Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. 17. (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492408-6582199-8757977--3164-4858333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
stehenden Hauptquellen gemeint and dieselben stark unterschätet- Wie sehr Clemens, Irenaus, Epiphanias, Eusebius die Gnostiker gehaßt haben — ganz and gar -verzeichnen konnten sie deren Gestalten nicht. Man hat daraus von Mo»- heim bis Harnack sich doch recht klar die Bahnen des gnostischen Gedankens darlegen können, und es wäre erwünscht geweeen, wenn Verfasser die Kenntnis dieser Lehren nicht so sehr vorausgesetzt hätte. Der Weg, der von einem Simon Magus bis zu Valentinas fährt und von da bis zu Marcion, hätte sich zur ־entwickelnden Darstellung sehr geeignet, and wie gerne hätte ich die Valentinianischen Lehren in diesem Rahmen gesehen! Was Verfasser statt dessen aus gnostisehen Quellen dem Valentinas zuspricht, hat er wieder entschieden überschätzt, und es ist sehr fraglich, ob seine Leser diese Hymnen und Lehrstücke als den Gipfel der Gnosis ansehen werden. Die Laienwelt wird darum weniger Vorteile aus diesem Buche ziehen, als der Kenner, der doch immerhin eine Fülle von Einzelheiten daraas־entnehmen wird. Für die Kenntnis des zeitgenössischen Judentums hat Verfasser nicht zu viel geboten. Daß die ״Rabbiner des Südens“ die Essäer des Josephus sind, steht ohne Quellenangabe S. 77 zu unserem Staunen da, und R. Ismael und sein Kreis kann sich dafür bedanken. Sollen Stellen wie Ber. 7 a und אלה אזכרה etc. טחר ד ישמעי dazu die Quellen sein? Davon sagt Verfasser Nichts. Dagegen ist die Schilderung Alexandriens zu breit für den Plan des Ganzen, das Wort ״Juden und judenähnliche Leute sind allenthalben wo Handel getrieben wird“ za knapp für die Bedeutung der alexandrinisch-jüdischen Gemeinde; erstaunt lasen wir S. 87 von der (glücklich aus der Geschichte beseitigten) Omapschen Bücherverbrennung als Tatsache; S. 96 sollen ״die (alexandrinischen) unduldsamen Gläubigen ihre Lehre eifersüchtig Vor den Heiden bewahrt haben.“ Kennt Verfasser die Septuaginta mit ihren igyptsrfreundlichen Textesänderungen? Verraaser weiß auch, daß (96) ״die alexandrinischen Rabbinen als das Licht Israel» galten und Jahrhunderte lang den Mittelpankt des jüdischen Denken» and Wissens* bildeten; Vielleicht aus Succa 51, Nidda 69 und ähnlichen Stellen? Die kennt Mead kaum und sie besagen eher das Gagenteil. Die Beziehungen der Gnosis zur talmudjsehen Geheimlehre hat Verfasser kaum angedeutet. Und die Kabbala? An Asilnth, Jezirah, Beriah, an die Soharstelle Anfang כי תצא> an die großen-Männer, die von צד קין oder JSTO abstammen, an die an Basüidea erinnernden קליפות, an פגימת לכנה, an die 10 Sphären, die 49 Tore der Weisheit und Unreinheit, die Siebenzahl der יבג׳ד כפר״ת die 82 Weisheitsbahnen des Herzens (ל*כ) mahnt jede Seite der Gnosis. Dabei ist das Bach eine beachtenswerte Erscheinung. Der ernste Wille des Verfassers, die Schattenseiten unserer Zeit durch höhere Erkenntnis beseitigen zu helfen oder gar als Vorstufe zu derselben ansasehen, heischt entschiedene Achtung. Das Judentum hat allen Grund, eine Beleuchtung der Gnosis zu wünschen. Ihr verdanken wir den ״Stammesgott der Bache", den neuerdings Delitzsch wieder erweckt hat, ihr die Verachtung des ״Gesetzes“, wie Alles, was die Kluft zwischen Judentum und Christentum erweitert hat. Ehrenrettangnn der Gnostiker braucht man heute nicht mehr, wohl aber eine klare Beleuchtung, wobei der Verfasser selbst Rahe und klaren Blick sich wahren muß. Preaß. Stargard. ~ Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. Dm Lohe■ Jesu, nach jüdischen Quellen herausgegeben and erläutert von Dr. Samuel Krauß. Berlin, Calvary & Co., 309 S. Erinnern wir aas noch des unleserlich geschriebenen, abgegriffenen Heftchens, welches versteckt von Hand zu Hand ging und mit ^**«*״ Enträtselung man sieh stark quälen mußte? Welche Anfeindungen es dem Judentum eingetragen hat, wiesen wir Alls. Für das Machwerk mittelalterlicher, gequälter Juden gehalten, wurde ss ia unserer ■gegen Mitte nicht eehr gsaahitit, und am liebsten hätten wir es ven uns abgeschüttelt Hier tritt ea une in einem etattliehen Bands als Gegenstaad m teasjunhefHinhsr Untersuchungen entgegen Die erste Abteilung enthält die Texte. 