Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 51. (16.12.1892)
- Date
- 1892-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/6492408-6575068-9806237--2654-4857575- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
IM #1 Jodisehes laferff. XII. itteiiatur-Blatt. 21r Helmhtnir aller and i«4tn h+Utffo»4«n lUUrarisdiM Kr* •eheluaairra 1«f d«a QafcM« der Philo• eopkfe» OeMhlckt«, Kthaofraphle, Theoloffi». QritaUH*, Kzefcae, Homiletik» IJtarglfc a. Pädagogik. Heraasgegeben!Rabbiner Dr. Moritz Rabiner. 9Raij3e6m^, den 1(3. ®ecetnGet 1892. Häehar Ui riHckliilu• UUnM, nl«k• d.r RUaitlu iiiisiUI md«■! Iidti 1■ dw. Blatt. •tattttaU Hfl Mi■■.. Btt ■mini m ■w.l Buwtt«..» bt.pl«. erfMgt tliwlln k*rm Sr.ticlMtttlM. Das ״Jüdische Lltteratur-BIatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen.׳ Preis bei allen Baohha.ndla.no•■ in Le ipzig bei Robert Friese pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift*, die vierteljährlich bei allen Postens alten nnd Buchhandlungen 8 Bark zahlen, erbalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 86 l'f. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Berk, berechnet'nnd sind an die Expedition dieses Blattes za senden. Buchhändler u. Lehrer, welche diject oder dnrrh Robert Friese Inserate singenden, erhalten 25 1ך Rabatt. Inhalt.: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Religionsphilosophie Saadja’s. (Forts.) —!Jeher den ״Jwein“ HartmaDn's von der Aue. Von Dr. S. Gelbhaue, Rabbiner und Prediger in Prag.!Schl.) — Die Namen Jethro’s. V. B. Königsberger. L i'tteraturbericht: Recension: Werthet, der Jude. Moderner Roman von Ludwig Jacabowskji. 1 ■ - ■ ■ —I .1 - . I - Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet Oie Religionsphilosophie Sajadja’8. 1 Fortsetzung.) Ji. Bagdad kam dem kränkelnden Mann eine Schwermuth an, die ihn spater nicht wieder verliess. Doch zeigt!ein Wirken nichts von solcher Gemüths- Stimmung. Vielmehr schrieb er mit gewohnter Frische und Gründlichkeit talmudische Abhandlungen, poej tanische Stücke, einen Siddur und eine! Kalenderordnung (Ibbur), arbeitete 933 einen Cotnmentar zum 1 ״ Buche der Schöpfung “ aus, beobachtete i a Bagdad eine Sonnenfineterniss am 16. April 934 und vollendete in dem gleichen Jahr seine gleich dem Jezimh-Coramentar arabischen ״Emunot we-Deot“, deren irsprünglicher Titel ״Schrift der Beweise in zehn Absohr itten “ lautete, ln jener Erlänterungsschrift des von einem unbekanntem Verfasser herrührenden und zu ungewisser Zeit entstandenen Scböpfungsbnches hat Saadja [in Anlehnung an die pantbeistisch gedachte und entwickelte Jezirah die Allgt-gen war. Gottes als das Leben utkd das Wissen der Welt aufgelasst. Gott habe alle Ditge mit einer. Lüftet! ömnng durchdrungen, stehe selbst mit der Atmosphäre in unmittelbarer Verbindung, bewege und belebe vermittels dieses Aethers das Weltall. Was in der heiligen Schrift ״Herrlichkeit Gottef“ (Kabod), im Talmud ״Schechinah“, im Buch der Schöpfung ״Geist des lebendigen Gottes“ heisst, sei mit diesjem Luft mittel identisch. Ja vermöge desselben verleihi Gott seinen Auserwäblten Tapferkeit nnd Math, seinen Propheten Begeisterung. Saadja stand nooh zu sehr unter dem Eindruck des Baobes, welches er kommentirte. Dennoch ist diese Gestaltung seiner philosophischen Denk• weise schon ein bedeutender Fortschritt gegenüber einem Jugendwerk•, in weloham er die Zehngebote zu den zehn aristotelischen Grundeigjanheiten der Dinge in Beziehung setzte. Aber er blieb bei 80 an• vollkommenen Versaohen nicht stehen. Wie der Philo• aophPlato in seinen Dialogen eine stetig fortschreitende Entwiokelung seiner Gedankenwelt in im ner wachsender Vertiefung au den Tag legte, hat anch Saadja in stufenmässiger Folge sich von der ihrer Natur naoh negirendeu Polemik gegen die Karäer zuerst an Auagleichsversuchen positiver Art, wenn auch ohne Gewinn für Religion and Philosophie, zu dem Synkretismus ׳ des religiös-sittlichen Dekalogs mit dem logischen ~~ Kategorienschema des Aristoteles, wie zu demjenigen des idealistischen Monotheismus mit einer panthet- »tischen Theorie voh fast heidnischem Ursprung zufewandt, um endlich in seinen״Emnaot we-Deot“ •in eugniss der erlangten Meisterschaft abzulegen. Di• Emunoth gehören, weil sie das erste vollständige System einer jüdischen Religionsphilosophie bilden, zu den Werken von bleibenden Werth. Nooh Bachja ben Josef, welcher anderthalb Jahrhunderte naoh Saadja lebte, sohloss sich eng an Saadja an, and wenn auch Salomo Ihn Gebirol, Jehuda Halevi und Abraham Ihn Esra eigene Wege einschlagen, und der zweite sioh sogar polemisch gegen Religionsphilosophie(Kalam) Und die Mutakallimin und damit indirekt gegen Saadja Wandte, so hat doch noch der drei Jahrhunderte später liebende Maimonides auf dem Fundament saadjauisoher f Ideen weitergebaut, In deu Emunot war zum ersten . Mai innerhalb des Judenthums, wie auch Graetz hervorhebt, inmitten der arabischen Welt ein planmassiges Ganzes, ein in sich geschlossenes Religions- System aulgestellt. Allerdings hatte die mohamedanisoh'e Philosophie schon vor Saadja eine Eatwiokelung and sland eben damals im Antangssiadiam ihrer Blüthe. Seitdem achtenJahrhrudert hatten sich mehrere Riehtungen herausgebildet., unter denen die MatakaUimua ־ oder Kalamisten, gleich Saadja, von der Einheit and Ewigkeit Gottes ausgehend die Vorherhestimmaag Gottes ebenso ‘sehr ׳ ie die Freiheit des meneohliohen '; Willens festhielten und sioh in Bezug aut die göttliehe Gerechtigkeit, Offenbarung, Lohn nud Strafe auf' den Boden des Sohrifttbums stellten, — E. Zeller nennt sie die mohamedanisohen Orthodoxen —, die Mufcaziliten im Gegensatz zu ihnen die Ewigkeit der Materie neben derjenigen Gottee behaupteten und die Vorajbung Gottes auf das Allgemeine beschrankten, wahrend die Ssnfim endlich sioh in mystisohe Vorstellanger von Gott und Welt verloren. Das Verhältnis* die göttlichen Vorherbestimmang zur menschlichen Freiheit und dasjenige der Einheit Gottes zur Mehrheit seiner Eigenschaften waren das gemeinsame Forschung•- gebiet Aller. (Vgl. Moiita Eisler, Vorlesungen Aper die jüdischen Phuosophen dee Mittelalter■ 1. Abtheirang über Saadja, 2. Abtheilung, S. 19—35 über die aijaoisohen Philosophen-Schnlen.)