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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-12-02 · N° 49. (2.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 49. (2.12.1892)
Date
1892-12-02
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Iaserate einsenden, erhaltea 25 Rabatt. >urg in XordairiWai. H. — Senior Inhalt: W issenschatt liehe Aufsätze: Die Jadefi ton Karl Ochsenius, Koneul 1a Marb׳ Sachs Von A. J eil ine k. L itteraturbericht: Recensioa: Bacher, Die Bibelexegese der jüdischen Religion:! Mittelalters vorMaimuni — Strack, H L phil. Der Blataberglaube in der Menschheit, Blutmord und Blutritus Li11erarische Anzeigen. Dr. Wilh, Prof, iphilosophen des L , Dr. tbeol. et. Unbefugter Nachdruck au» diesem Blatte ist nicht gestattet Die Juden in Nordafrika.*) Von Karl Ocliseniua, Konsul in Maiiburg i. H. *1 Der obige im Correktar-Abzug uns lr! sandte Artikel erscheint demnächst im ״Auslanjd' adlichst Uber- '. (Red.) Zu dem Aufsätze gleicher Beneumiug in Nr. 9 des ״Globus“ vou I?. Fitzner erlaubt sich der Einsender einige Wahrnehmungen mitzntheilen, die im Gegensätze zu einem von Fitzner beschriebenen Verhalten der Juden dort stehen Letzterer verwendet in seiner reoht anziehenden Sohilderuug der Gewöhnbeiten, Sitten und Gebräuche der Israeliten in Tunis allerdings nur eine halbe Spalte des neun Spalten umfassenden Artikels zur scharfen Vemriheilung der Wucherthätigkeit der Juden und sagt dabei: ״Die Moslemin und Christen auszubeuten, zu betrügen und zu bestehlen, betrachtet der Jude als sei! gutes Recht, und vou diesem angeblichen Rechte macht er iu Afrika den weitgehendsten Gebrauch. . . Der grösste Tneil der eingeborenen Grundbesitzerlebt in schwerer Abhängigkeit von den wucherischen Juden, die ihnen Geld zu einem Zinsfusse von 30 bis 40 Proient geliehen haben. ... Er (der Vetter oder europäische Verwandte der Juden) besorgt, den Verkauf der afrikanischen Erzeugnisse und den Einkauf europäischer Fabrikationsartikel, die er an Geldesstelle als Erlös nach Afrika xurüoksendet.“ Im unmittelbaren Ansohl 18se an diesen Satz heisst es jedooh: ״Ein Theil (ie: tunesischen Juden) bat sich dem üandwerk gewidme: und gewinnt in ehrlicher Arbeit ein ehrliches Brot. Ih den Bazaren findet man sie vielfach als Schneider, Schuhmacher, Glaser, Metall- und Goldarbeiter thätig, und es haben dieselben bei fieissiger Arbeit oft einen licht geringen Grad von Geschicslichkeitim Gebrauche it rer primitiven Werkzeuge erworben.“ Nun dieser letste Ausspruch steht doch iu offenbarem Widerspruch m t dem ersten; denn es ist gewiss klar, dass man nioht so schlau wie ein Jude zu sein braucht, um einzusehenj dass Handel mit so hohem Gewinn, wie der vorstehend geschilderte, der Erlernung eines Handwerks vorzuziehen ist. Allein abgesehen davon, dass in vielen südlichen Lau ier 1 2 Prozent monatlich für bar geliehenes Geld keineswegs mit dem Ausdruck Wuoherzinsen belegt werden, sondern geschäftsüb lieh sind, bezw. vor wenigen Deoennien noch waren, existiren die 30 —40 Procent, soweit ioh die tunesischen Verhältnisse aus eigener Ansohauang kennen gelernt habe, nur auf dem Papier, um einen gewissen Besitzstand zu retten, und zwar vor den eigenen Landsleuten, den Steuerbeamten des Landesherro, des Bei’s, die auf marokkanische Manier zn verfahren pflegen. Die ״dem Juden verschriebene Ernte“ pflegt etwas glimpflicher behandelt za werden, wenn auch nioht immer, und oft genug verliert der durah keine SchutzgenosseDSohalt begünstigte Israelit alles, was er vorgeschossen, weil er als rechtlos angesehen und dementspreoheud malträtirt wird. Bei den Glaubeusgenos-en kann der tunesische Landmann kein Geld bekommen, weil der Koraa bekenntlich das Nehmen vou Zinsen verbietet, and, was die Hauptsache ist, sie haben selbst keines. Aber der Jude kanu durch direkte oder indirekte Verbindung mit Europa Geld beschaffen, uud durch seine Vermittelung werden überhaupt dort vielfach Geschäfte gemacht. Wurden doch erst Mitte der sechziger Jahre tanesisohe Münzen iu Paris geprägt- und im Lande des Beis in Umlauf gesetzt. leb untersuchte damals einen grossen Theil der Regentschaft Tanis bergmännisch für den genannten hohen Herrn uud kounte zwar keine grossen Mineralsohätze entdecken, von denen englisohe und französische Ingenieure gefabelt hatten, lernte jedooh Land and Leute in mannigfacher Riohtung kennen. Dabei habe ioh auch! fühlen müssen, weloh peinliche Lage es ist, von der krossen Masse einer Bevölkeraug als ״christlicher Hund“ angesehen za werden, den man ungestraft 1ns Jenseits fördern darf. Zwei heimtückische Schässs aas der stellenweise am 50 irreguläre Reiter verstärkten Eskprte meiner Begleitung galten mir in reoht eigener Person. Man sagte: ״Dieser Rami (Christ) kommt nur nierher, um für den Bei und sich Gold za entdeoken. Findet er solches, so müssen wir Sklavenarbeilt in den Minen verriohten. Also, wo möglich fort mit ihm!“ Bei allen schwierigen Gelegenheiten konnte ioh mioh nur auf das etwa ein Siebentel der Begleitung betragende jüdische Element stütsen, and nie hat as versagt.' Dort habe ioh die Hebräer sohätsen gelernt and meles bewundern müssen, was sie fertig brachten. Der Kommandant des Ganzen, ein Oberst Franoia,

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