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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 3. (1904) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 3. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 am die Beine, oder umhüllten sie enganliegend. Nach vorn und rückwärts waren sie mit Oeflnungen versehen.1) Die ledernen Beinkleider der Priester (Ex. 89,29) hatten nach Angabe des Talmud die Form von Reithosen, nach oben reichten sie bis an die Hüften, nach unten bis zu den Lenden.ף — Beinkleider galten als unbedingt zum Bedecken des Körpers notwendig, genügten aber nicht ohne andere Bekleidung^ Die Beinkleider der Sklaven waren gleichwie deren sonstige Kleidungsstücke mit bestimmten Zeichen versehen. Zollzeiehen trugen alle von außen eingelübrte Kleidungsstücke.4) In Magdala befanden sich an 300 Läden, in aenen Beinkleider feilgeboten wurden.9) (Fortnetzaog folgt) Einiges über Heine. 1. Was ist uns Heine? Der bloße Name eines Gewaltigen übt auf uns schon einen bestimmenden Einfluß aus; noch mehr, wenn es ein Held des Geistes ist, der in Vers und blendendem anziehenden Mut uns mühelos mit sich auf jene Höhen fortreißt, wohin wir dem Gelehrten, dem einsamen Denker nieht leicht folgen. Kommt noch dazu, daß er durch seine Abstammung zu uns gehört, so daß wir die Empfindung haben, er sei 1)0eh dar unsere, so ist es leicht möglich, daß wir für ihn und mit ihm fühlen und über seinen Vor- .zögen seine Fehler leicht übersehen. Man braucht nur den Namen Heine’s zu nennen, um die zweischneidige Wahrheit dieser Bemerkungen zu empfinden. Da sein Uebertritt zum Christentum 1ms nieht . einen Augenblick aus dem Sinn kommt, in demselben Augenblick, wo uns sein Lied entzückt, sein Gedanke fesselt, sein Witz zum Lachen zwingt, sd kommen wir in die Lage, die Fahnenflucht an sich selbst mit weniger bösen Augen zu betrachten, und wer weiß, wie so mancher gerade Heine hn Auge hat, wenn er dem Judentum den Rücken kehrt, wie so mancher mit Heine’schen Gründen den eigenen Uebertritt oder denselben Schritt beim andern entschuldigt? Welche hausbackene Erörterung! könnte man uns entgegenhalten; sollen wir uns die Freude an Heine, das Gefühl, daß er uns entstammt, dadurch verkümmern und . rauben lassen? Muß eine solche Gestalt nicht mit ihrem eigenen Maß gemessen werden und sollen unsere Kunstanschauungen nur durch die Rücksicht auf etwaige Gefahren gelenkt werden, die dem Bestand des Judentums daraus erwachsen könnten? Gewiß nicht Ich selbst habe oft genug ausgesprochen, daß die Wahrheit über alles geht; und die Wahrheit führt stets zum rechten Ziel. ’) ב' הערלח 0“י בית ועקב, Nidda 18 b; ▼gi. ex. 28,42 mit Jos. •■eh. 8,8 auch Nidda 18b. _ ף J. Ned. 42b, rgl. Jos. arch, 8, 8. ף Sabb. 68a. *) Thr. r. a. v. Sind es übrigens nicht jüdische Empfindungen die uns so leicht zum Stolz auf einen Heine bringen’ selbst in den Zügen, auf die man, abgesehen von unsere obigen Erwägungen, durchaus nicht stolz sein kann? Da ruft gerade die Wahrheit; Hier hat die Vorliebe für den Stammesgenossen zurückzutreten und uns nur die Frage zu beschäftigen, was Heine als Schriftsteller und Mensch ist. Und zeigt der Mensch so. manche Schattenseiten, so wird es uns nichts helfen, wenn wir sie verderben oder als geringfügig darstellen und dafür, daß uns das nicht gelingt, werden unsere Gegner schon sorgen. Sie werden in Heine um so lieber den Juden brandmarken, je mehr wir selbst geneigt sind, ihn zu verherrlichen und ihnen in ihrem Vorgehen Recht zu geben scheinen. Das gleiche ist beim Schriftsteller der Fall. Auch da werden uns bestechende Züge fesseln, die uns nicht bestechen dürften und die man uns, oft ohne daß wir es wissen, entgegenhält mit dem siegesbewußten Ruf: So schreibt der Jude! Wir mögen dies als eine Ketzerei gegen den Geist der Kunst betrachten — an den eben ausgesprochenen Tatsachen ist dadurch nichts zu ändern. Und ob der Zweifel an Heine’s Größe in vielen Punkten wirklich eine Ketzerei gegen die höchsten Kunstziele ist? Hier gilt es, den Großen an den Großen zu messen, den Maßstab anzulegen, dem wir einem Goethe und Schiller entgegenbringen — ein anderer wäre eine Verkennung, eine Beleidigung Heine’s — sich zu fragen, was ihn von denen unterscheidet, weshalb er auf seinem Gebiete nioht ebenso Großes erreicht hat und erreichen konnte. Nur so wird sieh heraussteilen, was in Heine wahrhaft groß, was in ihm aber auch vergänglich ist; wo sich in ihm die Wahrheit mit Gewalt hervor drängt, wo dagegen seine Darstellungskunst geringfügigen und alltägliehen Gedanken zum Aufputz dient oder gar uns das Verwerfliche erträglich erscheinen läßt. So haben wir den großen deutschen Dichter und Denker (wir wollen ihm den letzteren Namen voll und ganz geben) zu messen und seine Abstammung und seine Lebensschicksale soweit in Betracht zu ziehen, als sie * *uns sowohl das Große, wie das Geringe in ihm werden begründen helfen. Es wird sich dann auch zeigen, was eigentlich an Heine 1.... ־ ־״ י ־ ’ ' ’ ־ י TT־"־ schreiben sind, deren von ihm so scharf gegeißelte Fehler sich gewiß vielfach in ihm abspiegeln. Wir werden;uns fragen müssen, ob das von ihm Verspottete nicht wirklich den Spott verdient? Ob nicht an vielen Stellen sich bitterer Ingrimm über das Zeitelend hinter dem Heine’schen Spotte verbirgt uud da, wo wir den Vaterlandsfeind vermuten, in Wirklichkeit der Freund deutschen Geistes sich unwillkürlich zeigt? So werden wir Heine in vielen Punkten entlasten können, wenn wir seine ganze Persönlichkeit und die Gesamtheit seiner Schriften zu überblicken imstande sind. Stellt sich dem nur für jeden Fehler eine entsprechende Tugend, für jede Halbheit ein Vorzug ein, ja, kann man be-

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