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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 13. (1904) · p. Seite 50

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 13. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 Und da läßt er im Gegensätze zu allen anderen Quellen das Peßacbopfer in Egypten in den Häusern darbringen, er, der selbst von den Opfern der Stammväter nichts wissen will und sie verschweigt? Er wacht ängstlich darüber, daß - die von ihm gebotenen Opferhandlungen nur gültig seien. Der Sühnegottesdienst des hohen Priesters erfordert nach P. das Vorhandensein einer Bundeslade hinter dem Vorhänge des Stiftszeltes Angeblich schafft er erst das Zelt, welches die Bundeslade im Inneren hat. Und zu welchem Zwecke? Um den VersöhnungsgottesdienBt in die Gefahr der Ungültigkeit zu bringen, da doch der zweite Tempel gar keine Bundeslade mehr hatte. Hesekiel soll älter als P. und dessen Vorbild sein. Abgesehen von der inneren Unmöglichkeit dieser Annahme aus gesetzlichen Gründen scheint Ezechiel aber der sprachliche Nachahrner aller pentateuchischen und vieler prophetischen Quellen zu sein — und alle diese hat P. nicht benutzt als er den Hesekiel ausschrieb, nur diejenige, die ihn selbst kennzeichnet? Stellt sich da nicht Hesekiel als der Spätere, als der Nachahmer herau8?r Und wenn wir uns die anderen Quellen fortdenken — warum soll die Esrazeit auf P. beruhen? Weil P. von dem Verbot der Mischehe gar nicht spricht trotzdem Esra so schwer dagegen zu 'kämpfen hatte? Weil P. den Erlaß der Schulden im siebenten Jahre! nicht erwähnt wozu sich doch die Zeitgenossen des Nehemia verpflichten? In dieser Weise erschüttert Hoffmann das Wellhausensehe Gebäude in Beinen Grundfesten, nicht etwa -blos in unwesentlichen Einzelheiten, wie man durch den Einblick in den reichhaltigen Inhalt des Buches erfahren kann.*) Er zeigt auch, wie diese Auffassungen hergestellt werden; wie man z. B. das Heiligkeitsgesetz mit seinen menschheitlichen Satzungen zu einer besonderen Quelle macht um P. zu einem verknöcherten Gesetze der bloßen äußeren Formen ohne Inhalt zu machen. An diesem Buche wird kein Bibelforscher vorübergehen dürfen, und ein Totschweigen wird den Lauf desselben nicht hemmen. Aber auch der Talmudkenner wird aus der reichhaltigen Benutzung der Ueberlieferung. reichen Nutzen schöpfen. Hoffmann hat vielfach zeigen können, wie die Weisen des Talmuds die biblischen Fragen gekannt und wie sie dieselben beantwortet haben. Mit ganz besonderer Genugtuung haben wir hier die Bestätigung unserer früheren Aeußerung gefunden: »Wir werden dartun können, daß unseren Alten die Fragen der Bibelkritik keineswegs unbekannt gewesen sind; viele ihrer auf den ersten Blick uns Unverstandliehen Deutungen haben den Zweck, diese Rätsel zu lösen.* (In ״Zurück zur Bibel!