Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 15. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492408-6582200-8758004--3290-4858425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
60 Perücken, weil diese starken Schweiß erzeugen1). Der Haarkräusler war auch Haarverschneider2 *). In einem kastenartigen Futterale befanden sich seine Werkzeuge ף. Ehe das Verschneiden des Haares begann, nahm man ein leinenes Tuch um, um die Kleider rein zu erhalten4 *). Haar und Lippenbart durften nicht nach heidnischer Art verschnitten werden 4). Nur Männern, die sich in bevorzugter Stellung befanden, oder mit der römischen Regierung in Verbindung standen,׳ war solches gestattet6 *). An Fest- und Fasttagen durfte das Haar nicht geschnitten werden*). Auch Leidtragenden war es verboten8). An Rüsttagen zu den Festen durfte der nach Hause eilende Haarschneider von dem Publikum zurückgehalten werden, damit er das Haar in Ordnung bringe9). Der Beruf des Haarschneiders war nicht besonders geschätzt10). ' Wie alle jene, die durch ihren Beruf viel mit Frauen in Verbindung kamen, durfte auch der Friseur mit einer Frau nicht allein bleiben. Daher kam es, daß Frauen sich diesem Gewerbe widmeten11). t Wer sein Haar von einem heidnischen Haarsehneider schneiden ließ, durfte während des Haarschneidens in den Spiegel sehen, um den Friseur im Auge zu behalten, da die Furcht obwaltete, der heidnische Haarschneider könnte das Leben des Juden gefährden. Dieses galt aber nicht von den samaritanischen, dieweil diese nicht von solch großem Hasse gegen die Juden erfüllt waren 12). (Fortsetzung folgt.) >) Nas. 28 b. ,l גלב (*»•yr. gaiiabu) תער הגלבים. Ez. 6,1; גלח (davon griech pwfta, anshöhlen, ein graben) Gfen. r. 47,2; Trg. J. Lev. 19,27, Barbier, Trg. Ez. 6,1; יגרע auch Aderlaeeer, vgl. minutor, Barbier und Aderlass«־ (von גרע, vermindern); גרע, den Bart gehören, Jer. 48,37; Thr. r. 8. v. קצ׳*;רבתי> J0«9,26 •־; das Haar schneiden; גלח, bh.תגלחת, das Haarabschneiden, Rasieren, Thr. r. 8. ▼. אעידך DQ- ף Kel. 24,6; Kid. 49a. *) תספורת■ das Haarverschneiden, Sabb. 9b; ימטפחת dag Tuch des Haarverschneiders, ib. •)יי ,תער ־״ מורה; דרג ש' מספ'; מספרים• ob., תגלחת das Rasieren, 8. ob. Vgl. Sifra 19 אחרי zu Lev. 18,3; Lev. r. 27; Erub. 68b; B. k. 88a, Raachi das.; Sota 49b; die julianische Art, Sanh. 22b, s. ob.pNed. 61a mit Bezug auf Ez. 44,20, vjfl. Thr. r. s. v. ־! אעיד ךIC;0פם שפם> Lippenbart, Sabb, •) Vgl. B. k. 83a, Raschi das. Der Meila 17a genannte Rüben b. Itztrobolos scheint mit dem B. k. 83 a gebannten Abtolos b. Rüben identisch zu sein. ז) li. k. 22; der Tag, an dem die Heiden ihr Haar schneiden ließen, wurde als Festtag begangen; A. s. 8a. Das Haarschneiden war in der Festwoche verboten, damit man nicht verunstaltet das Fest antrete, J. M. k.. 81c; M. k. 14 a. •) Mak. 14 b. 9) Tos. B. m. 11,27. <°) Vgl. Lev. r. 28; die Redensart: am Barte Anderer sich scheren lernen, Gen. r. 72; es kann sich keiner selbst scheren, Lev. r. 14. ״) Tos. Kid. 6,14; גך*ל> das Haar flechten, Sabb. 94b; ־גודלת die Haarflechterin, Kel. 16,3, Werkzeuge der Haarflechterin; Maria מגדלאה» Chag. 4b; Sabb. I04b; vgl. Matth. 27,8—6. 