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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 12. (1904) · p. Seite 48

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 12. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 er dis-4m alten Testament vorkommenden Krankheiten erkennen will, sieh auf die Teile beschränken, wo die Bibel den Menschen (oft infolge göttlicher. Strafen) in ungewöhnliche körperliche and geistige Zustände versetzt Wir erwähnen z. B. den Alkoholismus, aen Verfasser im alten Testament sehr gut beschrieben findet, so in den Sprüchen, so bei Nabal, während andere Zustände oft nur angedeatet sind, oft mühsam herauagedeutet werden müssen. Es wird deshalb schwer sein, viel für die Wissenschaft -unserer Zeit Brauchbares herauszufinden, so wenig dies im Homer, selbst im Philoktetes des Sophokles trotz der angeführten Einzelheiten möglich sein wirf. Der Zweck der Bibel ging nicht dahin. Selbst die Bestimmungen bezüglich der Aussatskrankheiten, die Speisegesetze, die Beinheitsvorsohriften treten als göttliche Satzungen, Chukkoth, auf, ohne andere Begründung als ״Geseroth hamelech*. Vielfach sind die damit verbundenen Opfer- und Heilungshandlungen noch sinnbildlich gedacht und zu deuten. Dafi ״der Mensch leben wird, wenn es dies alles hält‘, hat sich in den Zeiten der Pest am Jaden bewahrheitet. Die einheitlich durchgeführte Lebensweise, getragen von der ruhigen Stimmung, welche das Gottvertrauen und die Selbstzucht hervorbringt, mußte eine solche Wirkung ausüben. Wenn Ebstein selbst den Aussatzbestimmungen der Thora nur einen geringen Wert beimißt, so stellt er sich damit in Gegensatz zu bedeutenden Fachgenossen. Was die Bibel als wunderbare Heilung betrachtet, das wird eich doch schon deshalb -über den Kreis des Gewöhnlichen erheben müssen, ond da dies zumeist der Fall ist. so ist von vornherein der ־Forscherarbeit, die von wissenschaftlichen Gesichtspunkten, ohne jede• Hereinziehen göttlichen Wirkens ausgebt, hier nur ein verneinendes Ergebnis in Aussicht zu stellen. So wird es vergeblich sein, in Elisa einen krankhaften Zustand za entdecken, der die Himmelfahrt Elias ihm als inneres Erlebnis hätte vorspiegeln können. Wir müssen ee Ebstein sogar als Tugend anrechneD, daß er nur bis zum Möglichen geht, alle Gesichtspunkte erörtert and sich mit de!n kleinsten Ergebnis bescheidet, statt nach dem Beispiel anderer za vermuten and zu deuten. Es ist auch nicht gerade der ärztliche Standpunkt, dor eine geringere Wertbemessung der Thorasatzungen hervorruft. ^Ebstein gibt den praktischen und weitblickenden Geist zu, der in den mosaischen Gesandheitsgesetzen waltet. Gerade vom StandpuDkt der Vererbung aus wäre eine grundsätzliche Aenderung dieser Gesetze (für viele Kreise leider hente unnötig) etwas sehr verhängnisvolles. ״Der Gesetzgeber wollte sein Volk dadurch glücklich machen.* ״Wohl dem Volk, dessen Gesetzgeber von solchem Geist durchdrungen sind!‘ Mit diesen Worten spricht Ebstein den inneren Wert dieser Gesetze aus. Wir empfehlen das Werk allen Kreisen, die eins einheitlieh betrachtete Seite der Bibel kennen lernen wollen, allerdings unter der Einschränkung, daß der Arzt von vornherein einen fremden Maßstab anlegen muß. Möchten bei einer Neuauf läge doch die prophetischen Stimmungen, die Psalmen und besonders die Gespräche des Baches Hiob herangezogen werden, wo der innere Mensch wahrhaft geschildert wird und dadurchFolgerungen auf seine Zustände gezogen werden können! Aus mehreren Zustimmungen zu meiner Gegenkritik veröffentliche ich dieses Schreiben, das als vom meisterlichen metrischen Uebersetzer der Psalmen und Gebete und vom tiefen Kenner metrischer