Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 13. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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leiht der Rede ohne jede Absieht einen höheren Ton nnd eine größere Entschiedenheit Gibt das schon selbst einen Stabreim, so befördert die Möglichkeit des Wiederholens von Begriffen auch Redeweisen folgender Art: שופך רם האדם •* באדם דטו ישפך also abc cba, und das in einer gesetzlichen Stelle. Jemehr die Sprache den Gleichklang begünstigt, desto mehr dringt sie die Redenden und Dichtenden dazu, derartigen Trieben nach und nach bewußt nachzugehen. Darauf beruhen späterhin Wendungen wie הכטכת טכהו הכהו אם בהרג הריגיז הזלג• Was nun den Endreim anbelangt, so wird er gerade von den Sprachen stark gefördert, in denen die Beugungsmöglichkeit der Worte den Endsilben eine gewisse Kraft verleiht. Nicht also nur תהו ובהו ist demnach ein Reim, sondern auch פרו ורבו• Demnach auch Gen. 138 ביני וביניך ובין רועי ובין חעיך• Noch _8icherer 13» אם השמאל ואיטינה ואם הימין ואשמאילה; durch den Gegensatz reimt 14* שתים עשרה שנה עבדו ׳ ’ ושלש ע׳ש' טרדו; so auch bekräftigend 17» יהפריתי אותו והרביתי הזה גביר לאחיך וישתחוו לך »19 ,הבכירה"הצעיר״ »19 ,אותו בני אמך• Welcher wirksame Gegensatz liegt in dem Gleichklang und Reim 19s« הלוך«31 ,בבירתי ברבתי הלכת כי נכסף נכספת und dicht daneben » אנכי אחטנה טידי תבקשנה — Alles in der Erregung der Rede. ־Kommen wir zu den Propheten, Sprüchen und Psalmen — wir haben hier nur einige Kapitel der Genesis flüchtig betrachtet — so mehren sich die Beispiele, so daß sie ganze Kapitel einnehmen. Soll ich die berühmten Psalmenreime יחפרו -נהרו,הצילני יענני, dann כיונה אשכונה ישאנתי ,טישועתי aoführen? Blicke man tiefer in Psalmen und Sprüche hinein, und man wird diesen Zug darin an sehr vielen Stellen finden. Sehe man daraufhin ganze Kapitel durch, wie Jesaia 27,28 etc, um die Beispiele sich häufen zu sehen. In Nahum lI0 עד סירים סבוכים וכסבאם סבואים, 211 ביקה וטביקה וטבולקה ולב נמס ופיק ברכים וחלחלה• בבל מתנים haben wir Stab- und Endreim zugleich. Es tut uns ordentlich leid, uns hier von der Bibel trennen zu müssen, um uns nicht weiter auszudehnen. Wir wollten nur Allbekanntes aussprechen, was vielleicht dazu dient, unsere Entdeckungen bezüglich der Mischna weniger befremdlieh erscheinen zu lassen. (Schluß folgt.) Li tteratu rbericht. Recensionen. Jahrbuch der literarischen Gesellschaft. (Sitz: Frankfurt a. M.) 1903—5664, Frankfurt, Kauffmann. 1903. V.,' 326 S. 10 M. Vor uns liegt das erste Lebenszeichen der gesetzesgetreuen Gesellschaft, die dem literarischen Verein zur Fürderung der Wissenschaft auf anderer Seile entspricht; und schon der Umfang dieses stattlichen Bandes verspricht uns i Gutes. ״Doppelt gibt, wer schnell gibt!“ gilt auch für dies I Jahrbuch — denn hier ist immerhin etwas Ganzes und Achtung gebietendes verhältnismäßig kurz nach Begründung der Gesellschaft durch gemeinsame Arbeit ins Leben getreten. Von Führern des geistigen Lebens begegnen uns hier Dr. Hoffmann und Professor Ur. Berliner. Letzterer mit einem Vortrag über Rabbenu Tarn, am Sterbetage Dr. Hildesheimers (4. Tammus 5661) gehalten, der gelegentlich Vergleiche zwischen diesen Beiden bietet. Berliners Arbeiten über R&schi haben ihn wohl diesen Weg geführt. R. Tarn und die Tossaflsten wurden als Poskim über Maimuni