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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 9. (1904) · p. Seite 36

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 9. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 2. Nachm an Krochmal. Ein Hegelianer, von Dr. J. L. Landau. 69 Seiten. 1,60 Mk. Berlin, Calvary & Co. 1904. Dr. Löwenstein, durch Einzelarbeiten auf dem Gebiete der jfidiachen Geschichte rühmlichst bekannt, bietet hier eine Geschichtedarstellaog, die sich tatsächlich dem Titel gemäß ״für Schule, und Haus* sehr eignet Wenn man den bescheidenen Umfang des Buches äußerlich ins Äuge faßt, würde man leicht geneigt sein, eine bloße Aneinanderreihung dürrer Bemerkungen, Namen und Zahlen zu vermuten oder eine den Gegenstand nur streifende, einige ״Lichtpunkte“ hervorhebende Gesamtbetrachtung. Um so angenehmer wird man enttäuscht, wenn man das handliche, schön ausgestattete Bändchen zu lesen beginnt. Da findet man die Geschichte des Judentums von der babylonischen Gefangenschaft bis zur Gegenwart ausgiebig gezeichnet, 80 daß man sich erst darüber klar werden muß, wie das dem Verfasser auf so engem Raume gelungen ist. Er hat sich durch Fortlassung alles Beiwerks auf das Notwendigste beschränkt — aber er hat tatsächlich nur das Beiwerk fortgelassen, und er bewegt sich mit einer Freiheit innerhalb der selbstgewählten Schranken, daß das Bach durchaus nicht den Eindruck des Auszugartigen macht Ich habe mit dem Buche den Versuch in der Schule gemacht, und da hat es sich als anregend bewährt. Die Jagend läßt sich nicht gern durch eine Masse Einzelheiten hemmen and will doch andererseits einen Ueberblick über das Ganse gewinnen — sie ist unglücklich, wenn ihr eine Ueberfülle von Namen and Zahlen zugemutet wird und entbohrt doch nicht gern die wesentlichen Angaben. Darin hat der~Verfasser die Bedürfnisse der Schule und des Hauses sehr glücklich berücksichtigt. Dabei wird dem Kenner eine ganze Anzahl Stellen begegnen, in denen Verfasser die Ergebnisse der neuesten Forschungen in seine Geschichtedarstell ung aufgenommen und demnach in gangbare Münze umgeeetzt hat Er vertritt den gesetzestreuen Standpunkt in einer Weise, die, ohne scheu zurückzu treten, jedem den Mitgenoß seiner verdienstvollen Arbeit ermöglicht Die Verbreitang des Baches wird für die Kenntnis jüdischer Geschichte and für die Festignng jüdischen Sinnes eine Wohltat sein. — Dr. Landaas Nachman Krochmal ist der erste Teil einer Würdigung des großen galizianiachen Forschers, dessen Verdienste allerdings zumeist mehr gerühmt werden, als sie in weiten Kröisen bekannt sind. Verfasser will zunächst die philosophische Seite Krochmals, also die bisher weniger beachtete, beleuchten. Krochmal selbst hielt diese Seite seines Wesens für die wichtigste, mußte aber die Erfahrung machen, daß die Welt wenig daran teilnahm. Landau führt aus dem Hauptwerk Krochmals (נבוכי הזמן iTTO) tatsächlich den überraschenden Nachweis, daß Krochmal ein überzeugter Hegelianer gewesen. Es decken sich za unserem Erstaunen ganze Seiten bei Krochmal mit HegelsChen Gedankenreihen. Der Nachweis, daß die wesentlichen Auffassungen Hegels in Krochmal einen überzeugten Dolmetscher gefunden haben, ist Landau vollkommen gelungen. Dagegen ist von einer Selbständigkeit Krochmals Hegel gegenüber wenig die Rede. Unwillkürlich mag es den galizianischen Forscher zu Hegel gesogen haben, weil gerade dessen Weltauffassung die der Entwicklung und der Geschichte war und Krochmals Hauptbedeutang doch auf dem geschichtlichen Gebiete lag. Gerade die Geschichte zeigt uns überall Satz, Gegensatz und verwischenden Ausgleich in unendlicher Folge, zeigt uns das Werden als Zwischenglied zwischen Sein und Nichtsein; ihre -Gestaltungen machen alle menschlichen Voraussetzungen durch ihre Mannigfaltigkeit zunichte