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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 18. (1903) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 18. (1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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mm Kleiderzeug, sondern auch anderweitig, zum Schutze gegen Erkältung, auch zum Verbinden von Wunden gebraucht1 *). Bekannt war der Flachsmarkt zu Pumhedita*). Von Flachsarten werden erwähnt: der pelusische,3) indische4) und der grobe römische5). 3. Nicht so abgeschlossen von der Außenwelt, auch nicht 80 völlig passiv wie das Weib in Griechenland lebte die Hebräerin; sie nahm vielmehr mit dem Manne den regsten Anteil an der Ausgestaltung des häuslichen Lebens und Glückes — energisch wehrt Sara den verderblichen Einfluß des wilden Ismael von ihrem Isaak ab (Gen. 21,10); Rebecka darf, da es sich um die Wahl des Gatten handelt, von ihrem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machen (Gen. 24,58), auch als Mutter greift sie mit voller Tatkraft ein, ־da es sich um das Lebensglück ihres Lieblingssohnes handelt (vgl. Gen. 27, 5 ff.) und mit Rahel und Lea bespricht Jakob sein unhaltbar gewordenes Verhältnis zu Laban (Gen. 31,4 f.) — in Griechenland galt das Weib bloß als Erhalterin des Geschlechts, während es in Israel dem Manne als Helferin, als die Starke des Hauses, als Mehrerin des häuslichen Glückes (vgl. Spr. 31,10 ff.) zur Seite stand. — Neben der Sorge für das leibliche Leben war Spinnen6) und Weben7 *) die Hauptbeschäftigung der Hebräerin, eine Beschäftigung, der sich auch die Vornehmsten nicht entzogen,*) der sich kein Weib und wäre sein eingebrachtes Heiratsgut noch so groß gewesen, entziehen durfte9 *). In jedem Frauenzelte waren Spindel und Spinnrocken zu finden. Die Spindel1<f) bestand aus einem Stäbchen11 *), welches an der Spitze mit einem Haken19) zum Festhalten des Fadens versehen war. Sie wurde mit einem metallenem Ringe13 * * *) (Wirtel, verticulum) beschwert, wodurch das Drehen erleichtert wurde (Fortsetzung folgt.) ,)־Tos. Sabb. 4,8; T. Kil. 5E.: J. Sabb. 8c; Flachs in den Ohren, J. Sabb. 8 b. *) B. m. 18b. יפלוסק ף joma 8, 7, vgl. Pi. 1. c. 19,1. 4)הנדדן, Jom» 3,7. s) כיתנא חמאה. Ket. 61b. *) טזה- Ex• 36,25; יסטוה Oesginnst, ib. v. 25; ינוץ J. Kil. 82d; אול, Ez. 27,19; יעןל J. A. s. 89c; מעןלא (arab. magzal, Spindel), Oeepinnst, J. Sabb. 10c; איןלא, dass. Er. 28b; מעוילא. Spinner, auch Weber, Koh. r. s..v. מזר מצר;אל חבר,ל, Sota 6b.; J. Sota 20c. 7I ארג• Jes. 19, 9; אוח, Weber; אחנה das Weben, Sanh. 48a; ארע, Oe webe, J. Kil. 82 d; סחי Sabb. 58 a; קלע, flechten, weben, Sabb. 64a. *) 2. Sam. 2,18; Apg. 9,89; Esr. ap. 4,17. ף Ket. 6,6. *לך (י®, Spr. 81,19; Koh. 12,4, eigentl. Stab; 2. Sam. 3,29, in Arbela {בדן genannt, Tos. Pea El; אשויא, Kel. 21,1. מש ("י־. Kel. 9,6. **) צנירא• Kel. 18,6. יקה (יי®, Kei. 11,6; פ' של מש• ib. Babel und Bibel und Verbalinspiration. Eine im Streit übersehene Frage. Man sollte annehmen, daß die Babel-Bibelfrage nun gerade genug die Geister erregt hätte. Eine Zeit lang ließ man sich die Sache gefallen, soweit sie weiteren Kreisen neu erschien und dieselben dadurch aus ihrer Ruhe gerissen wurden. Aber es gibt tiefere Gemüter, die die Tragweite einer solchen Bewegung erst nach und nach empfinden, die sich nachher durch die eintretende Stille nicht einwiegen lassen und sich genötigt sehen, ihre Empfindungen nachträglich in aller Entschiedenheit zu äußern. In Vertretung vieler anderen Schriften wollen wir hier nur eine der eigentümlichsten unserer Betraebtung zu Grunde legen.*) In fremdartigen Wendungen, die von streng biblischem Geist und von echter Altgläubigkeit zeugen sollen, aber vielfach einen schwärmerischen Eindruck machen, gibt Dr. Egbert Müller die Auffassung kund, die er von der Delitzschfrage gewonnen hat. Mit Staunen lesen wir, daß dieser fromme Schwärmer alle Delitzsch’scben Behauptungen als Tatsachen ansieht. Er sieht die Widerlegungen, die man von verschiedenster Seite versucht hat, als Selbsttäuschungen an; man will die Wahrheit zurückdrängen, sich selbst in eine Täuschung hineinjagen. Die Kirche hat zu lange den Satan geleugnet, der nun ungestraft und ungehemmt in der Verbreitung des Leugnungsgeistes sein Werk treiben konnte und die Geistlichkeit selbst der Glaubensstrenge entfremdet hat. Diese Welt gehört nun einmal dem Satan, nicht aber die höhere, die Glaubenswelt. Die ist davon unabhängig und kann durch das Für und Wider der Quellenforschung, ob sie berechtigt oder nicht, unmöglich berührt werden. Der Mensch soll aber alles Irdische, wenn er auch darin wirkt und es mitgenießt, betrachten, als wäre es nicht sein eigen, sondern über die Satansweit hinaus zur Heiligkeit der über satanischen Welt streben. Der Grundgedanke der sonderbaren Schrift ist der: Erkennet an der unwiderlegbaren Wahrheit der Delitzsch’schen Ergebnisse, wie machtvolle Versuche der Satan zur Beseitigung nicht nur des alten, sondern (das ist lehrreich!) auch des neuen Testaments zu Wege bringt und bekehret euch zum höheren Offenbarungsglauben. Weshalb uns mit solchen Schriften abgeben 7 möchte mancher fragen. Ich hätte dagegen nicht übel Lust, noch andere Laienschriften hier zu besprechen, so z. B. ״Politik der technischen־ Stände: Zerstörung der Bibel nach Professor .Gunkel’s Sagen der Genesis. Erledigung der Streitfrage Babel und Bibel und Bibel und Babel. Charlottenburg, Born, Ingenieur“. Hier erkennt man das im Volk ruhende Bedürfnis nach Sicherheit des Glaubens, die Furcht, es könnte durch die Arbeit der Gelehrten ihm sein heiligstes Gut geraubt werden, woran die Massen *) Müller, Der Babeliamus, der Kaiser und die orthodoxe Theologie. Berlin, Stuhr, 86 S., 1 Mk.

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