1י) A. s. 27a, vgl. Raschi das. Vermischtes. Wenn sich in Gebetstücken Anklänge an einander finden, so ruft dies schon immer unsere Aufmerksamkeit wach. Bekannt sind im täglichen Abendgebet die sogenannten 18״ Sätze“ י׳ח פסוקים (nämlich ,ברוךה' לעולם אמן בו)■ Merkwürdig, daß das tägliche Morgengebet ein aus Psalmversen zusammengesetztes Stück enthält, das auch aus 18 Sätzen nach meiner Zählung besteht (יהי בבור)• Beide Stücke haben große Aehnlichkeit mit einander. In beiden das יהי כבוד! in beiden בי לא יסדם etc., סי beiden ה' מלך etc־ — das kann nicht ohne Grund sein. Zur Erklärung dieses Umstandes zielten wir den Segensspruch für den Freitag Abend מעין שבע ber, der im Talmud verschiedene Deutungen gefunden hat. Nach Jeruschalmi 8011 diese Formel bei fehlendem Wein den Kiddusch für die Gesamtgemeinde vertreten, nach Babli soll er dazu dienen, daß inzwischen die zu spät gekommenen Synagogenbesucher ihr Gebet beenden und, da die Synagogen auf freiem Felde liegen, ohne Gefahr mit den andern heimgehen können. Dieselbe Begründung wird für die 18 Sätze des Abendgebetes gesucht. ln den Teschuboth des Salomo ben Aderet wird für das מעין שבע die Vermutung ausgesprochen, diese verkürzte Formel hätte die gesamte, vielleicht von den damaligen Machthabern verbotene Tephilla ersetzen sollen. Versuchen wir dieselbe Erklärung für die beiden anderen Stücke, so wird deren Fassung uns sehr klar. יהי כבוד etc. bedeutet nun: Die Verehrung Gottes wird doch ewig dauern, sein Name ewig gepriesen werden, Gott wird dennoch ewig regieren, Gottes Ratschluß mit Israel wird trotz aller Verfolgungen und Hemmnisse seinen Weg gehen, nicht der Ratschluß der Menschen; hat doch Gott Jakob und Zion für seinen Dienst bestimmt und wird die Seinen nicht verstoßen, sie vielmehr durch Verzeihung von ihren Sünden befreien und sie erhören,־ wann sie ihn auch anrufen. Dasselbe finden wir beim Abendgebete. Gott sei ewig mit dem Amen (der 18. Berachot) gepriesen, er verstößt sein Volk nicht, wie selbst zu Ahabs und Elias Zeit er sie erweckte, am Karmel zu rufen: ״Der Ewige ist Gott!“ Wir hoffen doch auf den Tag, da Gott von aller Welt anerkannt werden wird; bis dahin hat er uns zu seinen Verkündern unter den Völkern bestimmt. So sei denn Gott morgens und abends (in der Tefllla) gepriesen, in dessen Hand unsere Seelen liegen; unsere Augen werden doch die Freude Zions einst schauen und Gott wird ewig über uns und alle seine Geschöpfe regieren. Gehe man in dieser Weise die einzelnen Sätze durch, und man wird den Zusammenhang derselben und ihre Aehnlichkeit hegreifen. Als 18 Sätze erinnern sie an das Achtzehnergebet, sie erwecken ersichtlich Hoffnungen auf bessere Zeiten, stammen also aus trüben Jahrhunderten — sollten sie nicht wirklich einst die Schmone esre ersetzt, den Blicken der Späher, da hier die stehende Stellung entbehrlich war, die Beter entzogen haben? Das will mindestens erwogen werden. Sogut man von einem מעין שבע spricht, wenn von מנן אבות die Rede ist, so ist man auch berechtigt, bezüglich der beiden anderen Stücke in gewissem Sinne ein 81 מעין י"ךןs Ersatz des Hauptgebets, nicht als innbaltliche Wiedergabe, zu vermuten. Inhalt der Nummer IS. Wissenschaftliche Aafsatze: Im Kampfe um Bibel und Glauben. (Fortsetzung.) — Leber Lautspiele in der Bibel und dem sonstigen jüdischen Schrifttum. (Schluß.) — Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig. (Fortsetzung.) — Vermischtes. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.