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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 19. (1903) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 19. (1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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Das Weberhandwerk war bei den Juden wenig gesek&Ut1 *); Weber3) galten als böswillig und roh ף — das Sprichwort: ,Die Flöte, welche Fürsten als herrliches Instrument schätzen, findet keinen Beifall in den Augen der Weber4),“ will deren wenig suver- Manage, bornierte Gesinnung dartun. Sie wurden allgemein für anehrlich gehalten, weswegen man auch von ihnen wohl bunte, aus Wolle verschiedener Art gewebte Kleidungsstücke, welche von Frauen und Kindern der ärmeren Volksschichten getragen wurden, nicht aber größere Wollreste. Tuchstücke oder ganze Wollknäuel kaufen durfte5). (Fortsetzung folgt.) >) Ed 2, 3; J Pea 16». *) יאותיים,ארג Weber; אריגה, Gewebe, J. Kil. 32d; ,ג!~דנא גרדי, J. a. s. 30c; גירדנא. a. 8. 26»:יטרסי a. 8.17b, vgl. Tos. z. St.; J. KU. 32d, vgl. Succa 51b, wo neben 'טר nocb *גרד erwähnt wird; קילאה (v°n קי Faden) Spinner, Weber, 8»bb. 113»; נול) נהלה Webebaum) J. B. b. 13b; Meg. 18a; ךלה>ן{(, Spinner oder Weber, B. m. 24b; ימסך weben. Sabb. 78»; מחי Sabb. 58», weben, ימחיתה Gewebe, Trop verschiedene Dinge zusammen bringen, Ber. 24a; אסטווא Gewebe, Deeken, J. M. ech. 55 b. _ *) Kid. 82». 4) Jom» 10b — Chsg. 16b (vgl. Gen. r. 65,20; Jalk Gen. 116׳; Ex. r. 13,1) w. ö. wird neben Bileam ein אבניסיס הגרדי genannt Graetz nahm ursprünglich an, dieser sei mit dem Philosophen Numenio# identisch: da ihm aber הגרדי rätselhaft blieb, identifizierte er ihn später (vgl. Geech. IV, 2. Aull., S. 469) mit dem Kyniker Oenomaos aus Gadara (st.8*) גרדי er נדרי), der nach Gr.’s Meinung deswegen neben Büesm gesteUt wurde, weil er dem Judentum gleichwie dieser Anerkennung zollte, eine Ansicht, die nach der von Graetz selbst angeführten Stelle. Gen. r. 65, wo sich um Bileam und 'אב' רע die Völker der Erde versammeln, um durch ihren Rat Israels Untergang herbeizu* führen, unmöglich einleuchten kann. Daß im talm. Schrifttum mit Bileam Jeeus gemeint ist, hat Geiger, Ztschr. VI, S. 81 ff. mit Hinweis auf Sanh. 105 a und 106 a a b., Sifrö Ende, nachgewiesen (vgl. hierzu nam. Tanch. Lev. ed. Stettin יה בלעם :1 ,צו ׳(שבקש להדחות לחקב׳ח Welche Persönlichkeit steckt aber in א הג׳ם? Nach meiner Vermutung ist es kein anderer als Paulus, der Heidenapostel, welcher ein Weber (גרדי) war; vgL Apg. 18,8; 20,84; 1. Thess 2,9; 2 These. 3,8; 1. Kor. 4,12;‘אב, auch נימוס •Uein wird er ironisch mit Hinblick auf die künstliche Scheidung genannt, die er durch ״ das Gesetz *als charakteriatisches Merkmal für das Judentum im Gegensatz zur neuen Lehre hervorgerufen hat. Den Judenchristen galt er, weil er ihnen nicht recht gläubig erschien, als Bileam, vgL 2. Petri 2,16; Apok. 2,2,6, 14—15; seine Schüler wurden Nikolaiten (= Qy jj^3) Apok. 2,6, 14—16 genannt. Schon früh wurde von den Jnden behauptet, daß Paulus nicht dem jüdischen Stamme entsprossen ■ei, vgl. Epiph. hier. 30, 16; vgl. mein Jerusalem u. Caesarea, Berlin 1890, S. 14 f.; zu den Bernerkungen daselbst habe ich noch auf das Sprschkolorit des Paulus, das sich von dem der anderen Evangelien völlig unterscheidet, aufmerksam zu machen. Seine scheinbar rabbinischen Deduktionen sind nicht spezifisch rabbinisch, sondern alexandriniacfa. Ob seine Abstammung aas Tarsns nicht mit der Be- ■richnang מן־חד, Weber, in Verbindung steht? Daß die Nennung des ^)j< in Verbindung mit R Meir nicht als Beweis gegen meine Aufstellung gebraucht werden kann, bedarf keiner Erwähnung. Aach Chag. 16 b scheint ein Gespräch mit antichristl. Inhalte1 mitgeteilt za sein.. *) Tos. Meg. 11,7; B. k 119 b. Babel und Bibel und Verbalinspiration. Eine im Streit übersehene Frage. (Schluß. 