Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 43. (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- Seite 168 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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die Geschieht« der Kainiten “, während die Setbiten in Gemeinschaft mit Gott verblieben, religiös-sittliob und Verehrer Gottes waren. Was ist nnn natürlicher, als dass sie im Bewusstsein ihrer moralischen Wörde,' ihrer vornehmeren Abstamm ang auch durch den Namen von den Kainiten unterschieden sein wollten, durch den Namen, der ja im Allgemeinen dazu dient, um den einen von dem andern zu unterscheiden — und sind die KainiteD, so sprachen sie, בני אדם Adams Kinder, Adamiten, Menschen, die nur dem Irdischen leben, — ist ja der Name אדם überhaupt von אר&ה hergeleitet — so sind wir im Verhältnis zu ihnen, die wir doch Gott als Unseren himmlischen Vater verehren, Gottes Kinder, כד אלהים, Kinder, die göttlich leben, die vom göttlichen Seite erfüllt und durchdrungen sind. (Vgl. P8. 82, 6.) ■ Das deutet nun nach! meinem Dafürhalten die heilige Schrift mit den Worten an 'אז הוחל לקרא בשם ה damals, in den Tagen des Enosch, (wurde angefangen oder) fi!.g man an zu benennen, nämlich den Enosch, mit dem Namen Gottes, d. h. *die Benennung der Sethiten als Kinder Gottes hatte ihr Beginnen. Die Badix von הוחל it חדל und hat im Hiphil 'und Hophal die Bedeutung ״eröffnen, anfäugen“, (s. Gesen. Lehrgeb. § 70.) Ich dachte Anfangs mit dieser meiner Auffassung dieses Verses ganz allein dazustehen, wie gross war meine Ueberraschung als ich naohher im ״Pentatenchus a J. A. Dathio“ z. St. folgende Worte vorfand: ״Hace verba respicinnt discrimen, quod Cap. 6,2 dariu8 indicatur Inter filios Dei et filios hommum. Filii Dei vpcabnnter qui Deum Adami colebant.־ Adamus fuit filius Dei, (Luc. 3,38), et omnes qui huno Deum profitebantur, annumerabantur his filiis Dei.“ (Für mich ist es ganz irrelevant ob Adam der Sohn Gottes waf oder nicht, die Hauptsache ist für mich, dass seine Angabe als Grund für die Benennung der B’ne Elohim und B’ne'odom mit der meinigen wesentlich übereinstimmt, denn er fährt weiter fort:) ״Inter Caini posteros cognitio Dei probabiliter mature est extincta. Ip&e enim remotus a patris 8ui consuetudine et reliquorum ex familia ejus, homo natura sua pessimus, habuit sine dubio progeniem ipso vitiosiorem, qui propterea ab illis Dei filiis filii hominum Vocabantur.“ Nach dieser Auffassung ist uns nunmehr auch das Verständniss der sehr schwierigen Verse Cap. 6, 1—4 nahe gelegt: Eu ״Ala nämlich die Menschen anfingen sich zu vermehren auf der Erde und ihnen Töchter geboren worden waren, da sahen die Gotteskinder die Töchter Adams, dass sie schön sind, da nahmen sie sich Weiber von allen, die ihnen gefielen“, d. h. bis dahin hatten wohl die Sethiten, oder, was gleichviel ist, die Gotteskinder sich von den Kainiten auch dadurch fern gehalten, dass sie unter einander keine Ehen eingingen, als jedoch den Kainiten resp. Adamiten schöne Töchter geboren wurden und die B’ne Elohim an den Töchtern der Adamiten Gefallen fanden, da hörte die AbsohlieesuDg aüf, denn sie nahmen sich Weiber von den Kainiten, von allen, zu denen sie Neignng hatten; sie liessen also von den Gelüsten de• Herzens und der Augen, von der Gewalt und Sinnlichkeit sich beherrschen und so irrten und wichen auch sie ab vom Wege der Tugend und der Sittlichkeit, mit einem Worte, sie