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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 19. (1903) · p. Seite 76

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 19. (1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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ebenso Schmiedl ״Saadia and Onkelos“; dann neuere Ueber- Setzungen and Nachrichten darüber. Was die Sprache anbelangt, finden wir zuerst unter Lexikographie undWortforschung Barth,־Wurzeluntersuch ungen (Hinrichs), Bacher אוד (REU 44.); der Gi genstand selbst ist in weitestem Sinne ausgiebig behandelt; Hebr. Gramm. Stilistik bringt wieder Barth zur Hebr. und aram. Verbalflexion (Ztg. deutsch. Morg.-Ges. 56), Halövy Les quadrilitt' res ä la seconde radicale redoublöe, Jacob hebr. Sprachgut im Christlich-Palästinensischen (ZAW XXII), Krauß der Obelos im Massoretischen Text (ebenda). . In der allg. Einleitungswissenschaft bemerken wir Blau Studien zum althebräischen Buchwesen 1. Teil (Straßburg, Trübner). Indem wir hier nur die Werke und Aufsätze jüdischer Verfasser herausheben (wir beschränken uns auf den Anfang), muß uns schon das als Vorteil erscheinen, daß die obengenannten, nicht gerade sehr naheliegenden Gebiete uns statt in allgemeinen Umrissen in aller Besonderheit des darin Verarbeiteten und im Fortschreiten der Forschungen anregend in’s Auge treten. Anregend, denn wir sehen, kein Samenkömchen geht darin verloren. Weiterhin folgt Einleitungswissenschaft und Bikelkritik bezüglich aller alttestamentliehen Bücher — ein höchst anziehender Abschnitt, der uns mitten in den Wechsel der kommenden und schwindenden Ansichten, oft mitten in den Ifeinungskampf hineinführt. Alte Bibelauslegungen, Katenen, Predigten, Midraschim — alle Forschungen auf diesem Gebiete sind mit klarer Hand gezeichnet. Oie Apokryphen (wichtig wegen der Sirach- und Tobit-Fragen) machen den Schluß dieses äußerst reichhaltigen Teiles. Die Geschichte mit ihren Hilfswissenschaften folgt — am Schluß auch, was besügl. des Judentums und seiner Kämpfe, was bezüglich des rabbinischen und talmudischen Schrifttums Neues hervorgetreten ist Mit diesen Angaben konnten wir die Reichhaltigkeit dieses Buches auch den Inhalts angaben nach nur sehr notdürftig angeben, da wir sonst weitschweifig hätten werden müssen. Welch qjn Umblick gehörte dazu, in dieser Fülle der Eracheinungen nichts Wesentliches zu übersehen und selbst das Elinzeine, die vermischten Bemerkungen in einer Zeitung, wenn sie Einschlägiges bieten, an geeigneter Stelle zu verwerten — welch eine Arbeitskraft vereinter Forscher, dies Alles zu leeen, im Kern zu kennzeichnen und die wissenschafUiche Stellung ihm anzuweisen! Mit wenigen sicheren Strichen ist dies geschehen und in so ansprechender Weise, daß sich diese Zusammenstellungen sogar angenehm lesen. Baentsch’s Stellupg ist eine vermittelnde, er liebt die äußersten Gegensätze nicht, weder bezüglich der Qaellenunechtheit, noch was überraschende Lesarten Schöpfungen anlangt. Möge man zu seinem eigenen Vorteil dieser Hingabe an den Stoff seitens der Mitarbeiter und des Herausgebers dadurch entgegenkommen, daß man durch Anschaffung und Empfehlung dies verdienstvolle Unternehmen fördern and sichern hilft Dann ist man sicher, bei seinen Arbeiten den beeten Wegweiser zu haben, uud man erspart viel Zeit und Mühe. 8. M. Daltaow. Die jüdische Geschichte. Ein geschiehtsphiiosophischer Versuch. Autorisierte Uebersetzung aus dem Russischen von J. F. - Berlin, Calvary & Co. VI, 89 S. 1,60 Mk. Die Jaden sind ein allzeit geschichtliches Volk, denn ihre Geschichte ist an Umfang die längste und an Inhalt die reichste, zumal deren zweite Hülfe allein im Denken und Dulden vor sich geht; es ist eine vergeistigte Geschichte, die der Welt das große Schauspiel zeigt, wie eine Gemeinschaft durch ein gemeinsames Geistesgut