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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 3. (1904) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 3. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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V — 12 — Kraft hingewieeen, ־woraus die Thors auf Dankbarkeit die Menschenliebe, also die Förderung des fremden Willens herleitet. Merkwürdig, daß dieser Punkt vom Verfasser nicht hervorgehoben worden ist, so sehr er sich seinen Erwägungen als gute Grundlage darbietet. In dem Gedenken der Schöpfung liegen die Folgerungen nicht, welche die Thora an 80 vielen S teilen aus dem BefreiungBgedanken zieht Das wäre der einzige Einwurf, den wir dem Verfasser zu machen hätten. Aus obiger Darstellung wird wohl jeder den hohen Wert des Baches erkennen. Wir besitzen eine solche Darstellung der “Ethik noch nicht und müssen dem Verfasser für seine tatsachenreiche und redensartenarme Darstellung, in der wir kaum das Notwendigste gestreift, dankbar sein. Wenn er sich in der Vorrede als fern von den Mittelpunkten der Wissenschaft gewissermaßen wegen seines Unternehmens entschuldigt, so macht das seiner Bescheidenheit alle Ehre. Die Teilnahme der Leaewelt wird hoffentlich darauf die rechte Antwort geben. Stratz, Was sind Jaden! Leipzig, Freytag, 30 S. Die körperlichen Besonderheiten der Juden finden sich auf Erden überall, wo eine Innenzucht, verbunden mit dem Streben, sich unvermiscbt zu erhalten, vorhanden gewesen. Denke man an <lie Büsten römischer Cäsaren, an die Gesichtszüge der Habsburger und Bourbonen, an die so oft auftretenden jüdischen Züge bei Nichtjuden und umgekehrt, so muß man von einem besonderen jüdisch-semitischen Stamm abeehen. Nur Eines ist za beachten! Der Jude gehört dem mittelländischen südlichen Zweig der kaukasischen Rasse an, weshalb er auch von den Südländern kaum zu unterscheiden ist. Da auf seiner Religion Christentum und Muhammedismus sich auf bauen, so fühlt er sich geistig nicht fremd inmitten der diese Glaubenssatzungen bekennenden Völker. Erkennt der Verfasser dem Judentum eine große Sendung in Zukunft zu, wie es eine solche durch seine Vergangenheit bewährt hat, so müssen wir in all den hier angedeuteten Ausführungen das Streben anerkennen, neue und zum Frieden führende Gesichtspunkte den Streitenden vorzuhalten. Er bezweifelt es wohl nicht mit Unrecht, ob auch nur ein Uebelwollender durch solche Auseinandersetzungen eines Besseren belehrt werden wird. Aber vielleicht mancher, der den judenfeindliehen Schreierh harmlos aufs Wort glaubt, zumal in wissenschaftlicher Beziehung, wo er selbst nichts prüfen kann. ' Die Hoffnung, die Verfasser zum Schluß ausspricht, geht dahin, daß das Judentum zum Besten der Völker durch Vermischung, also durch Abgeben seiner guten Eigenschaften an die nichtpüdische Welt schließlich verschVinden wird. Wir würden die Erfüllung dieses Wunsches als ein großes Unglück für die menschheitlichen Ziele ansehen. Aber da Verfasser nur mit geschichtlichen Tatsachen arbeitet, so kann er doch nur hoffen, was sich als möglich herausstellt. Hat er den dem Judentum innewohnenden Lebenstrieb mit in Berechnung gezogen, der immer die geeigneten Mittel findet, sich zu erhalten und sich durch stets Deue Bestrebungen die Zukunft zu sichern? Die Selbstsüchtigen mögen sich vermischen — wer wird sie am Verlassen der alten Fahne hindern, wenn sich ihnen ein Amt oder eine Ehre bietet? Die Meisten unter uns wollen den Zusammenhang mit der Glaubensgemeinschaft, •betrachten den Austritt als verächtliche Treulosigkeit. Dies Ausharren trotz aller Hemmungen der Außenwelt hat bei den meisten Wendepunkten der Menschheit geholfen — nehme man Israel beim Sturz des Römerreichs, am Ende des Mittelalters fort — was wäre geblieben? Was hätte sich entwickelt? Also