hörten auf כל אלהים au sein. Es griff aber die gesellschaftliche Entartung und Verderbniss immer weiter um sioh und eraiedrigte auch sie, die B’ne Elohim, zu B’ne Adami Richtig bemerkt hier Knobel zu dem Verse: ״Sie nahmen sich Weiber von allen, die ihnen gefielen, man meint hier nicht einmal eigentliche Ehen, sondem freie Vermischung. Wollust, Leidenschaften aber üben einen gewaltig ungünstigen Einfluss auf die Lebensdauer des Menschen aus, sie verkürzen seine Lebenstage und darum דאמר ה׳ לא ירק רוחי כאדם לעולם כשגם הוא כשר והיו ימיו מאה ועשרים שנה Nach meinem Dafürhalten haben wir hier blos vor uns, wie ja dies sehr oft vor- מהרא מסודם einen 80 kommt, und zwar haben wir die Wortfolge uns ראמר ד׳ כשגם הוא בשר לא ידון רוחי כאדם zu denken לעולם והיו ימיו מ. ו. ש. Da spraoh Gott, da nun auch er, der Gottessohn, fleischlioh, sinnlioh ist, da auch er nun das naturgemässe Leben verlassen hat und ein Sklave sinnlioher Begierden geworden ist, so giebt es ja nur noch Adamiten, so wird mein Geist im Adam, (im Menschen nicht) bis in die ferne Zukunft streiten, der Kampf des Geistes mit dem Leibe wird nicht bis in die ferne Zukunft währen, und so werden seine Tage, d. i. seine Lebensdauer 120 Jahre sein. Die Menschennatur gestattet ihm nur noch dieses Lebensalter zu erreichen. Nicht aber ist dieses ein göttlicher Befehl, denn sonst müsste ja weiterhin dies wirklich das menschliche Normalaller sein, sondern bloss eine göttliehe Ermahnung an das entartende Menschengeschlecht. (Heber לעולם siehe Gesen. Handwörterbuch.) Und nun berichtet die heilige Schrift, wie von jenem Menschengesohlechte, solange es in naturgemässer und in der von Gott bestimmten Weise und Ordnung gelebt hatte, auoh Männer von ausserordentlioher Körperkraft, Riesen, Hünen hervorgegangen waren. הנפילים היו כארץ כימים ההם הנפילים mit ה* הידיעה» als ob von schou bekannten Riesen die Rede wäre; allein es ist dies eine Andeutung, dass eben diese Riesen hier damit gemeint sind, wenn später im 4. B. M. 13,33 und im 5. B. M. 3,3 einiger Riesen der Vorzeit Erwähnung geschieht, diese lebten eben in dem Zeitalter der B’ne Elohim und konnten auch nur von einem solchen Menschengeschlechte hervorgehen, das göttlich lebte; aber fügt die heilige Schrift hinzu, dass es auch naohher, als die B’ne Elohim zu den Töchtern der Adamiten kamen und sich mit ihnen vermischten, Männer, wohl weniger riesig, aber doch immer von gewaltiger Körperkraft (המה הנכורים) gab; denn es musste gar viel auf Kosten dieser kräftigen Natur gefrevelt und gar gewaltig und lange auf diesen kräftigen Menschenschlag losgestürmt werden, bis mit den immer absteigenden Generationen sowohl die Körperkraft als auoh die Lebensdauer abgenommen hatten. ״Das sind die Gewaltigen, die von jeher namhafte Männer waren. “ Was 8011 man aber dazu sagen, wenn ein Franz Delitz 8ch zu dieser Stelle bemerkt: ״Wir stehen hier, wie die urkirohliohen Apologeten mit Recht behaupten, an der Quelle der heidnischen Mythologie etc.“, und. nooh weiter, [hinweisend auf das £x itvtüpa-coc &ס0)ץ,] ihre Entgegenhaltung soll nur zeigen, dass pneumatische Natur und gesohleohtliohe Wirkung siohj nioht schlechthin widersprechen?“ Oder wenn Vaüersagt: ״Es mag schon luerin, wie deutlicher in den’ übrigen Sagen von uralten berühmten, aus der Ehe dieser Söhne mit den Töohtern der Mensohen entsprungenen Helden etwas Mythologisches im eigentliehen Sinne des Wortes liegen?“