Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 51. (16.12.1892)
- Date
- 1892-12-16
- Page
- Seite 222 (sequence 5)
- Language
- German
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״׳11׳;מ,1•׳••: ־— 202 — Namens ״Pntiel“ anlangt, 80 ist sie -mit Hilfe des Aegyptieehen an erairen. Nach Brngsoh, Oesob. Aeg״ S. 248 bedentetPuti ״Geschenk“; demnach Patiel ״Geschenk Gottes.'1 Ebers (Aeg. n d. Bäoh. Mos 1,295 ff) erklärt aber den Namen 5פר "tOIB Pe.ti-pa(pha) •ra durch ״hingegeben demPhra (Ba), d. Sounengotte.“ Man hat auch Pharao, was jetzt cnmeist daroh ״hohe Pforte“ übersetzt wird, früher dnroh pa-ra ״Sonne“ erklärt (Bossellini, Monnro. storioi 1,117. Chabas, Papyr. magiqoe Harris 173. 228.) Alsdann wäre פוטיאל gleiohbedentend mit ״Gott ergeben“, wie Jethro nach ״seinem Uebertritt genannt worden sein mag; vgl. N ao hmanides zu Nam. 10, 29. — Vgl. noch N estle, d. israelit. Eigennamen, S. 111 A. 1, wo die durch Ge- Benins Angabe, פוט bedeute im syr. Aph. ״verachten, betrüben * (davon ״ פוטיאלden Gott betrübt“) für פוטיאל verworfen wird, da es im hebr. kein פוט gebe. Zu Nestie’s U.nweis (S. 110 nach Lepsius u. A), dass auf einer vornu-aisohen Inschrift aus der 17. Dynastie Petbaal, ferner TOte-aaOapOr; vorkomme, bemerke ich noch, dass der Syrer Putiel als einen der ״Duoram virorum qni altero die cum Mose litigabant“ bezeichnet.“ פיטיאל Lev.' st im Syr. auch ״Pech“ (״Neger“? Vgl. Sau th ZD-tng. XXV, 139and Nestle a. a. O. S 112 Anm.) Doch dürfte dieser Name anders zu erklären sein. Potiphera (LXX: rzsxe^pffii kopt: Petepbre), das. J ab lonsk i Opn-c. 205f, s. v. durch ״pater regis“ erklärt, bedeutet meiner Meinung nach nichts Andres, als ״Auge Pnarao’s.“ So ist auch in den Hieroglyphen von dem Polizeiminister die Bede, mit der Bezeichnung ״die zwei Augen des Bönigs von Ober-Aeg., die 2 t'hren des Königs v. Uuter-Aeg.“ Man vgl. auchHerod.il, 114, wo Cyrus einen seiner Spielgenossen dpüaApiv paaiXeioj ״Auge des Königs“ sein lässt. Also ״ פיטיפרעLicht, Auge des Königs (Pharao):“ Dadurch gewinnt unsre midraschische Erklärung des Namens פוט*אר an Halt, der demnach nichts andres bedeutet, als ,,Auge, Licht Gottes <,נריד>.“ (Ich bemerke noch, dass אל resp. אלדים dem ägypt. äonnengotte Ba entspricht. (Näheres in meiner Schrift: Zur [einheitlichen] Redaction des Pentateuch). - (Schluss folgt.) Recensionen. Werther, der Jade. Moderner Boman von Ludwig Jacubow8ki. Berlin. Max Hofischläger. 350 ä. Nichts ist gefährlicher, als wenn ein Mann mit hervorragenden Talenten die Bahnen des Irrthums betritt; je grösser seine Talente,, desto grösser der Schaden, den er anrichtet. Herr Jacabowski hat eine nicht gea ähnliche Fähigkeit sowohl der Beobachtung als auch der Darstellung; er versteht spannend und stimmungsvoll zu erzählen; freilich ist der derbe Bealismu8 mancher Schilderungen nicht Jedermann’» Geschmack, nnd jedenfalls nicht nach dem Geschmack 1 honetter Frauen; indes solche Derbheiten sollen, wie man sagt, das Kennzeichen der Modernsten sein, die das Feigenblatt in der Litteratur als einen ״überwandenen Standpunkt“ betraohten. Es ist nicht za sagen, was heat za Tage ein Schriftsteller sioh zu sagen gestattet. Sollte Herr Jacabowski später einsehen, was wir• lebhaft hoffen and wünschen, dass j diese allzu derben Aensserangen Fehler sind, so wird es ihm ein Leichtes sein sie za vermeiden and seine! grossen Vorzüge •werden reiner za Tage treten. Aber j die schwersten Bedenken haben wir gegen die Jaden, die der Autor sohildert, und gegen seine Meinung als wurzele der Judenhass tief im deutschen