und zeigen uns nur, daß die Gedanken des Weltgeistes nicht unsere Gedanken sind und daß ״was ist, ist*. So war es wohl das innere Bedürfnis des Forschers, der aus den eigentümlichen Resten des jüdischen Schrifttums in seiner Mannigfaltigkeit die leitenden BewegungMoootze suchen wollte, was ihn gerade zu Hegel trieb. Wiederum sehen wir hier, was ans in Alexandrien dem Plato, in Spanien dem Aristoteles, in Amsterdam dem Carteaius, in Berlin und Königsberg Kant gegenüber auffallen muß, daß der Jade, in seinem Glauben der Bekenner eines einheitlichen Welt- und Sittengeeetzes, mit den Gestaltungen der Denker sich auseinandersetzen muß, die auch über Weltgrund und Lebensführung ihre Grundsätze aufstellen. Landan hat auch atu das kabbalistische Gebiet Ausflüge . gemacht und bei dieser Gelegenheit eine wohl auf Hegel beruhende trinitas der Entwicklung dargelegt, die vollkommen in der' Nähe der Dreieinigkeitslehre liegt. Er hätte nur auch den Zusammenhang dieser Bestandteile mit dem Hauptgegenstände des Buches klar angeben müssen. Uebrigens findet sich schon, wie ich gelegentlich erwähnen will, in den Bekenntnissen des Augustinus 18s,u eine freisinnige Deutung der Dreieinigkeit, die vielleicht auf die Gnosis zurückzuführen ist Hegel hatte also vorzeitliche Genossen, die ihm selbst vielleicht unbekannt waren. Krochmal steht diesen Deutungen jedenfalls doch wohl fern. Als Einleitung geht dem Ganzen eine Lebensbeschreibung Krochmals voraus, die uns in warm empfundener Darstellung den nie rastenden, unter den größten Hemmnissen stets denkenden und forschenden Mann zeigen, dessen Ergebnisse von Andern benutzt werden, während er selbst sich ins Dunkel der Verborgenheit zurückzieht. Die Fortsetzung wird uns wohl den wichtigsten Teil des Krochmaischen Lebenswerkes bringen, sein Wirken für die jüdische Geschichte und die. Beleuchtung des jüdischen Schrifttums. Zarückweiaen möchten wir die abfällige Beurteilung des Kasan als eines wissensfeindlichen Werkes. Juda Halevi hat das getan, was die heutige Wissenschaft der Religionsgeschiehte tut, die Religion durch sich selbst ohne Zuhilfenähme ihr fernstehender Gedankengebiete beleuchtet. Er ist dadurch, wie wir wo anders gezeigt haben, der Vorarbeiter und Bahnbrecher für Lowth und Herder geworden — (Schluß folgt.) Eingegangen: Jahresberichte der Religionsschulen zu Danzig und Graudenz, erstattet von den Rabbinern 14. Rechenschaftsbericht über das Talmud-Thora-lnstitut in Schwabach. Wißmann, Nürnberg. Alfred Lorentz, Leipzig. Alttestamentliche Literatur und Sprache, Hebralca und Judai'ca, Orientalia (Katalog No. 151), 114 Seiten. Zur Hundertjahrfeier fmmanuel Kants. Philosophie. Antiquariatskatalog No. 47. J. Ricker, Gießen. 186 Seiten. Nathansen & Lamm, Berlin. Katalog No. 3. Hebralca, Judai'ca, Orientalia. Dr. Lucas, Glogau. Erster Jahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. 1908. Sonderabdruck der Rede Professor Dr. Hermann Cohn’8 über Ethik und Gottesglauben. Schriften der Gesellschaft zur Förderung. Kanffmann, Frankfurt a. M. Katalog No. 48. Hebr. Incunabeln und seltene hebräische Werke. Aufbau u. Quallenscheidung Von Df. L. A. Romenthal Rabbiner zu Preußisch Stargard 1. Teil: Ol• Ordmumg Ssralm. Erste Hälfte: Von Berakbot bis 8chebllt ׳ Preis 6 Mk. .. . — ׳— - Ueber den ^uaameahang der Mlsohna, 2 Teile, ä 2,50 Mk. Von der Zumstiftung und Rönigswartersdftung unterstützt. Carl Trübner’n Verlag, Straßburg.!■(Mit S•• Bummer 9. Wissenschaftliche Aufsätze: Sefiraklänge. Von Dr. Ludwig A. RosenthaL — Nochmals Dr. Ludwig Blau und mein Buch ״Die Mischna; Aufbau und Quellenscheidang. Von Dr. L. A. Rosenthal. — Geschichtliche Arbeiten. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr- L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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