16 verschiedene Handschriften haben dem Verfasser vorgelegeD, von den in Bibliotheken vorhandenen, bis zu den verschiedenen Fassungen im Einzelbeeitz, die ihm abgeschrieben wurden. Oxford, Straßburg, Jemen, die Bucharei, die Genisa in Kairo haben u. a. dazu dienen müssen, die Einzelheiten und deren Verschiedenheit festzustellen. Eine Uebersetzung erleichtert dem Leser den Einblick. Schon bei Justin und Eusebius findet Verfasser Spuren vom Vorhandensein des Toldoth Jeschu; bei Tertulian findet sich die Angabe, wie Jesu Abstammung, seine Sabbatentweibung, wie die Auferstehung von Juden erklärt wird; bei Suidas stimmen Maria’s Aussagen mit der Toldotherzählung einigermaßen fiberein. Agobard von Lyon kennt ein jüdisches Werk über das Leben Jesu, ebenso Hrabanus Maurus von Mainz, und bis zu Wagenseil und Wülfer werden hervorragende Männer wie Luther, Sebastian Münster und Johann Buxtorf dazu in Beziehung gebracht. Voltaire leitete das Toldoth aus dem ersten Jahrhundert her, Viktor Hugo stellte es neben Bibel, Koran, Zeudavesta und Talmud, Mendelssohn und Grätz urteilen geringschätzig darüber. Die Neueren bringen ihm mehr Vertrauen entgegen. Krauß sieht in dem Büchlein allerdings den Wiederschein jüdischer Anschauungen über die christliche Urgeschichte, aber seine patristischen Forschungen haben ihn zu der Ueberzeugung geführt, daß nicht jüdische Erfindungen den Inhalt ausmachen, sondern daß die außerkirchlichen Evangelien, ja, die gnostischen Schriftsteller den Stoff dazu geboten, Hegesippus, Talmud und Midrasch darauf eingewirkt haben. Der Koran und die Karäer, welche letzteren öffentlich davon Nichte wissen wollten, werden auch herangezogen. Wichtig ist u. a. die Kreuzauffindungslegende, die Verfasser in der Wiener Toldothhandschrift gefunden, und die etwa im 5. Jahrhundert in Syrien entstanden ist. Diese Legende hat, wie Verfasser meint, zur Abfassung des Toldoth die Veranlassung gegeben. Wenn Krauß auch die Entstehungszeit nicht fest angeben kann, so nimmt er die Zeit des Hegesippus oder wenigstens die Zeit des hebräischen Josippon dafür an. Diese wenigen Angaben können keinen Begriff von der Reichhaltigkeit der vorliegenden Schrift geben. Verfasser braucht sich vor uns wegen seines Unternehmens nicht zu entschuldigen. Er hat den Stoff ohne Voreingenommenheit behandelt und gezeigt, daß die Verfasser nicht unbedingt die Erfinder, sondern die Empfangenden geweeen. Damit lällt ein Teil der Last den außenhegenden Quellen zu. Wir sehen, daß die Juden christliche Quellen gekannt und benutzt haben, das setzt eine gewisse Vorurteilslosigkeit voraus. Schließlich muß uns jedes Unternehmen dankenswert erscheinen, das über die ersten Jahrhunderte und ihre Denkart Licht verbreitet; dasselbe kommt dem jüdischen Schriftnm der Zeit in hohem Maße zugut, und immer mehr tritt das jüdische Geistesleben in die Wissenschaft und in die Geschichte ein. Wir müssen zeigen, daß wir in Ruhe selbst das Angreifbare in unserer Mitte behandeln, dann wird man uns auch als Verteidigern unseres Schrifttums Glauben schenken. In diesem Sinne sei die vorliegende Schrift bestens empfohlen. Zu beachten I Dr. M. Altsohfiler in Wien IX/2 (Währingerstraße 00), der Herausgeber der ״ Vierteljahrsechrift für Bibelkunde, talmudisohe und patristieche Studien") (Berlin, Calvary Sc Co.), bittet die Verfasser bibel-wissenschaftlicher und talmudiacher Werke um Nachrichten über deren Erscheinen, damit er die Bibliographie in seiner Zeitschrift vollständig bieten kann. *) S. unsere Besprechung io No. 15 und 16. Inhalt der Renner 17• WlsseaeefcafUicbe Aufsätze: Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Berlin. (Fortsetzung.) — Die Bibelkritik auf der Umkehr. (Schluss.)— Utteranrbertokt Rezensionen: Mead,Fragmente eines verschollenen Glaubens. Von A. von Ullrich. — Das Leben Jesu. Von Dr. Samuel Krauß. — Zs Verantwortlöher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preussisch Stargard. Druck ven Arthur Scholem, Berlin.