Fragen stammend für weitere Kreise besonderen Wert hat: Offenbach a. M., 24. Mai 1904. Sehr geehrter Herr Kollege 1 Aus Ihrer Auseinandersetzung mit Blau ersehe ich, daß Sie auf die metrische und gereimte Form mancher Misch na- Stücke in Ihrem neuesten Werk hingewiesen haben. Ich gestatte mir, Ihre Aufmerksamkeit auf folgende Stelle in Max Müller: ״Vorlesungen über den Ursprung und die Entwicklung der Religion*, Straßbarg 1880, S. 84, zu lenken. Um die ״Geschichtslosigkeit aer Wilden* aufs rechte Maß einzaschränken, schreibt er: ״Es ist bemerkenswert, wie man sich der wörtliehen Treue in der Ueberlieferung dieser Sagen und Lieder versichert. Auf manchen Inseln findet man alle Sagen, die irgend von Bedeutung sind, in zwei Formen, in Prosa and Poesien Die Prosa gibt die Geschichte in der einfachsten Form. Die Poesie hat Rhythmas, oft auch Reim. Die poetische Bearbeitung dient zur Kontrolle der einfächeren Prosa-Erzählung, die leichter dem Wechsel ausgesetzt , ist. Da es so leicht ist, Aenderungen im Prosa-Text vorzunehmen, so gilt dieser nie als echt, wenn er nicht bis aufs Einzelnste durch poetische Diplome beglaubigt ist*). Eine Auslassung oder eine Einfügung im poetischen Text könnte leicht entdeckt werden. . So haben also auch jene Völker die Tatsache anerkannt, daß Poesie leichter und sicherer im Gedächtnis fortlebt, als Prosa, und daher weit besser geeignet ist, historische Mythen mit strenger Treue zu bewahren*. Ich halte es Jür meine Pflicht, Ihnen dies zur Verfügung zu stellen. Mich drängt das mnemotechnische Interesse für תורח שבעם! Ihre Anregungen für viel bededtender und wichtiger za halten, als es Blau hinstellen will. Mit besten Grüßen Ihr Dr. J. Goldschmidt. ln nächster Nummer werde ich auf diese Anregung hin bezüglich derartiger Reime und Rhythmen einige Beispiele anführen. In diesem Jahre noch erscheint bei Alfred Janßen, Hambürg: ״M. Granwald, Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811“ in folgenden Kapiteln: Das Zeitalter der Glückei von Hameln Die Steuerkraft der Gemeinde. ״Der Judentumult 1780•*, und was ihm voraufgiug. Das Leben in der Gemeinde. Die soziale Stellung. Beruf und geistiges Leben. Moralische Streiflichter. ״Der Hamburger Amulettenstreit'. Hamburgs Juden in Bild und Karrikatur. Die Hamburger aaf oder von Juden geprägten Medaillen. Hamburger, Wandsbecker und Altonaer Drucke. Die Friedhöfe: .An der Königsstraße* in Altona, ״Auf dem Grindel“, ״In Ottensen“. 25 Bogen mit 39 Abbildungen zum Subskriptionspreis von 10 Mark. Das von uns in No. 10 besprochene Salfeld’sche Buch ״Bilder aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Mainz* ist bei J. Kauffmann, Frankfurt a. M., im Verlag. •) Dies wirft ein merkwürdiges Licht auf die Buddhistische Literatur, die bekanntlich auch in dieser doppelten Form existiert, einmal in Prosa ünd dann metrisch, in Gäthä- Form. , Aufbau u. Quellenscheidung Von Dp. L. A. Rosenthal Rabbiner zu Preußisch Stargard 1. Teil: Di• Ordnung Seralm. Erste Hälfte: Von Berakhat bis Scbebllt. ———Preis 5 Mk. - Usber den Zusammenhang der Mlsohna, 2 Teile, ä 2,50 Mk. Von der Zuasstiftuog und Königswarteratiftung unter»tüt*t. Carl Trübner’s Verlag, Straßburg. Inhalt dar Nummar 12. Wleeenscbaftflcbe Aufsätze: Zu Delitzschs neuesten Hervarbringungen. (Schluß.) — Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig. (Fortsetzung.) — Llteratnrberloht. Recensionen: Professor Dr. Wilhelm Ebstein, Die Medizin im alten Testament — Brief. Von Dr. J. Goldschmidt Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosentlial in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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