Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 4. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 3)
- Language
- German
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15 Seele singen, ja singen soll der sündigen Deutschen Erlösung" und wenn * Gedankenfreiheit genoß das Volk", Sie war für die großen Massen, Beschränkung traf nur die geringe Zahl Derjenigen, die drucken lassen. Gesetzlose Willkür herrschte nie. Dem schlimmsten Demagogen Ward niemals ohne Urteilsspruch Die Staatskokarde entzogen. So übel war es in Deutschland nie, Trotz aller Zeitbedrängnis — Glaub’ mir — verhungert ist nie ein Mensch In einem deutschen Gefängnis“; so ist das der reine Aristophanes, in lyrischer Weise auf deutscheVerhältnisse jener Zeiten angewandt. Wer würde aber heute nicht jene Verse unterschreiben? Und wenn nicht den Ton als mustergiltig, so doch den Inhalt als jenen Jahrzehnten entsprechend ansehen? Liegt nicht in solchen Versen der ganze Jammer jener unfreien Zeit? Und sollte Heine vielleicht klagen oder sittliche Entrüstung zeigen über die Wortbrüchigkeit den freiheitsdürstenden Völkern gegenüber und über die erstickende Einengung des freien Denkens und Handelns? Dazu saß ihm der Schalk zu sehr im Nacken, er fürchtete die Helden* Stellung des Propheten, die hohltönende Redensart; es war ihm nicht möglich, lang in höherem Stil zu reden, ohne über den eigenen Kothurn einen oft sehr derben Witz machen zu müssen. Und da er das Beißende des Witzes als heilsames Gegenmittel gegen übergroße Hochstimmungen kennen gelernt hatte, 80 wurde der Spott in seiner Hand zur entsetzlichen Waffe, mit welcher er schonungslos traf, je schärfer, desto lieber. (Fortsetzung folgt) Zum Purimteste. Wilhelm Erbt, ״Die Purimsage in der Bibel“. Berlin. Reimer, 1902. 92 S. Der Titel der Erbt’schen Schrift ״Die Purimsage“ gibt uns schon genügend den Standpunkt an, den der Verfasser mit manchen anderen Forschem der Geschichtlichkeit der Esthererzählung gegenüber einnimmt. Es kann uns weder dieser Umstand, noch die Art und Weise, wie er die ״Purimsage“ herleitet dazu bringen, ihm auf seinen Einzelwegen zu folgen. Seine weitgehenden Erörterungen verlassen den Boden der babylonischen Schöpfungserzählungen, um eine Masse neuer Dinge hereinzuziehen und mit der Vielgestaltigkeit der Glieder auch die Ergebnisse zweifelhafter zu machen. Trotz der Bedächtigkeit seines Vorgehens hat er vergessen, daß das Beste auf diesem Gebiet nur Vermutung ist und mit Häufung der Annahmen und Vergleichsgegenstände das Ziel durchaus nicht sicherer vor dem Forscher steht. Wir wollen uns damit begnügen, das, was uns unbedingt angeht, genauer ins Auge zu fassen. Die Ungeschichtlichkeit der Esthererzählung beruht bei ihm auch auf der Zersetzung der Esthererzählung in zwei verschiedene Bestandteile, die erst durch einen späteren Ordner in Beziehung zu einander gebracht worden sein sollen. Er unterscheidet im Estherbuche eine Esthersage, in welcher Mordechai nur im Hintergründe steht und eine spätere Mordechaisage, in welcher Mordechai der Held des Ganzen ist. In jener ist der Angriff Hunans auf das Leben der gesamten Judenheit der Gegenstand; in dieser Ist dagegen Mordechai der Angegrittene. Die Esthererzählung endet mit dem Tode Hamans, der durch das erste Gastmahl bei Esther herbeigeführt wird; die Mordechaierzählung schließt mit der Ehrung des Mordechai ah. Erbt findet einen Widerspruch darin, daß 2» Esther im Namen Mordechai’s dem König die [Entdeckung des Mord- Versuchs verkündigt, während 6« Mopdecbai selbst es be* richtet hat! (st es nicht erlaubt, zum zweiten Mal die Haupt- Sache kurz zu bringen? Und daß Esther den Namen Mordechai’s hat angeben müssen, das sali die Verwandtschaft