte werden bei vielen Gleichgestimmten Eingang finden. Ob sie auf Laden bürg irgendwelchen Einfluß ausüben werden? Ladenburg darf mit Recht eine wissenschaftliche"Auseinandersetzung mit seinen Ansichten erwarten. Wir finden in Levinstein einen wohlbelesenen Mitkämpfer, der zu Gunsten der Volkstümlichkeit die Sprache der Empfindung redet, der darum nicht folgerichtig zu sein braucht. Er tadelt Ladenburg, weil er die düstere Welt noch düsterer macht, und — will ebenfalls nichts von Unsterblichkeit wissen. Er tadelt Ladenburg, daß er das Unbegreifliche nicht anerkennt; wenn Ladenbürg ihn nun fragt, warum er die Wunder der Bibel nicht anerkennt? Levinstein bedarf der Wunder nicht? Ladenburg bedarf des Unbegreiflichen nicht! Was dem Einen recht, ist dem Andern billig. Lehnt Levinstein vieles ab, was mit der Vernunft nicht in Einklang zu bringen ist, so wird gerade die Vernunft das sein, was Ladenburg für sein Leugnen ins Feld führt. Alle Ehre der Warmblütigkeit, dem Kenntnisreichtum Levinsteins — aber hier bedarf es des geschulten Denkers und dessen, der die Ergebnisse des Denkens nicht verachtet. Gehen wir nun zu Hermann Cohen in Marburg über, 80 haben wir den Fachmann vor uns, der Ladenburg bekämpft. Kleidung im biblischen und talmudiscben Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin. (Fortsetzung.)^ 6. Zu den notwendigen Kleidungsstücken wird im Talmud auch die Kopfbedeckung1) gerechnet, die den Kopf im Sommer gegen Sonnenglut, im Winter gegen Kälte schützt2); daher sie zu den Gegenständen gezählt wird, die bei Feuersgefahr auch am Sabbat gerettet werden dürfen3). Sie war bald hoch, wie bei den Babyloniern4), bald wurde sie auch niedrig in der Form vonMützen getragen. Reiche umwanden ihren Kopf mit einem Turban aus kostbaren Stoffen, der zuweilen auch mit Gold, Perlen und Edelsteinen reich geziert war5). Aermere benutzten hierzu mit Löchern versehene Tücher, die an den Enden so in einander geschoben wurden, daß die Verbindung nicht leicht zu erkennen war6). Gelehrte trugen Turbane, die mit einem Besatz geschmückt waren7). Lastträger trugen kleine Polster auf Kopf und Armen, damit die Last nicht allzu stark drücke8). Auch Filzhüte und Mützen mit Krempen waren im Gebrauch9) und Helme für Krieger10) werden er- *) וצניף auch וצנף) צנוף zusammenwickeln, Jes. 22,18); Jes. 3,23; ימצנפח bohenpriesterlicher Kopfbund, welcher dem Stirnblech zur Unterlage diente, Ex. 28,37; für den König, Ez. 21,31; אפר (ass. aparu), sich bekleiden, namentlich mit dem Kopfband, 1. Kön. 20, 38, 31; פאר! Schmuck, Turban, Ez. 24, 17, 28; Jes. 3,9; für den Priester, Ex. 39,28: die prächtige Kopfbedeckung des Bräutigams, Jes. 61,10; der vornehmen Jerusalemerinnen, Jes. 3,20; als Schmuck angesehen, daher in der Zeit der Trauer abgelegt, Lev 10,6; 'חבש פ■ den Turban aufsetzen, Ez j!9,9; 16,10; פארום aus כד! Ex 29.17, verbunden n it ימגבעוח hohe Mütze. Ex. 29,9, für den Priester im Gegens. zu der hohenpriesterlichen Kopfbedeckung; וצפירה Jes. 28,5; 22,24, Schmuck für den Kopf wie עטר) עטרה um- 'geben, 1. Sam. 23,26), Kranz, Krone, Sech. 6,11; Kel. 11,18; פאה! Kopfbund des Mannes, Hiob 29,14; נליון, Kopfbedeckung für Männer und Frauen; הגליעים! Jes. 3,28 wird J. Sabb 8b mit נלגלייה erklärt . ף J. Ber. 4c. 3) J. Sabb. 15d. 4) טבולים! Turban, Ez. 23,15, Vulg.: tiara tincta, vgl. Ov. Met. 14,645: mitra picta, Her. 1,95; vgl. Munter, die Rel. der Babylonier, S. 97; 6'״י!סרוחים Am. *>! 4 Überhängen; J. Git. 43d, ellenhohe Turbane. 5) Hiob 29, 14; Sech. 3,5; Ez. 24,17. 6) Ed. 3, 4. 7) Vgl Pes. 111b. B) Sabb. 26,6. *) יאפילמן• פוליוסי פיליוס. פיליון Kei. 29,1 u. 0. rix«;, piius, Filzhut; יבפלמן ««paXaiov, aus überseeischen Gegenden, J. Nidda 30a; כיפא! mit dem vorhergehenden verwandt, Mützen, die tiefer im Gesicht saßen, J. Sabb. 8b (vulg. arabisch: kaffije); יכוסתא Vielleicht richtiger: בובע כיבתא• Erub. 84b u. ö.; טרטין (teretes), runde Kopfbedeckung (uach Fleischer, Nachträge: hohe Mütze), Kel. 29,1, von Hai Gaon mit כובעון identifiziert, vgl. Sabb. 119a, Ar. 8. v. סיינא; Ket. 65a; vgl. Sachs, Beitr. I, 135; aus Wolle, Sabb. 57b. ,0) יכובע Helm, zumeist metallen, 1. Sam. 17, 6 (auch 'ק, gewölbtes); קיסים, xauoi;, griechischer Helm für Krieger, Gen. r. 99,2; 88& -כרבלא. karballatu, die Mütze der arab. Völker, Dan. 3,21; aus Ber. 20 a geht hervor, daß solche Kopfbedeckung V.

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