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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-12-23 · N° 52. (23.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 52. (23.12.1892)
Date
1892-12-23
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Jüdisehes -B ia 11. Zar Belacktaa* aller Jadmtha■ ■Bd Jadea betrtffeaden llttararlackea Er- •ekaluaairra aaf den Gebiete der Fklloeeekle, Seeeklekte, Etkaograpkt«, Tkeelecte, Orieatalla, Exegeae, HnnUetlb, Utargtt 1. Pidagogtk. Herausgegeben Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. *SflZaqdtfnt.zy, den 23. S)ecetu6׳et 1892. B8«k«r 4#r diNUifit«• LIttiritir, wililt 4«r ENntfi« »■t—■« wirtw! fo4aa 1■ «MM Blatt« 4• lirnto■!. B*l Bmn4ih m 1v«l liiiitw» Ek0b|1si• 1rftl|t «teiMltff• karm QratI0*laMrtto•. P*8 «׳^ödlsche Litteratnr-Blatt44 erscheint wö chentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen * Buohhanrtliingem *b ipzig bei Robert Friese pro Jahrgang 8 Harke Abonnenten der di e vierteijahrlieh bei allen Postans alten and Buchhandlungen 8 Huk zahlen, erhalten dafe ״Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. I nserate werden mit 25 Pf. ,für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Hark, berechnet and sind an die Expedition die!©* Blattes an sende■. Bachhftndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robejrt Friese Inserate einsenden, erhal'en 25yC Babett. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Beliti fcaadia's. (Schluss.) — Die Namen Jeth.ro’8. B. Königsberger- L it te raturbericht: Receusiou: Goldscl midt, Lazarus. Das Buch Henoch aus dem Aethiopischeu in die ursprünglich hebräische Abfassungsspracbe zuruckübersi itzt- — Fu nk, Sal. Dr. Die,haggadischen Elemente in d(!n Homilien des Aphraates, des persischen Weisen. Litter Arische Notiz. — Li tterari sehe Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet;icnsphilosophie (Schluss.) Von Die Religionsphilosophie Saädja’s. (Schluss.) Auf breiter Grundlage folgt nunnjehr in zehn ausführlichen Abschnitten die planmäs^ige systematische Begründung der jüdischen Lebte. Nur die beiden ersten hat er den metaphysische ג Fragen gewidmet, die andern sind mehr dogmatisch-ethischer Natur. Der erste Abschnitt gilt dem Beweis, dass die Welt und ihre Wesen geschaffen sind. Nur durch die Vernunft, nicht durch Binneswahrnehiuuug sei das ErschafieL-Sjein der Welt beweisbar. £ie ist weder anfangslos, wie Aristoteles wollte, noch eine Doppel- Schöpfung zweier Urwesen im Sinne dtr Manichäer, sie ist auch nicht aus einem Etwas entstanden, wie etwa aus dem Urstoffe der Platonisten. S:hon in dem biblischen Worte ברא liege der Begriff des Erschaffen-Seins aus Nichts. Noch wenig!r haben die Dinge 8ioh selbst geschaffen. Auch Ewigkeit komme ihnen nicht zu wie dem Schöpfer. Somit hält Saadja an drei Glaubenswurzeln fest, nämlich de89 die Dinge geschaffen 8iud, dass das Schaffende ausser den Dingen liegt, and dass die Dinge aas Nichts gesobpffen wurden. An der Hand dieser Grandsätze geht jr dann die Ansichten der griechischen Philosophen vom atouiistisohen bis zum platonisch - aristotelischen und skeptischen Systeme durch, um sie durch Vernunft- und Schriftb eweise zu widerlegen. Sohoi Philo hatte sich bemüht, die Ergebnisse der griechischen Philosophen mit cAu Ideen des Judenthums in Einklang zu bringen. D1N Resultate der säadjauhohen Philo- Sophie sind aber Vtptz der Annahme mancher Beweismittel früherer Ph1An׳phen durchaus ihn eigeDthümlieh and ConsequenM^ seiner Ueberzeugiug. Es kommt ihm Verfolg der t ntersuchuug darauf an, im zweiten Abschnitte den Glaubenssatz \on der Einheit Gottes durch Vernunftbeweise zu erharten. Er wendet sich gegen das Christsnthum and führt gegen die Dreifaltigkeit61ebre desselben an, dass sich neben Gott nicht nooh etwas als Gott, neben dps Unkörperliohe and Zeitlose nioht etwas Körperliohes und Zeitliches stellen dürfe. Was zeitlioh sei, sei etwas Geschaffenes, wie aaoh der Geist Gottes, da» Wort Gottes Geschaffenes seien. Saadja weist darauf bin, dass die Christen aus Unkenntniss des Hebräischen, in welohem ״Nefesoh“ sowohl als מSehern“ nur bildliche Ausdrücke sind, zur Personifioirung von Abstraotionen verführt seien. Feinfühlend erkennt er den bilderreichen Geist der hebräisohen Sprache heraas, während ja im Gegensatz za ihr die Plastik 'der griechischen den Personifioationen Vorsohab leistet. Er| lässt es sich angelegen sein, in der Widerlegung def verschiedenen Auffassungen von dem Wesen des christlichen Religionsscböpfers die Unvereinbarkeit der Natur desselben mit dem Wesen Gottes za erwessen. Gott könne sich nioht in einen begrifflichen/ leidenden Menschen verwandelt, die Natur seines Gesepöpfes angenommen haben. Ebenso ausführlich wird Gottes Wesen an den zehn aristotelischen Kategorien zur Darstellung gebracht and geaeigt, dass dieselben sich aaf Gott nioht anwenden lassen. Wie sebjr hat sich hier Saadja’s Urtheil seit jenem Jagendwerke geläutert! Auch den aus dem vermeintlichen Zwiespalt der Natur gefolgerten Schöpfer-Dualismus def zoroastrischen Lehre, die empedokleisohe Ansicht vor) den Elementen and ähnliobe Theorien floht er ausi dem gleichen Grande au. Der Ertrag seiner Un iersuopung ist, dass die Welt einen Sohöpfer hat, der sie I aus Nichts bervorbraohte, unkörperlioh, einzig, lebend, allweise und allmächtig ist, weder Substanz seid kann nooh Aceidenz, sondern frei ist von den Kategorien des Baumes, der Zeit uad der Nothwendigkeit. | Der dritte Absohnitt handelt von Gesetz und Offenbarung. Die Gesetze theilt Saadja in rationelle und kategorische Vorschriften und unterscheidet in der Ges&mmtheit der Religionsschriften, wolohe alle den Zweok der dauernden Nützlichkeit haben, Erzählangen ans der Vergangenheit, Vorschriften and- Belohnungen für ihre Befolgung. In diesen Sobriften. werde nioht nur der Rath ertheilt, sondern aaoh der erthailte Rath als vernünftig begründet and an Bei- ,spielen gezeigt, wie der Rath za befolgen sei, and welcher Lohn dafür zu Taeil wirJ. Diese, nicht nur das Ganze, sondern auch jeden der Theile durah- ־־ dripgeude sachliche Disposition Saadjas lässt ans sein ,־ . Werk reoht wie aus einem Gusse erscheinen. Von dem׳ Gesetz geht er aas und endet mit dein Gesetze. ״Uu-^j־ sere Nation“, sagt er, j,ist nur ihrem Gesetze naoh.'j

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