Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 2. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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grtindlichen Umwandlung der bestehenden den Anstoß gibt Und das unterscheide* die Thora ▼on allen, selbst den neuesten Gesetzgebungen. Ihr ewiger Wert besteht darin, daß eie dem Menschen ewig Ziele voifaält, die er noch nicht erreicht hat Wer aber den alten Babyloniern den Rahm, Werkzeug« der Vorsehung, bei der sittlichen Entwickelung dm1 Menschheit gewesen sa sein, nicht gönnen will, der kann weder ein Freund der Gotteesiele, noch der Menschheit selbst sein. Wenn ich selbst früher gegen die in der Akademie der Wissenschaften ▼om Verfasser Torgebrachten Vergleichspunkte aafgetreten bin, so schien es mir, als wenn dieselben su wenig - besagten, als wenn andere Gesetzesreihen der Thora und des Hammurabi, die ich selbst in meiner Schrift behandelt su diesem Zwecke besser bitten herangezogen werden können, ja, ich muß es gestehen, als wenn bä solcher Behandlung!- art die Thora nicht zu ihrem Rechte kirne. Das Erscheinen dieser gansen Arbeit hat mich eines Besseren belehrt Ich erkenne daa an und von andersdenkender Seite ist der Beweis nötig, daß die Ergebnisse Möllers zu irgend welchem Bedenken Anlaß geben. Verfasser wird mir kaum dafür dankbar sein, daß ich diese Seite in Zusammenhang mit seiner Arbeit berührt habe. Aber sie läßt sich nicht umgehen. Uebereinstimmend mit meiner obengenannten Abhandlung kommt Verfasser, wenn auch auf anderen Wegen, zu dem Schlüsse, die Thorasatsungen entstammten nicht dem Hammu- Zahl; wie ich, siebt Verfasser in der Zeit der Stammväter dieses alte Gesetz wirksam; sieht er in der Zugrundelegung des Auszugs ans Aegypten die zur Bekräftigung des Liebeegedankens treibende Kraft; erkennt er an, daß das Judentum Versündigungen gegen den. Gottesgedanken, das Ehagesetz und die Familie strenger bestraft, als Hammurabi, und dies habt er als unterscheidend hervor. Aus seiner Arbeit geht aber auch hervor, daß durch die Auffindung dee Hammurabigesetzes so manche wissenschaftliche, gegen die Echtheit der Thoragerichteten Ansichten ins Schwanken kommen. Die Wissenschaft hat die Gestalt Moses ins Schattenreich verwiesen. Seine Zeit 8011 so ausgebildete Verhältnisse, wie sie die Thora voraussetzt, noch gar nicht gekannt haben; die Kunst des Schreibens wie der Aneinanderreihung von solchen Satzungen 8011 damals etwas Unmögliches gewesen sein! Nun tritt aus dem Schutte von Sima eine Gesetzessammlung hervor, welche älter sein soll, * die Thora, und all’ die Verhältnisse voraussetzt,, welche man su Mosee Zeit für unmöglich gehalten. Hätte Verfasser daa Einleitung»- and das Schlußwort des Hammurabigesetzes mit veröffentlicht, so wären auch die vielfach angezweifelten Verheißungen und Strafandrohungen der Thora in ein anderes Dicht getreten. Und noch eins füge ich hinzu: Man hat es bezweifelt, ob die 618 Thorasatzungen auf zwölf Steinen an der Landesgrenze Platz finden könnten — hier enthält eine einzige Säule fast 800 Sätze! Indem Verfasser sich an die sachliche Erörterung hält, ist er denn auch nioht über die Bärten der Hammurabigesetze in Entrüstung geraten, sondern hat dieselben zu erklären gesucht. Die Talionageaetze, wie grausam auch immer, sieht er dem schrankenlos rächenden Familienrechte gegenüber als mildernde und auf den Grundsatz der genauen Vergeltung sioh beschränkende Maßregeln an. Wenn unter Umständen die Kinder statt der Eltern sterben, so muß auch dies aus dem Streben hergeleitet werden, den Ernährer der Familie za erhalten. Dient Verfasser der wissenschaftlichen Wahrheit, so rückt ohne seine Absicht, wenn dies schon Milderungen gegen frühere Zustände darstellen sollen, die Thora in unabsehbare Höhen empor. Genau and ruhig hinblicken! das scheint Verfassers ersterGrandsatz zu sein. Mögen unsere Gegner Thora und Talmud nur mit gleichem Maße messen, wie er es mit dem Hammurabi getan! Die Spitze dee rein wissenschaftlichen Forschens kehrt sich nie gegen das Heiligtum, vielmehr *durchleuchtet es die Schrift mit neuem Lichte. Wenn wir in