Nationalgefühl. L. Jaoubowski hat ein Buch geliefert, dass in der Bibliothek keines Antisemiten fehlen sollte, um ihn in seinen Vorurtheilen zu befestigen. Wir glauben gern, dass Jacabowski ein solohes Baoh nioht hat sohreiben wollen; aber was uns vorliegt, ist eine entsetzliohe Anklage gegen die Juden; der Vorwarf, dass wir Brunnen vergiftet haben, ist geriugtiigig, gegenüber diesen Anklagen, dass wir die .Seelen vergiften, dass wir die blonde germanische Unschuld iu den Tod jagen, dass wir Waisen und Greisen ihre paar Groschen aus derTasohe spielen. Wenn die Jaden nioht besser sind, als Herr Jaoubowski sie uns sohildert, dann ist der Bektor Ahlwardt ein Engel; und was das Bedauerlichste an diesen Schilderungen ist, sie sind formell keineswegs misslungen, sie sind weder langweilig noch geschmacklos. — In dem Mittelpunkt des Interesses 1 steht ein junger Kau iidat der Philosophie, einige uc l zwanzig Jahre alt. Das ist in Bomauen meist ein Menschenschlag, so idealistisch, dass eia gewöhnlicher | Sterblicher gar nioht herankann. Auch dieser junge Wolf (der seinen Namen mit gutem Grunde führt) erweokt Anfangs die besten Erwartungen; er ist bei! seinen Kommilitonen beliebt, er hat die Freundschaft : hochachtbarer Mäauer ua l er redet die Menge von : seinem Streben durch tadellosen Waudel das Judenthum za Ehren zu bringen; aber in Wirklichkeit ist | ein gemeingefährlicherer Lump wie dieser Wolf gar nicht denkbar; mit solchem Raffinement die Unschuld zu morden, wie es dieser Wolf unternimmt, dazu gehört freilich Billung; wenn etliche solcner Wolfs unter den Berliner Studenten herumwau lein, Menschen, deren unreines Verlaugeu nur dann gestillt ist, wenn sie die Reinheit und Unschul 1 iu 111 re Fallen locken, dann wären die . härtesten Massr׳-gelu gerechtfertigt. Der Verfasser scheint zu glauben, sein 5 11׳ sei nojh nicht genug mit Niedertracht behaf.et, wenn er nur der Unschuld nachsteft; er zeigt diesen Hellen auoh ohne Weiteret bereit Familienehre ua 1 Familiengtiick seiner Wohlthäter zu vernichten. Nur gegen betrügerische Geldspekulationen ist er empfindlich; der Vater und der Vetter haben wieder für dieses Genre der Lumperei ein Faible; obgleich der Verf. sie recht unar genehm schildert und sie sogar mauscheln lasst, so sind sie sympathischer als jener Erzlump, der von aller Kultur des Gei-tes, die ihm aut :Schule und Universität geworden Lt, nicht mehr hat als die ״guten Manieren". Dass dieser Tauge 1110nt8 sich am Schluss des Buohes eine Kagel durch den Kopf jagt, kann ans nicht mit ihm versöhnen; er hätte es sogleich am Anfang thun müssen, dass Buch hätte gar nioht geschrieben werden sollen. Es gibt wahrlich noch ideale Kräfte genug im Judenthum, die es verdienen, der deutschen Nation vorgefüurtzu werden; Hr. Jaoubowski würde sioh'ein Verdienst um dieJudea erwerben, wenn er auf dieses Ziel sein Augenmerk richtete. Herr Jacabowski übertreibt auch, wenu er gleichsam in jedem Deutschen einen Judenfeind wittert. Man darf da nioht imVolke gebräuchliche Redensarten sogleich tragisch nehmen Bef. war einmal dabei, wie zwei Christen and ein Jade gemiithlioh beim Skat sassen, aad als der Jade eiu Spiel verlor, sagten sie wie im Triumphe: Da bist verloren wie eine Judenseele. Die Bedeusart ist ja nicht hübsch, aber wurde ganz gedanken- 108 angewendet. Es ist nioht wahr, dass die Abneigung gegen die Jaden* im deutschen Blate wurzelt. Alles ia Allem derVer£ verdient mehr Lob das Baoh. B. B. Verantwort!. Bedacteur Pr. Rahm er. Magdebnrg. Druck: Bjmdiv »Hntm. (1t n. T,. Wolfi) Magdeburg. Verlag; Bob. Friese, Leipzig