“) Die Hoffmannsche Schrift die als ״erstes Heft“ noch gute Nachfolger verspricht ist kein Buch, sondern ein Ereignis, recht dazu geeignet unsere eigenen Kreise aus ihrem Schlummer zu wecken und die Wortführer der Bibelkritik zu erneuter Prüfung ihrer Ergebnisse anzuregen. Anregung ist aber das höchste, was ein Werk bieten kann. *) VgL unsere Besprechung des Hoffmannschen Werkes in der ״Jüdischen Presse* No. 22—23. Man belegt die Anhänger einer erhaltenden Bibelwissenschaft gern mit dem Namen ״Dogmatiker“. Wenn aber die selbständige Betrachtung die Prüfung des als maßgebend Erkannten den unabhängigen Denker ausmacht, so haben wir die Dogmatiker doch da zu suchen, wo man auf die Worte des allgemein anerkannten Meisters schwört und darauf weiter baut obne sich zu fragen, ob die Grundlagen, die das Ganze tragen sollen, nicht selbst schon eine Täuschung enthalten, um so verhängnisvoller, da sie als Grundlagen in der Tiefe liegen und man erst alles darauf Gebaute abtragen muß, um dorthin zu gelangen. Einer jener seltenen unabhängigen Geister ist Eduard König in Bonn, mit dessen neuesten Arbeiten wir uns nun beschäftigen wollen. (Fortsetzung folgt.) Kleidung im biblischen und talmudiscben Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin. (Fortsetzung.) 2. Bei dem männlichen Teile der Bevölkerung war das Schermesser1) in Gebrauch. Es gehörte zum gesellschaftlichen Anstande, das Haar nicht allzu lang zu tragen. Wer es wild wachsen ließ, deutete damit an, daß er als Nasiräer in gewisser Beziehung aus dem Rahmen der Gesellschaft getreten sei und seine ganze Persönlichkeit, auch die Triebkraft seines leiblichen Lebens dem Ewigen geweiht habe2). Das Haar ist die Krone des Hauptes®); Kahlheit aber ist das Gegenteil von dem, was als schön galt, daher Kahlköpfigkeit leicht Spottlust erweckte und als schimpflich angesehen wurde; zumal der Verdacht nahe lag, kürzlich erst vom Aussatz befallen ge- ימורה (י Riebt 18,6; 16,7; 1.Sam. 1,11; ערה) תער leer, bloßlegen); Nam. 6,5; 8,7.; Ez. 5,1; das Schermesser, Bild der Zerstörung, Jes. 7,20; auch Absalon schnitt von Zeit zu Zeit sein Haar, 2. Sam. 14,25; vgl. das Sprichwort: das Haar fürchtet das Schermesser, J. Nas. 58 a; zu תער und דספרים, Schere, vgl Jalk. Num. 709. Das Rasieren mit einem Rasiermesser galt als besondere Schädigung des Haares (גילוח שער השחתה) und watstrengstens verboten, Mak. 20 b, 21a '~ייב ה מלקות, Vgl. Num. r 10; ib. 14 und Nas. 39a. ף Num. 6,6; Jalk. Num. 709; Paus. I, 43,4; 8,21,1. Der Nasiräer sonderte sich nicht völlig von der Gesellschaft, sondern bloß von dem Unheiligen ab, vgl. Num. 6,2,9. Simson und Samuel lebten ohne Ascese. Die spätere Halacha gestattete einem Nasir, der ein Gelübde fürs ganze Leben abgelegt batte, das Haar, sobald es ihm lästig ward, vermittelst eines Schermessers mitten durch dünner zu machen; dieses war einem Nasir nach Art des Simson nicht gestattet, Nas. 4a. Verboten war beiden nicht blos der Gebrauch des תער, sondern jeden Instrumentes, Sota 16a. Der Nasir durfte auch sein Haupt nicht mit Mineralien reiben, weil solche leicht das Ausfallen des Haares t׳ewirken, Nas. 42a; aus demselben Grunde sollte er auch keinen Kamm gebrauchen, Sabb. 50 b. Hingegen durfte er sein Haar mit Natron reinigen, ib. — Auch das ungeschorene Haupt des M08lim auf der Pilgerreise ist das Zeichen der Abhängigkeit von Gott. Mit dem Abschneiden des Haares und dem die Wallfahrt beschließenden Opfer hört die Wallfahrtspflicht auf, Koran, Sure 2,192. ף Num. 6,7; י נזר das ungeschorene Haupt, Jer. 7,29; LeV 25,5; st. גזרחס■ Klgl. 4,7 ist 'ניר■ ihr Haupthaar, zu lesen.

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