Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. 24. (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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besonders zum Ausbau der Thoramidraschim. Wenn Targnm seheni in seinen ältesten Bestandteilen nach fremden Quellen Salomo emporhebt, so sollte damit (wie schon Eupolemos in seinen Salomobriefen getan) gezeigt werden, nicht nar Ahasverus, nicht nur Nebuchadnezar, auch Salomo sei ein gleich großer König gewesen, auch Israel habe ein Weltreich besessen, להלבנק באדיר י5ןל■ und nur ein Weltreich, wie das römische, kannein Weltreich stürzen. Zur Bemängelung eines Salomon liegen die Ursachen auf der Hand. Will Verfasser dabei auf Esra und die große Ver- Sammlung zurückgehen, so ist Sirach schon ein guter Zeuge dafür, daß man über Salomos Größe nicht seine Fehler vergaß. Die Tannaiten tadeln wohl Moses in der Mechiltha, daß er ■aß and die. Gemeinde stehen ließ (wie Gamaliel den Josua bei jenem Streite), aber Salomo war für sie der Leugner, der das יל״ך in לא ירבח כר nicht achtete (8. Midrasch Rabbah Anfang אחא])! der wie Moses sein wollte (dem doch in מעט das עין, das Auge für die tiefsten Geheimnisse fehlte), der דברי חפץ suchte, beim Einzug in den Tempel erst durch die Pforten gezwungen wurde, seinen Vater und dessen Frömmigkeit, die festgeblieben (הגאםני ס)< zu erwähnen. Wenn die Amoräer nun immer mehr gegen die Worte der Tannaiten zu streiten beginnen (es ist dies ein hoch anzuerkennendes Ergebnis vorliegender Arbeit), so liegt das in ihrer Art, die biblischen Personen möglichst vor Tadel zu wahren. Die Tannaiten stehen dem biblischen Geiste näher, die Amoräer haben außerdem kein Bewußtsein mehr von den Zeitfragen, welche die Alten bewegten; sie fassen deren Worte als eine Ueberlieferung, als Bibelerklärung auf, welche sie annehmen oder abweisen. In jener Stelle Sabbat 66a wird nicht nur Salomo, sondern alle möglichen Personen der Bibel werden ״gerettet“ (Sabbat 64b etc.), und Samuel bar Nachmeni ist darin einer der Stärksten. Sowohl der Angriff wie auch die Verteidigung Salomos entspringt dem Streben, das Heilige vor Herabsetzung zu bewahren, einerseits dem einseitigen Vemunftstreben, andererseits den Verkleinerem der heiligen Männer gegenüber. Es bestätigt sich hier wieder, was wir in der Einleitung zu unserer ״Ifischna, Aufbau und Quellenscheidung“ (Straßbürg, Trübner) ausgesprochen, das bleibendste Ergebnis bleibe in solchen Arbeiten immer die Reihe der vereinten Sätze, ihre gestaltliche oder gedankliche Gleichheit, ihre Einheit als Quelle; die Erklärung, welche man diesen Tatsachen gibt, ist das ewig Streitige: der Eine wird sie so, der Andere anders deuten; doch dem Entdecker gebührt der dauernde Dank der Forscher; denn ohne ihn könnten sie nicht streiten. Nicht also von der Geschichte zur Quellenbeleuchtung führt der Weg, sondern umgekehrt: die erkannten Quellen bieten erst die Geschichte. Möge durch die weiteste Verbreitung dieser Schrift zugleich diese Auffassung sich mit verbreiten und der Verfasser bald mit der Fortsetzung kommen I Dr. Erich Bigehoff. Die Kabbalah. Einführung in die jüdische Mystik und Qeheimwissenschaft. Leipzig. Grieben. VH, 126 Seiten. 2 Mk. Schon das Vorwort dieses Buches mit dem verlockenden Titel fesselt ungemein. Vor uns öffnet sich ein faustisch ausgeschmücktes Zimmer, da sitzt der Eingeweihte und murmelt unverständliche Formeln — da ziehen die Geister der Vorwelt bei ihm ein, die zehn Sphären bewegen sich feurig, eine Welt, Seelen, Körper steigen als Schöpfung hervor — eine wundersame Dichtung, die uns so recht in das Wesen der Kabbalah einführt. In drei Abschnitten, für welche Verfasser die Form des Katechismus gewählt hat, werden Wesen und Ursprung der Kabbalah, ihre Geschichte und ihre Lehren behandelt. Diese Form hat den Vorteil, daß die vorausgehende Frage uns immer über das im Abschnitt behandelte auf dem Laufenden erhält und wir immer wissen, wo wir sind. Die Kabbalah erscheint beim Verfasser vorzugsweise als Weltanschauung, nur in• Nebenzügen als Aberglauben. Die ausübende Kabbalah, die mit Amuletten und Namen Berge versetzen will, ist ihm nicht die Hauptsache dabei: Er geht genau auf das Wesen beider Richtungen ein, verliert aber die Hauptsache nicht