Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 15. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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griffene? £8 gab in Israel wohl Hofpropheten, aber diese standen einem Jeremia feindlich gegenüber. Und da sagt Delitzsch ,Wie so ganz gleichartig ist alles in Babel und Bibell“- Was König bezüglich der Gleichsetzung ״Hammurabi und. Thora“ sagt, darüber siehe meine oben genannte Arbeit. Dem Mitleidsruf-Utnapischtims habe ich in meinem ״Bibel trotz Babel“ die Fürbitte Abrahams für Sodom gegenübergestellt. Mit Recht hält König es für lächerlich, wenn Delitzsch gelegentlich der Himmelfahrt des babylonischen Noah und seiner Frau seufzt: ,So etwas wäre in Israel nicht denkbar!“ Auch die Widersprüche, in die sich Delitzsch gelegentlich der Abschwächung seines babylonischen Monotheismus verwickelt hat. kommen zur Sprache. Begreiflich ist H&ßerdem, daß König eine Antikritik gegen verschiedene Aeußerungen Delitzseh überzeugend und mannhaft bietet, wie sie Delitzsch bezüglich seiner Bibelkenntnis beizubringen wohlweislich unterlassen hat Es freut uns, in den meisten Punkten mit König eine Uebereinstimmung feststellen zu können. Daß in der Babei-Bibelfrage die Wissenschaft zur Nebensache und kleinliches Gezanke zur Hauptsache wurde, habe ich in meinen obengenannten Schriften auch nachgewiesen. Soweit es sich um die von Delitzsch verlangte Uebertragung dieser Folgerungen auf das gottesdienstliche Leben der Gemeinde handelt, scheint mir die ganze Sache auf einem Denkfehler zu beruhen, denn diese Frage hängt mit den etwaigen Ergebnissen der Assyriologie nicht zusammen, wie wir neulich in diesen Blättern nachgewiesen. Das' aber gereicht mir zur großen Genugtuung, daß König das Hervorkehren der allgemein wissenschaftlichen Grundsätze für das nunmehrige Ziel der ganzen^ Angelegenheit vorsieht — das ist von meiner Seite von vornherein in der Schrift ״Babel und Bibel oder Babel gegen Bibel“ (Poppelauer) zum Ausdruck gebracht worden, denn daß Delitzsch nicht mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug eines Zimmern aufgetreten, war mir sofort klar. Gebe man Delitzsch alles zu — was man nicht getan hat — und Bibel bleibt Bibel und Babel Babel. Das ist der Denkfehler, der alle weiteren Mängel hervorgerufen. Wem die Tatsachen Hauptsache sind, der glänzt nicht in blendenden Allgemeinheiten, sondern bleibt schlicht und ohne Seitensprünge bei der Sache. Wer der Sache innerlich ,fernsteht, dem sind die wissenschaftlichen Erörterungen langweilig, und die Sauce wird zur Hauptsache. Mit Recht rettet König nun, was für ihn das Wesentlichste, aus dem Babelbibelschutte die ewigen daraus sich ergebenden Folgerungen für das wissenschaftliche W eiterstreben. Diese allgemeinen Denkergesetze, deren Mißachtung sieh sofort straft — für König stehen sie immer als eine wichtige Macht im Hintergrund seines Schaffens. Ob er im Sirachstreit gegen Margoliouth auftritt, ob in den ״vier Landschaftsnamen“ und ״Hebräisch und Semitisch“ gegen Hommel, ob in den heute besprochenen Schriften gegen Gunkel, Wellhausen, Lepsius —er kämpft mit Bewußtsein für diese Denkgesetze als Markstein alles Geistesstrebens und wiederum ist es uns eine Freude, sagen zu können, daß wir schon früher ganz unahängig von König in ״Zurück zur Bibel“ die Antimonie ״Bibelwissenschaft und Rechtgläubigkeit“ behandelt haben. Es spricht für die gute Sache, daß bei strenger kantischer Untersuchung der reinen Bibelkritik, wie wir bei König gesehen, die Glaubwürdigkeit der Bibel gewinnt, der Forscher wiederum an Vorsicht zunehmen muß. König betont nicht das Recht des Glaubens, sondern das Recht des Forschers, er wacht eifersüchtig über die Rechte des Geistes, liebt die Erörterung und ruft sie herbei. Das ist es, was wir brauchen. Was sich als wissenschaftliches Ergebnis festsetzt, wird ungeprüft zum Hemmnis, statt zur Schwinge. Mag man sich nur daran gewöhnen, die eigenen Forschungen nach solchem Maßstabe zu beobachten. Die Freunde eines Duhm und Wellhausen werden ja Manches zu entgegnen haben. Es ist ein Glück, daß dies der Fall ist. Jedenfalls werden sie es mit König auf dem Gebiete der Sprachkünde und der ins kleinste gehenden bienenfleißigen Textforschung, dann auf dem Gebiete der von ihm meisterhaft angewandten Erörterungskunst nicht leicht haben. Aber es ist leichter, nach seinem Gefühle sich erst Propheten zu schaffen, als diese winzigen Einzelheiten zur Grundlage des Forschens zu machen. Möge es König gelingen, zum Besten der Bibel, der Wissenschaft und des Geistes Schule zu machen! lieber Lautspiele in der Bibel und dem sonstigen jüdischen Schrifttum. (Schluß) Wenn uns entgegengehalten worden, daß der Reim auf Beugungssilben eigentlich kein solcher sei, so waren wir bisher der Ansicht, daß Gebetstellen wie בולם אהזבים בולם ברורים. sodann כולם גבורים (letzteres durch die Schlußsilbe) wahrscheinlich ein gereimtes Alphabet eröffnen sollten, daß על הראשונים ועל האחרונים, daß עלא־בותינו ועלינו על בנינו ועל דורותינו, daß פודינו ומצילנו מעילם היא שסך אין אלהים זולתך durch gehobene Stimmung zum Reim gelangt sind. Zunz dachte übrigens ebenso. Oder sind es keine Reime, wenn die Kirche singt: Annis puer, post vincula, Post carceres, post verbera, Longa fame frementibus Cibus datur leonibus? Oder das berühmte: Jam sol recedit igneus; Jnfunde lumen cordibus. Te mane laudem carmine, Te deprecemus vespere. Te nostra supplex gloria Per cuncta laudet saecula. Oder wenn Voltaire am Anfang der Henriade sagt: Descends des hauts des cieux, auguste verite, Repands sur mes sujets ton juste et ta clarte. —