Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 45. (4.11.1892)
- Date
- 1892-11-04
- Page
- Seite 178 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/6492408-6575068-9806225--2627-4857554- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ייייי^יי ׳r iiwpiiu1! > TJ."־ ׳*TT':״■ *י‘, •י.■«־ י- 17S — •lieh ״di« Strahlen“ de■ Synagogen weser 8 ,hinein• fielen* und*) dass die Agzdistea ״Stereotyp-Bilder“ na dem damaligen sytagogalen Lieben gebrauchten and an die damaligen Einrichtungen und ״lieberlieferungen“anknüpften. Ich will dieee meineBehaaptang durch weitere Beispiele an begründen aaohen. (Fort■, f.) Iitteratobericht Stark, Ä. Die Sehriftgelehrten. Prag. 1892. Statthaltarei-Baohdraokerei. Selbstverlag. Dieae Schritt ist dem XXXI Jahresberichte der dentsehen Staata-Bealsohnle in Prag entnommen. Ist es schon hOchst erfrenliob, daa eine die ־Wissen schalt des Judenthams behandelnde Arbeit in einem Pro• Simms einer Staats-Mittelschule Anin ahme gefunden t, so ist die Würdigung des jüdischen Gelehrtenatandea in einer von ־Vorartheiien gegen die Glaubensgemein80haft sowohl, als auch von materiellen Strömungen erfüllten Zeit eine verdienstvolle Geis testhat. Der ־Verfasser hat die jüdischen Gelehrten (Talmide Chachamim) der nachbiblischen und talmadischen Zeit in ihrem inneren und äusseren Leben, ihrer Sittenweisheit und gesellschaftlichen Stellung vorbildlieh auch für die Gegenwart ans den Quellen heraus an schildern verstanden; weshalb die Abhandlung mehr ethisch als historisch gehalten, jedoch von kulturgeschichtlichem Werth ist. Hinsichtlich der Besoldung der im geistlichen Amte stehenden jüd. Gelehrten, über welche der Autor sieh des Ausführlichen (8. 27 und 28) ergeht, liesse sioh bemerken, dass die Bezahlung nicht dem Lehrberufe gilt, der allerdings in höchster Selbstlosigkeit und aus dem Herzenbedürfnisse des Auserwählten heraus geübt werden müsste, sondern der Amtsleistung einerseits und der LebenssteUung andererseits, weiche durch die materiell« Un- Abhängigkeit des Amteinhabers — im Interesse der Ehre der Wissenschaft — nur erhöht wird. Ist der Talmud im halachisehen Theile schon der Inbegriff der geschichtlichen Entwickelung der das reljgiöse Leben regelnden Normen und Formen der bibliechen Lehre, so beruht Maimonides’ Stellung sur talmudischen Balacha auf einer der veränderten Lebensanechauungen und Verhältnissen gemäss vollzogenen Entwickelung auf dem Boden der Geschichte und auf dem Wege der Codifikation. Freilich nimmt diese Ent- Wickelung zuweilen eine vorgeschrittene, nicht selten .aber ai ch dogmatisch gehaltene räokbewegende Bich-!tnng. In jeglichem Falle aber ist, entgegen der Ansicht des Herrn Verfassers, (8. 27), dem grossen Denker Maimonides der ״Blick für geschichtliche Ent- Wickelung" im vollen Umfange zuzuerkennen. Speziell in dem behandelnden Thema über die Stellung der Schriftgelehrten ist es beachtenswert!!, das Maimonides (Jad haohasakab, H. Talmud Thora 3, 3 u. 10) keinen Behanptungen durch Anlührung der Weisen (D%3n n&K) von vorne herein einen historischen Charakter giebt. Auch möge zum Beweise für die Hingabe Maimonides’ an daa geaohiohtliche Bewußtsein des Judenthum■ angeführt werden, dass er (Hilohot Jeaode hatorah 9,3) den Propheten israelitischen Glaubene gestattet, die Uebertretung von biblischen Gesetzen zu befehlen, sofern dies die Zeit mit gebieteriseher Nothwendigkeit erheischt (לשי שעה). Inhalt und Form der Schrift machen difisn recht lesen»• und emplehlenswerth. Dr. N. *)• Oben Seite 164 mu in Noten 10 13 ״nd eban Seite 169 aus daa in den Noton 1*5 «ltirten AgadotU. RTD«gmenl0M Sittenlehren von Dr. Hüber. Berlin Bibliographisches Bureau. 