aus dem Auge. Er ist weit entferat davon, in seinem Gegenstände lauter Lichtseiten zu suchen, ebenso weit aber entfernt von kurzsichtigem Abur-1 teilen über das Ganze. Durch seine Darstellung kommt die Kabbalah in Beziehung I zur Geschichte, zur Weltweisheit, wie zu den wichtigsten 1 Fragen des Menschengeistes. Der Gott der Kabbalisten ist I kein spinozischer Allgott, denn neben ihm hat durch seine [ Selbstbeschränkung die Welt und die Menschheit Raum; trotz der allgewaltigen Wirkung dieses weltumfassenden Wesens bleibt dem Menschen nicht nur die Freiheit, sogar eine übermäßige Macht ist bei rechter Anwendung in die Hände des | Frommen gelegt, der die Stütze der Welt ist. An Einzelheiten ist das Buch trotz seines geringen Um- I fanges und trotz seiner übersichtlichen Gestalt (oder sagen wir lieber wegen derselben und wegen des klaren Ueberblicks, womit Verfasser das weite Gebiet umspannt) überreich. Die etwaigen Ursprünge im Talmud, die Perioden der Entwicklung, die Hauptrichtungen der Kabbalah, die Stellung des Judentums zu ihr, die Hauptwerke der verschiedenen Zeiträume, das Jezirahuch mit seinen Grundgedanken, seine Aehnlicbkeit mit dem Neuplatonismus, die Sefirotlehre, die ältesten Kabbalisten, die Gematria mit ihren Verschlingungen, Notarikon, Themurah, Ziruf, der Sohar, Männliches und Weibliches. Corduero’s Zim-zum (Selbstbeschränkung Gottes), Luria's | Gilgullehre, Sabbathai Zewi, Eibeschützer, Emden, christliche Kabbalisten — schon diese wenigen Angaben über den ersten Abschnitt zeigen uns die Reichhaltigkeit des Gesamtinhaltes. Das Buch hat noch einen besonderen Wert durch die gründlichen Nachweise, daß die Kabbalah nichts der Blut- Beschuldigung günstiges enthalte, keine Spur sei davon in 1 ihr zu finden. Es zeigt, wie man sinnbildliche Stellen mißverstanden hat, wie aber die Sinnbilderei darin ihre Strafe gefunden hat. Richtig ist, daß Spinozas Hauptlehren der Kabbalah nicht bedürfen, sondern sich aus Descartes ungezwangen herleiten, wie ich auch in meiner ״Monistischen Philosophie“ (Friedrich, Leipzig) nachgewiesen. Er selbst | glaubte aber, das muß betont werden, mit den antiquis Hebraeis geistig Fühlung zu haben. Vielleicht kommt Verfasser bis zu einer zweiten Auflage | noch zur Beachtung folgender Punkte: Durch die Gilgullehre sind Männer wie Azulai und Heilprin dazu gekommen, die j Aehnlichkeit geschichtlicher Personen mit einander zur Erkenntnis ihres Gilgul zu suchen. Ohne Kabbalah wäre das geschichtliche Streben in ihnen nicht erwacht. Die Entwicklung der Messiaslehre, bis der Erlöser den durch die geborstenen Gnadengefäße gestörten Weltplan wieder in Ordnung bringt, I ist ein lehrreiches Spiegelbild des Urchristentums, ein Beweis, | wie diese Lehren vielfach aus dem Judentum hinaustreiben. Im Anschluß an Sabbathai Zewi (und vielleicht Luzzatto) ließe sich so etwas wohl behandeln. Auch der Nachweis wäre zu bringen, wie in der nüchternen Zeit der Boileauschen Formenherrschaft einewahreDichtungnuraufdem Boden der Kabbalah gedeihen konnte, Luzzatto also entweder | Kabbalist sein mußte, oder nicht Luzzatto werden durfte. Der Verfasser hat die Schrift mit 26 wichtigen Abbildungen versehen, die das weite Gebiet recht beleuchten helfen. Dr. Bischoff ist uns schon mit einer ״Kritischen Geschichte der Talmudübersetzungen aller Zeiten und Zungen“ und dem ״Buch von Schulchan Aruch“ (Frankfurt a. M. 1903) begegnet Ein vielseitiger Mann. Seiner Führung darf man sich getrost anvertrauen, nnd er wird seine Leser, ״von denen gar vielen alles neu sein dürfte, nicht enttäuschen“, wie er bescheiden sagt. Gewiß nicht. Auch die Kenner werden gern in 80 engem Rahmen das Ganze und sonst Weitzerstreute überblicken. Inhalt der Nummer 24. Wissenschaftliche Aufsätze: Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Berlin. (Fortsetzung.) — Aufbau und Quellenscheidung für die Chanukasatzungen. — Litteraturberlcht. Recensionen: Jacob Kramer Das Problem des Wunders im Zusammenhang mit dem der Providenz bei den jüdischen Religionsphilosophen d?8 Mittelalters von Saadia bis Maimuni. — Dr. R Färber. König Salomon in der Tradition. — Dr. Erich Bischoff. Die Kabbalah. Die•• Nummer enthSIt Titelblatt und Inhalt• Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.