1 Bezüglich aller dieser Annahmen läßt sich vom höchsten Gerichtshof in diesen Dingen, von der Kant’schen Kritik der reinen Vernunft aus, kein Urteil für und wider fällen. Es wird zu allen Zeiten Menschen geben, denen der Gedanke der Verbalinspiration Bedürfnis ist und die sich ein dauerndes Verhältnis zur Gottheit auf anderer Grundlage nicht denken können; es werden andere in dem Gedanken einer durch Menschen aufgezeichneten Urofienbarung nichts Widersinniges finden, zumal sie dann sich bemühen können, Göttliches oder Menschliches in der Schrift zu unterscheiden; es werden andere in der Natur, der Geschichte und dem Schrifttum der Gesamtmenschheit Gottes mittelbares Wirken andachtsvoll belauschen und den Gedanken alles übernatürlichen Eingreifens der Gottheit entbehren können, ln manchem Menschen werden sich diese Anschauungen vermischen. Manche Zeitalter sind der einen, manche der anderen geneigt. Nur gibt es keine Möglichkeit, für die Ewigkeit oder auch nur auf Jahrzehnte hinaus das Vorherrschen einer solchen Richtung zu bestimmen. Es können Umstände eintreten, welche zu einem Wechsel zwingen. Erinnern wir uns an den Napoleonischen Druck, welcher dem Deismus und der Aufklärung zu Gunsten des Kampfes für Vaterland und Altar ein Ende machte und eine strengere Richtung herankommen ließ. In demselben Augenblick, in dem man die Religion schwer wird geschädigt sehen und" in dieser Schädigung weitere Gefahren für die Gemeinschaft bemerken wird, tritt ein solcher Wechsel stets ein. In dem Augenblick, wo wiederum der freiheitliche Geist durch religiösen Druck sich gehemmt sieht, vollzieht sich wohl oder übel die Wandlung nach der entgegengesetzten Seite. Dann es spielt nicht nur der Geist, sondern auch das Gefühl der Zeit dabei eine große Rolle. Die größte Kraft haben immer die beiden folgerichtig durchgeführten Gegensätze bewiesen: Die unbedingte Annahme der ganzen Offenbarung oder die unbedingte Leugnung derselben. Was in der Mitte liegt, stellt sich schließlich als haltlose Halbheit heraus, weil darin der Willkür zuviel Spielraum gelassen ist. Wie Delitzsch gezeigt hat, ja, wie er durch geschickte Hervorkebrung scheinbar unbedeutender biblischer Widersprüche andere hat dartun und gestehen lassen, ist die Verbalinspiration auf dem größten Teil der biblischen Schußlinie preisgegeben worden, der Freisinn macht sieghaft auch auf strengere Kreise seinen Einfluß geltend, und diese ziehen sich mehr und mehr zurück. Die Aufdeckung dieser Tatsache wird die Einen zu großem Siegesjubel, die Anderen zur Einkehr in sich selbst veranlassen. Ob eine klare Absicht oder ein unbewußtes Gefühl Delitzsch zu solchem Vorgehen veranlaßte, ist gleichgiltig. Schon in meiner auf den vorjährigen Vortrag bezüglichen Schrift ״Babel und Bibel oder Babel gegen Bibel?“ habe ich, wie oben

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