1892. Ein Baoh, welohes nur •den einen Fehler hat, dass die Fundamente niohts taugen. Es ist eine Sittenlehre ohne Gott und über deren Werth oder vielmehr Unwerth haben wir uns schon jüngst in diesem Blatte gsäussert. Der Verf. geht im Baoh» weiter, als der Titel vermuthen lässt. Dogmenlos , ist 'ein engerer Begriff als religionslos; der Glaube a» Gott ist nioht ein Dogma wie so manche ander» kirobüohe Lehre. Der Bationalismus des vorigen Jahrhunderts ist von Kant nur gestürzt worden, insofern Keiner heute den damals geläufigen Beweisen eine erhebliohe Bedeutung beilegt. Aber er ist noch, in allen Sohiohten der Bevölkernng vertreten. Selbst wer sioh von der Kirohe lossagt, sagt sioh damit noch lange nioht von Gott los; und wer an der Kirohe hängt, übernimmt damit noch nioht das dogmatisoh-kirohlioh# Lehrgebäude. Das Dogma von Gott, wenn wir schon den Ausdruck anwendeu sollen, ist wesentlich nntersohieden von allen übrigen. Und ohne Gott giebt es keine Moral. In diesem fandamentalen Gedanken trennen wir uns von dem Verf. des angepriesenen Baohes, das übrigens eine Fälle weltlicher und sittlicher Weisheit enthält. B. R. Litterarisahe Notiz. In K.he venhillers Annalinm Ferdinandoorum Tom. IX. Seite 773, 774 findet sich mm Jahr 1619 folgende interessante Mittheilang: j ״Als der König Philippus II. aas Spanien die Jaden geschafft, seyn ihr viel in Fiinckreich nach 8. Jean de Las und Bajona, als Gr&nta-0־th gezogen, da sie wie andere Catho'.ische easaerlich, innerlich aber guet Jüdisch gelebt, derohalben als etliche Weiter von. einem Portugiesischen Pfaffen commnnicirt, haben sie nach Empfahung der heiligen sacrirtcn Hostien das Haapt- oder Schnupftuch für den Hund, und die Hostien heraas genohmen, als solches dar Pfarrer ad vertiert, hat er darauf Achtung geben, und der letzten, so sich Catharinä Femandes gesandt, daa Haupt-Taeoh, so sie alsbald in. Ermbel geschoben gehabt, erwischt, and die umstehenden Personen an Zeugen dahin geraffen, das Haupt- Tusch aufgemacht, und die heil. Hostien darinnen doch was. feucht gefunden, darauf das Weib gefangen, und die heilige Hostia mit Heverents in das Ciborium gelegt, und der Verlauff dem Vicario Generali nach Bajona bericht worden, welcher, als er das Weib examiniret, hat sie vermeldt, der Tenffel (den sie die Sünd genannt) hab sie diese That begehen, and durch einen Hasten die Hostien wieder aus dem Mond fallen machen, der sie keine Unruh anthun, sondern sie viellieber also im Haupt-Tusch verwahren, und als die Jastitia dieThäterin in die ordentliche Gefängniss, weil sie entzwischen allein in der Sacristia verwahret gewesen, führen wollen, ist der Pötel zugsfahren, die Thttaria mit Gewalt weckgenommen, lebendig in ein Vasa gesteckt, einen Scheutterbauffen aufgemacht, daa Vasa darauf gelegt, angezündt, und mit der Thiterin verbrannt, und die andern Juden wegekgejagt, die zwo Heil von Boyonre gen Bianutel geflohen, da sie sich niedergelassen, und noch da wohnen: Das Parlament sa Bordeaux wolt diese Interprise, so wider der Institia Autorität, und eine böse Consequents nach sieh ziehen möchte, abstraffen, nachdem ee aber, dass es aus Catholischem Eyffer geschehen, wahrgenohmen, haben es auch darbey bewenden lassen.“ Ein merkwürdiger Irrrhum bei dem gut unterrichteten, Khevenhiller ist die Austreibung der Jaden aas Spanien unter Philipp 11., wahrend dieselbe schon unter Ferdinand uni isabella atattgelundea hat Er scheint geglaubt za haben, dass die Ketzaraastreibung mit derjenigen der Jaden an gleicher Zeit stattgefanden habe. — Noch eine zweite wichtige Mittheilung finden wir ebendaselbst zu dem Jahre 1619 im 9. Bd. 8. 766: pln der Stadt Ebo ra hat man Ihr. Hajestat gleich fall» stattlich empfangen, and haben alldorten in den Pfingst-Feyertagen al auto de la fee darinnen mehr als 3000 Jaden, deren theila sieh bekehrt, thails aber verbrannt worden gesehen.1‘ Heinrich Loewe. Vtea1.tWrw.Ü.BedacteurDr.Bahmer,Magdeburg.Druck:BendixAHuhn.(fr.D. tuWolff.) Magdeburg. Verlag: Bob. F riese, Leipzig.