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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 14. (1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 14. (1903)
Date
1903-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 14. -1903. Jüdisches Jahrg. XXVII. Litteratur-Blatt. Zur Beleuchtung aller Judentum und Juden betreffenden litteranschea Er- ■cheinungen auf dem Gebiete der Philo• sophie, Geschichte, Ethnographie, Theologie. Orientalia, Exegese. Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Von Rabbioer Br. M. Rahmer in Magdeburg. Verantwortlicher Redakteur i. V.: Rabb. Dr. L. A. Rosenthal in Preussisch Stargard. Verlag uod Expedition: Arthur Scholem, Berlin C., Ross-Strasse 3. Bücher der einschlägigen Litteratur, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wi d, sowie Briefe und Manuskripte sind an die Redaktion, Inserate u. Beilagen an die Expe• dition frknc.o einxusenden. Raba»r'» ״iOilsches Utteritor - Blatt“ erscheint moftttlldh zwei Mal und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei! direktem Bezüge durch Arthur Scholem, Berlin, Rossstr. 3) vierteljährlich •lee Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״JsrMlttfsek•• MfttllMMfcrlft*• welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— ■- kostet, erhalten das ״jüdische Litteratur-Blatt‘ als flratls-Beilage. — tmaraft• werden mit 20 pt». die viergespaaten* Zeüe berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe! ״Aus Rahmer's JQd. Litteratur-Blatt“ gestattet. Alle Artikel und Recensionsexemplare, welche für das ״Litteraturblatt“ bestimmt sind, bitte ich bis auf Weiteres an mich senden zu wollen. Preussisch Stargard. Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Kosenzweig, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin. §1. Einleitendes. Die Kleidung in ihrer ethischen, praktischen, symbolischen und ästhetischen Bedeutung. Allgemeines über die Kleidung und Wertschätzung derselben beiden Juden. 1. Die Kleidung des Menschen ist das Produkt des erwachten Menschenbewußtseins, des Milieus, das den Menschen umgab und des Kulturstandes der einzelnen Völker. Mit dem erwachten Selbstbewußtsein des Menschen, d. i. mit der •Erkenntnis desselben, ein anderes, mehr als ein Tier zu sein, stellte sich auch das Bedürfnis ein, mittelst einer Hülle alles, was dem Tiere gleichstellt oder auch nur an das Tier erinnert, dem Anblick zu entziehen. Sinnig, zugleich aber auch mit feiner Ironie stellt dieses jenes bedeutsame Kapitel der heiligen Schrift dar, welches eine Illustration des erwachenden MenschenbewußtseiDS genannt werden darf — dem trügerischen Versprechen der Schlange: ״ihr werdet wie Götter sein!•1 stellt entgegen das Schril'twort als Folge des Genusses von der verbotenen Frucht: ״da wurden geöffnet ihre Augen und sie erfuhren, daß sie nackt sind und sie flochten Feigenblätter und machten sich Schürzen“ (Gen. 2, 7); Götter sollten sie werden, nun mußten sie aber erfahren, daß sie nicht einmal Menschen waren, da sie sich im Zustände des Tieres, in Nacktheit befanden. Mit dem aufdämmernden Erkennen ihrer selbst Brwachte zugleich das Schamgefühl und das Bedürfnis, das Nackte zu verhüllen.') Schamhaftigkeit ist die Folge der Erkenntnis menschlicher Unzulänglichkeit, die sich über sich selbst getäuscht hat; Schamhaftigkeit entsteht auf dem Wissen von sich selbst, dem er- - wachten Gewissen, dem Schioklichkeits- und Sittlichkeitsbewußtsein. ״Sie flochten Feigenblätter und machten sich Schürzen!“ Die breiten Feigenblätter, mit denen die ersten Menschen ihren Unterkörper bedeckten, bildeten den ersten Ansatz zur Bekleidung. Der Hüftengürtel ist das ursprünglichste Stück dermenschliehen Gewandung. Wie die Pflanzenwelt dem Menschen die erste Nahrung bot (vgl. .Gen. 1, 29), so gewährte sie ihm auch die erste Kleidung. 2. Die einfache Hülle, die das erwachte Sittlichkeitsbewußtsein forderte, konnte dem Menschen nicht lange genügen. Wie ein Soheidegruß aus dem־ verlorenen Paradiese klingt das Wort der Schrift, mit dem eine neue Phase für die Entwicklung der Bekleidung angedeutet wird: ״da machte Gott dem Menschen und seinem Weibe Röcke aus Fell und er bekleidete sie“ (Gen. 3, 21)2). Gott hat den ersten Menschen das Kleid gemacht. Aus Gott stammt die Sittlichkeit. Die Bekleidung ist eine göttliche Institution. Sie ist das Kennzeichen des sittlichen Menschen. Der Mensch hatte das Paradies verloren. Auf ihn stürmten ein die Unbill der Erde: die rauhe Witterung, die Not des Lebens. Wie die Witterungs- und Ernährungsverhältnisse in den verschiedenen Zonen die Bildung der Menschen, ihre Art zu denken, zu leben beeinflußte, so übten sie auch auf die Art der Bekleiduiig den nachhaltigsten Einfluß aus — sie weckten den praktischen Blick für die geeignete Kleidung. Einer anderen Kleidung >) Tiefer und versittlichender ist jedenfalls die Darstellung der Schrift, die auch der psychologischen Erfahrung entspricht — das Kind schämt sich, sobald es sein Ich von dem Nichtich scheidet — als die naturalistische Ansicht (vgl. den Bericht über die Naturforscherversammlung zu Hamburg, Vossische Zeitung, Abendblatt, vom 26. September 1901), daß nicht das Schamgefühl, sondern der Wunsch, sich zu schmücken, die Frau veranlaßt bat, einen Lendenschurz zu tragen. נ) Vgl. Diodor. Sic. I, pag. 48, 2,37; Lucian, Amor. 34, woselbst die Tierhaut das älteste Kleid genannt wird.

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