gestellt. Der große Enkelsohn Raschis hat mehr massoretische Mittel vor sich gehabt, als sein Großvater. Er konnte auch auf diesem Gebiete Menahem gegen Dunasch verteidigen. Mit Verwunderung lesen wir, daß R. Tarn in der Bibel Irrtümer der Punktatoren angenommen hat — eine entwickelnde Wissenschaft war also auch hier nicht zu entbehren. Für den Jeruschalmi begann durch R. Tarn eine neue Zeit. In den Halachot Gedoloth sieht er viele Jeruschalmi Halachot (was Frankel übersehen). Den falschen Pilpul verwirft er, ebenso das Haschen nach Lesarten zur Aufhellung dunkler Talmudstellen. Nur in nachtalmudisehen Schriften verbessert er hin und wieder den Text. Der Aruch war, wie Professor Berliner annimmt, Raschi nicht bekannt, R. Tarn konnte ihn um 80 mehr als Wissenschaftliehes Hilfsmittel anwenden. Auch die Wirksamkeit R. Tams nach außen hin, am Hof, wie in weiteren rabbinischen Kreisen, seine das Leben betreffenden Verordnungen schildert Berliner, verteidigt den Ruf seiner Bescheidenheit und Lauterkeit gegen unberechtigte Angriffe, zeigt uns, wie er dem zerstörenden Geiste gegenübertritt, wie er teilnimmt an den Leiden der Gesamtheit, und von all diesen Punkten führen die Vergleichslinien auch zu dem dahingegangenen fsräel Hildesheimer hin. Ohne es zu wollen, hat Berliner, als er den Massorethen, den Quellenforscher und den mannhaften Kämpfer zeichnete, auch eine kleine Selbstschilderung geboten; unwillkürlich schätzt Jeder am Anderen, was er selbst als Höchstes erstrebt. Dr. Hoffmann bietet Bemerkungen zur talmudischen Lexikographie, und zwar zur ״Mechiltn des R. Simon ben Jochai“ im Vergleich zu unserer Mechilta. Zu סרטו, was Hoffmann mit סרט einsebneiden in Verbindung bringt und demnach סרטו au* עקיב Krümmung (Jes. 40*) bezieht, möchte ich bemerken, daß hier einfacher איסטרטא d*0 gebahnte Heeres- Straß» der Römer, strata (unser ״Straße“), vorliegt und טישיר die Uebersetzung von סרטן oder vielmehr dessen Beziehung znm Schriftworte angeben soll. Es ist ganz im Sinne des Midrasch דרך סרטי מישור aneinanderzureihen,*) So auch Aruch completum s. v. סרט■ (Gelegentlich wollte ich hier noch die Bemerkung machen, daß נתב אל p שמשן und ר' אליעזר in Aboth und Aboth d. R. Nathan die Rollen einfach zu vertauschen scheinen. Dem בור סיר, das auf R. Elieser in Aboth II gesagt j wird, entspricht die גריעה■ welche in Ab. d. R. Nathan dem שב"ן gilt, und dessen Satz Ab. 11 אל תעש תפלתך קבע, zunächst rein lialaehisch genommen, stammt nach dem Talmud von R. E ieser, der damit eine feste Gebetformel ohne freie Hinzufügung im Gegensätze zu R. Josua und R. Gamaliel nicht gestattet.) (Schuß folgt.) *) Set£€ al»er Hoffmann die Bedeutung .Straße“ voraus und nimmt den agadisclien Nebensinn von עקיב an> 80 spricht dagegen, daß diese Art doppelten Akkusativs ohne למישור, also ohne ־ ,לdas ja die Schrift bietet, erst nachzuweisen ist. Inhalt der Nummer 13■ Wissenschaftliche Aufsätze: Im Kampfe um Bibel und Glauben. — Kleidung in! biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. A dolf Rosenzweig. (Fortsetzung. 1 — Ueber Lautspiele in der Bibel und dem sonstigen jüdischen Schrifttum. — Literaturbericht. Recensionen: Jahrbuch der liferarischen Gesellschaft Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr L. A. Rosonthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Sch olein, Berlin.