der Bibel- Wissenschaft in letzter Zeit eine Umkehr zu verzeichnen haben, so wird gerade der Hammurabi die Forscher zwingen, ihre Ergebnisse von neuem za prüfen. Um die Einzelheiten vorliegenden Werkes zu kennzeichnen, wie auch anzugeben, worin wir von dem Verfasser abweichen', daza wird ein anderer Artikel noch nötig werden; es wird bei der Wichtigkeit des Gegenstandes unseren Lesern nicht zu viel werden, wenn wir wiederkommen, und sie werden nicht unwillig aasrufen: Wieder einmal Hammurabi! Dr. J. 8cheftel01rltz. Arisches im alten Testament. Teil II. Berlin, Calvary, 1903. Al« zweiter Teil einer in der -Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft dee Judentums“ erschienenen Arbeit, deren Sonderabdruck hier vorliegt, beschäftigt sich vorliegende Schrift vorzugsweise mit dem Estherbuch und seinen Septuagintafassungen. Bekanntlich unterscheiden sich dieselben in der {ganzen Septuaginta am meisten vom massoretischen Text Die einzelnen Stücke sind darin von sebr verschiedenem Wert Von der nachlässigsten Verstümmelung der Namen, den sohülermäßigsten Uebersetzangsfehlem bis zu feierlichen Zusätzen, Gebeten, Schilderungen (s. das Fasten in der Vetus Latina und den Targumim), andererseits za Verlebendigungen des oft marmorglatten, ruhig über die Ereignisse hingleitenden Textes, findet sich so ziemlich alles darin. Weil dabei nun einige Züge lebendiger und ergreifender hervortreten, als im Hebräischen, so hat Jahn in seinem ,Esther, nach der Septuaginta wiederhergestellt“ das Griechische als das Ursprüngliche hingestellt, als wirkliche Uebersetzung eine■ alten Esthertextoa, dessen spätere Umarbeitung wir in dem mas80retischen Texte finden sollen. So soll nun das Hebräische nach dem Griechischen umgewandelt werden, nicht umgekehrt. Der vatikanische Text ist ihm maßgebend. Er nimmt außerdem an, jeder griechische Ausdruck entspreche einem bestimmten hebräischen. Verfasser prüft nun gerade den von Jahn benutzten Stoff daraufhin und findet, daß die hebräischen Worte in der Septuaginta nicht eine bestimmte Uebersetzung gefunden haben, sondern daß die Ausdrücke dafür häufig wechseln. Und zwar ist dieser Beweis mit großer Sachkenntnis im weitesten Sinne geführt worden. Dadurch wird Jahn’s ganze Auffassung erschlittert and seine Textesänderungen erscheinen als willküriich. Nach des Verfassers Ergebnissen bemüht sich der Grieche um verständliche Wendungen für den hebräischen Ausdruck und er weist außerdem auf die vielen Texteeverderbnisse durch den Griechen bin. Wer nur halbwegs die LXX kennt, weiß, was aus den hebräischen Namen darin geworden ist. Hier ist ee dem Verfasser leicht, nachzaweisen, in welcher Weise die Namanverderbnis vor sioh gegangen ist. Was Verfasser über das Wort Purim sagt, werden wir in nächster Zeit noch Gelegenheit haben, za betrachten. Ebenso werden wir noob auf das Verhältnis der jüdischen Religion za persischen AnZchauuagen zurfickkommen. Daß das Estherbuch älter ist als Daniel, haben wir an anderer Stelle unabhängig von unserem Verfasser aus der Darstellungsart in beiden Büchern nachgewiesen, und ich freue mich, darin mit ihm übereinzustimmen, wenn er auch auf anderem Wege dahin gelangt ist. Wie er nun auch die Fremdwörter im Daniel betrachtet, so ist mir früher (8. Z. A. W. 1886) Esther und Daniel als aneinander anklingend und beides als geistig und sprachlich der Josephsgeschichto ähnlich erschienen. Wir begnügen uns heute damit, die vorliegende Arbeit als verdienstvoll für das Verständnis der Septuaginta und ihres Verhältnisses zum M. T. zu kennzeichnen, zumal wir sie bei Besprechungen verwandter Abhandlungen als Hilfsmittel noch heranzuziehen gedenken.!■halt dar lummtr 8. Wissenschaftliche Asfsätze: Kleidung im biblischen und talsaudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Berlin. (Fortsetzung.) — Aufbau und Quellenscheidung für die Chanukasatzungen. (Schluß.) — Lltteraturbericht Rezensionen: Professor Dr. D. H. Müller, Dis Gesetze Hammurabi’s und die mosaische Gesetzgebung. — Dr. J. Scheftelowitz, Arisches im Alten Testament. ‘ Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.