zwischen beiden bekunden? Aus 3,—wo die Diener wegen des Xichtbeachtens der Königssatzung den Mordechai befragen und dann dem Haman die Sache! berichten, ersieht Erbt nicht ein bloßes Geschwätz gelangweijter Hofdiener, sondern die den Juden abgeneigte Stimmung] die mit 4u, wo die Stadt Susa mit den Juden Mitleid fühlt, im Widerspruch stehen soll. i Dies und Aehnliches sind gemacht^ und hineingezwängte Widersprüche, wodurch Einschiebsel von seiten eines zweiten Bearbeiters ermöglicht werden sollen. Zwei Gastmähler seien z. B. nur dadurch notwendig geworden, um dem Bearbeiter die Einfügung der Ehrung Mordechai’s vor dem Tode Hamans zu ermöglichen.; Nun hat Erbt in dem um das Estperbuch hochgehäuften Schrifttum auch meine Arbeit ״Die Josephsgeschichte mit den Büchern Esther und Daniel verglichen“ (Z. A. W, Gießen 1896, S. 278 ff.) bemerkt. Er führt sie S. 69 an und nimmt das sich aufdrängende Ergebnis der sprachliche^ und geistigen Gleichheit dieser drei biblischen Stücke nichtnur an, sondern geht noch darin darüber hinaus, daß er eine bewußte Nachahmung der Tatsachen in denselben behauptet. Nach diesen meinen Darlegungen 1 liehe Gleichheit aber auf die ganze! nend betrachteten Teile. So z. B. 8« ולא שסע אליהם Gen. 89 שמע אליה ״! Gerade in der als Wiederholung von 51« finden wir ויתאפק und Gen. 461 Ausdruck! Sollte man nun glauben, de diese Züge an, so beißt es in der ״ אפרתי אבדתיnd Gen. 48וכאשר שכלתי שבלתי ״• Wenn sich die Aehnlichkeit mit dem Tone der. Josephsgeschichte über so weite Teile erstreckt, so müßten wir hier ein großes Wunder annehmen! Die verschiedenen Verfasaer müßten sich verabredet haben, sich naah der Josephsgeschichte im Ausdrucke, im Geiste, selbst in dem unbewußten Streben nach Aehnlichkeit des Tonfalls des Satzbaues zu richten. Es würde non in der Hand des Verfasser liegen, diese Erscheinung daraufhin zu prüfen und zu fragen, wie sie mit seiner Zweiteilung der Tatsachen übereinstimmt. Ich bin überzeugt, daß es ihm bei dem hier bewiesenen Reichtum an Gedanken, Heischesätzen und Voraussetzungen schließlich gelingen wird, seine Behauptung mit den größten! Schwierigkeiten in Einklang zu bringen. Aber wäre das Wissenschaft? Die beiden Gastmähler, der Doppi!besuch Ahasverus’ und Haman’s bei Esther, der zwiefache Versuch Esther18, den König zu der gleichen §ache zu bestimmen — sie finden ihr Spiegelbild in der zweimaligen Reise der Brüder Joseph’s nach Egypten, in der Gefangenhaltung Simon’s und in der Gefahr Benjamin’s. Und so müßten die Bearbeiter dee Estherbuches sich noch vorgesetzt haben, in der Vereinigung zweier ursprünglich gesonderter Erzählungen sich nach dem gleichen alten Muster zu richten! Es scheint uns also sehr schwierig, die Erbt’sche Darlegung, wie das Estherbuch entstände^, zu dem eisernen Gute bibelwissenschaftlicher Ergebnisse zu schlagen. Wie steht es z. B. für die Geschichtsforscher der Zukunft mit der Gestalt Napoleon’s? Wenn er in Moskau in so schlimmer Weise durch den Brand 'ins Unglück geraten, wozu noch die Freiheitskriege? Und selbst in diesen: Ein zweimaliges Auftreten gegen den Korsen wird nötig — zweimal sinkt er —» zweimal wird er gefangen und verbannt — zweimal tagt der Wiener Kongreß. Ein dritter Napoleon (wo ist der zweite geblieben? Der Herzog von Reichstadt kann es doch nicht sein!) wird Präsident, wie der erste Konsul; wie jener macht er sich durch Eidbruch zum Kaiser, wie jener wird er von Deutschland angegriffen, wie zum ersten Male kommt eine Belagerung von Pais, ja, ein Einzug in Paris streckt sich die sprachvon Erbt als zu tren- ויהי כאמרם אליו יום iro ויהי כדברה אל יוסף יסז Erbt betrachteten Stelle להתאפל — ein seltener im Ergänzer gehörten ״Estersage“ 41• וכאשר