nach denselben Tatsachen, denen Verfasser seine Voraus- Setzungen zugunsten des Judentums entnimmt, ist unsere Gemeinschaft zur Ewigkeit bestimmt, und die Gedanken, die wir mit uns zu tragen haben, werden der Menschheit noch größere Dienste in Zukunft leisten müssen, als das bisher schon geschehen^ ist. Mit dieser Einschränkung ist die vorliegende Schrift als ein Beweis redlichen Wahrheits- und Friedensstrebens zu empfehlen. Vermischtes. (Fortsetzung.) Soll nun das Bittgebet als Gegensatz zum Dankgebete nichts weiteres enthalten, als die bloßen nackten Wünsche? Soll dabei kein Hinblick auf die durch geschichtliche Erfahrung uns zum Bewußtsein gekommene Erkenntnis der Gottesleitung vorhanden sein? So geradlinig und gegensätzlich verfährt das Judentum nicht. Dann würde es sich selbst verleugnen und das Bittgebet würde der nackte Ausdruck des Eigennutzes sein. Darum schreibt die Halacha vor, daß dem Wunsche des Betenden das Lob Gottes vorausgehe. Dies soll aber nicht in vielen und wortreichen Lobpreisungen geschehen, als wollte man etwa die Gottheit durch höfische Schmeicheleien zur Erfüllung der menschlichen Wünsche veranlassen. Einmal müssen diese Wünsche allgemein gefaßt und darum bescheiden sein. Weisheit, selbsterkennende Bußfertigkeit, Verzeihung, Erlösung vom Uebel, Gesundheit, gute Jahresernte, Befreiung, Gerechtigkeit mit ihren Folgen für Gute und Böse, die Zukunft des Davidshauses und die Schlußbitte um Erhörang der Gebete — das ist Al'63- Dabei bedarf es keiner Anstrengungen, um Gott zur Erfüllung zu veranlassen. Das würdige Lob Gottes am Anfänge des Hauptgebetes soll durch die Erinnerung an die große Vergangenheit und die darin sich zeigenden göttlichen Eigenschaften den Betenden zum wahren Vertrauen bringen und ihn an die Gottesziele mahnen, denen seine Erdenerfolge selbst zu dienen haben. Den Bittgebeten folgt der Dank, von dem wir schon oben gesprochen haben. So zeigen die Gebete Israels, die auf halachische Bestimmungen gegründet sind, eine würdige und hohe Anschauung vom Wesen Gottes und vom Verhältnis des Menschen zu ihm. Schwärmerei und Aberglauben haben hier keinen Raum, wohl aber warmes Gefühl, echtes Gottvertrauen und gottinniges Streben. (S. die Bemerkungen am Schlüsse unseres ״Die Mischna, Aufbau und Quellenscheidung.“ Straßburg, Trübner.) In der Altschüler’schen Vierteljahrsschrift, 2. Heft (Calvary), S. 274, findet sich in den textkritischen Bemerkungen zu Jerusalmi folgendes: ״Jebamoth 164 מעש' שעשיתי lies שהייתי•“ Nun ist eine Verwechselung dieser beiden Worte durch einen Schreibfehler schwer anzunehmeD, weil die zu vertauschenden Buchstaben dann doch immer einige Aehnlichkeit mit einander haben müssen, auch darf der gewählte Ausdruck, wie in diesem Falle, nicht fremdartiger sein, als der angeblich ursprüngliche, sondern umgekehrt durch größere Verständlichkeit muß er den Schreiber zum Mißverständnisse anlocken. Tossefta 145 hat allerdings כשהייתי בא כים» Babii 121a פעם אחת הייתי מהלך בספינה Also immer הייתי; und dennoch muß 'שעשית irgendwie zu begründen sein. Nun finden wir in Raschi zu Gen. 2134 ׳jjjיבחברק עשה כ*ה ׳ dann במצרים לא עשה אלא;׳ חדשים» sodaß עשה weilen heißt. Durch das מפרש רים. wa8 die ganze Dauer der Seereise umfaßt, ist das עשיתי ich verweilte, ich hielt mich auf als Seereisender, wohl gerechtfertigt und darum im Jer. die LA שעשיתי festzuhalten. Inhalt der Nummer 3. Wissenschaftliche Aufsätze: Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig) Berlin. (Fortsetzung.) — Einiges über Heine. — Litteraturbericht. Rezensionen: Dr. M. Steckelmacher, Mannheim: Das Prinzip der Ethik. — Stratz: Was sind Juden? — Vermischtes. , Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosentha! in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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