und durch gemeinsame Erinnerungen lebt und leben will. Die biblische Zeit läßt das auserwählte Volk zum Banner der Völker werden, die. Propheten verkünden diese Sendung Israels, der zweite, Tempel zeigt sin staatlich-geistiges Gepräge in der Befestigung der gesetzlichen Eindrücke als Schutzmittel des Ganzen, die darauf folgende talmudische Zeit läßt das Erlernen des Gesetzes zum Mittel zu dessen Ausführung, zum Zweck geistiger Bewegung, also zum Selbstzweck werden; die gaonäische Zeit hat ein morgenländisches Gepräge, die Vorherrschaft des spanischen Judentums zeigt uns das Rabbinentum im Bunde mit Kunst und Wissenschaft, nach Ende dieser Zeit beginnt das Vorherrschen der rabbiniseh-mystischen Riehtungen, des deutsch-polnischen Judentums, worauf das Aufklärungszeitalter folgt. Die Wahrung des jüdischen Volksgeistes ist verbunden mit möglichster Teilnahme an den Bestrebungen der Zeit und dem Verlangen, den Geist der angestammten Lehre je nach der Verschiedenheit der Richtungen im Leben zu bewußter Geltung zu bringen. Die Gesamtgeschichte ist ein Kreis; die jüdische Geschichte deren Durchmesser; die Geschichten der Völker sind Sehnen dieses Kreises. Das sind einzelne Gedanken aus Dubnow’s Versuch, die Bewegungsgesetze der jüdischen Geschichte uns zu zeigen. Er geht dabei vom Bekannten aus (es kann sich hier nicht um neue Entdeckungen handeln), aber die Art, die Ereignisse zu verknüpfen, ist eben so neu, wie aus .der Fülle der Tat- Sachen genommen. Für sehr .bedeutend halten wir den ersten Teil, der die Grundsätze solcher Forschungen festlegt. Die biblische Zeit kommt m. E. n. beim Vf. zu kurz fort, weil ihm die Fragen, die damit in Verbindung stehen, femliegen. Er konnte sich davon femhalten und die Bibel einfach in ihrem eigenen Geiste sprechen lassen. Das wäre ein begreiflicher Standpunkt. Sowie er aber den bibelkritischen Boden betritt, wird die Darstellung schief, und sie wird weder von den Freunden des Alten, noch von denen des Neuen wiederspruchslos angenommen werden. Je mehr sich die Darstellung den späteren Zeiten nähert, desto lebendiger wird sie. Die Hauptgestalten (z. B. Maimoides) werden mit wenigen Strichen gezeichnet; besonderen Wert legt Vf. auf das Verhältnis des Judentums als Wahrere seiner Eigenart zu den neuen und vielfach verlockenden und zersetzenden Eindrücken. Ueber die Tossafisten hätte er nicht nach landläufigen Anschauungen urteilen dürfen; sie stehen nicht im Gegensatz zu Raschi,׳ sondern sind eine Folge seiner Richtung. Sonst berührt es wohltuend, daß Vf. sich nicht einer Einzelrichtung in die Arme wirft, sondern Licht und Schatten gleich verteilt. Daß ihm Wissenschaftlichkeit und Langweiligkeit nicht Wechselbegriffe sind, spricht er selbst aus. Den Literaturvereinen sei vorliegende Schrift aufs Nachdrücklichste empfohlen. Sie eignet sich ihres frischen Tons wegen sowohl zu Vorlesungen, wie sie auch die Gegenstände zeigt, welche besondere Wichtigkeit und packende Kraft an sich haben, um zu Vorträgen verarbeitet zu werden. Bei geeigneter Auswahl ließe sich die Schrift auch zum Vortrag für den Religionsunterricht höherer Lehranstalten mit Glück an wenden. Berichtigung. Da wir an der Korrektur der jüngsten Nummer verhindert waren, sind folgende Fehler stehen geblieben: S. 71 zweite Spalte 10. Zeile lies statt unrichtige — unwichtige. S. 72 zweite Spalte 6. Zeile lies statt Hinkel — Häckel. Daselbst 18. Zeile lies statt diese — dies die. Inhalt der Hummer 19. Wissenschaftliche Alfsätze: Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Berlin. (Fortsetzung.) — Babel und Bibel und Verbalinspiration. (Schluß.)— Litteraturberlcht Rezensionen: Theologischer Jahresbericht. Von Bruno Baentsch.— S. M. Dubnow. Von J. F. — Berichtigung. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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