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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-10-01 · N° 40. (1.10.1892) · p. Seite 160

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 40. (1.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 160 (sequence 5)
Language
German
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Der erste Theil dieses Gebet* und Beligionsbaohes ist bereits in den Hummern 41—44 des vorigen Jahr* ganges ausführlich besprochen worden. Das Urtheil, aas wir derseit über diesen 1. Theil ausgesprochen haben, gilt auch voll und gans besüglioh des vorliegenden *weiten Th eiles. Das Buch ist nichts anderes, als ein in’s .Deutsche übertragener דרך החיים “fTD mit all seinen entbehrlichen und unentbehrlichen Dingen. Einen ״modernen Lissaer Row’s -Siddur* können wir jedoch unmöglich als sum Gebrauche für Schulkinder geeignet ansehen. Dies will der Verfasser im Ernste wohl auch nicht, denn in einem Vorworte, in welchem ״Winke surBenntsung dieses Buches beim Unterrichte“ gegeben werden, bemerkt derselbe ausdrücklich, ״dass das Buoh dem Lehrer bei seiner Vorbereitung nütz* lieh 8eL* Und in der That kann nicht bestritten werden, dass dem Lehrer, welcher die Fähigkeit nicht besitzt, aus hebräischen Quellen za schöpfen, viel des Belehrenden und Anregenden dargeboten wird, aber er wird Mühe haben, aus dem Uebermaass an Stoff das Nöthige und Zweckentsprechende auszuwählen. Gilt dies schon für denjenigen Lehrer, der dieses Buches sich bei seiner Vorbereitung bedienen muss, so gilt dies für-den za unterrichtenden Schüler um so viel mehr, denn wir halten es geradezu für eine Unmöglichkeit, den in diesem einigehündertSeiten fassenden Bache enthaltenen Stcfi zu bewältigen und wird gar Manches geboten, das für unsere Kind er immer unverständlich bleiben muss, da der Lehrer eine Erläuterung aus ganz besonderen Gründen nicht geben kann oder darf. Das Bach ist daher auch ausdrücklich nur für ״die reifere Jugend“ bestimmt. Haben wir in unseren Schalen aber eine ״reifere“ Jugend? Können wir dreizehn- oder vierzehnjährige Knaben oder Mädchen mit vollem Rechte zur ״reiferen Jugend“ zählen? Das Bach wäre aber s^hon lange vor Erreichung des genannten Alters den Kindern in die Hand zu geben, wollte man den Stoff ganz durchnehmen. Um so weniger erhalten es daher diejenigen, für welche es eigentlich bestimmt ist. Und haben wir den wirklich in unseren Religionsschulen noch Kinder ״reiferen“ Alters? Widersprechen hier nicht die wirklichen Thateacken den Absichten des Verfassers? Es kann ja ein Buch der Belehrung für Jünglinge und Jnngiraaen sein und bleiben, wenn diese Lust und Drang verspüren, sich über das Wesen und den Inhalt unseres Cultus Belehrung zu verschaffen, -einSchulbuch aber kann es nie und nimmer sein. Diesen Zweck hat es vollständig verfehlt. Gehen wir nunmehr näher auf den Inhalt des Büches ein. Dieser zerfällt nach dem Titel in zwei Haupttheile: und zwar wird zanächst der ganze Inhalt der üblichen Gebetbücher mit Uebersetzang gegeben. Zwischen einigen Haupttheilen der Gebetordnungen stehen Religionslehren mit angehängten Sprüchen. Die.-e Religionslehren, die des Oeftern sioh ziemlich 1-tark an den Inhalt des 3ד1ור von S. R. Hirsoh an-!ebnen, geben bezüglich der vorangegangenen oder lolgenden Gebete fasst gar keine Andeutungen. Von einer wirklichen Erläuterung des Gebetinhalts ist aber nichts zu finden. Alle in den Gebeten so häufig vorkommenden fremdartigen Redewendungen, die der deutsobenSprachelremd sind, finden keinerlei Erklärung. Was soll beispielsweise ein Knabe, selbst wenn er zu den reiferen schon gezählt werden kann, unter dem Ausdrucke 10, למיחלים לך ]TOICI ״and offene Rede denen, die harren auf Dich“ verstehen? Erfordert die Redewendung ■*IC pnnc nioht eine besonders singehende Erläuterung? So finden sioh gerade in diesem Neujahrsgebete, dem obige Redewendung angehört, nooh verschiedene Ausdrüoke, die׳ ohne nähere Beleuohtung gans unverständlich bleiben. Ein derartiges Eingehen auf den eigentliohen Inhalt und die Spraohe der Gebete, wäre am Platze gewesen. Hätte der Verfasser in seinem Buche derartiges geboten, er würde er der jüdi8chen Lehrerwelt einen grossen Dienst erwiesen haben, denn das ist es ja gerade, woran es uns leider fehlt. — Was nun die Uebersetzang selbst anbelangt, 80 können wir es uns nioht versagen über mauohe Uebertragang unser lebhaftes Befremden aussudrüoken. So manche Hebraismen werden in einer Weise in der Uebersetzung wiedergegeben, mit der gewiss nooh viele Andere sich mit uns niemals befreunden werdeu. Auch an offenbaren fälschen Uebersetzuugen fehlt es nioht. Soist es z. B. geradezu ein grammatischer Schnitzer, wenn S. 422 die Worte: יכל הרשעה כלה כעשן auseinander gerissen and übersetzt werden: ״und alle Bosheit, ganz wie Rauch, möge sie hinschwinden.“ Wie durfte das zu הרשעה gehörende nachdruoksvolle כלה mit כעשן verbanden werden? Ist diese des stärkern Nachdruoks wegen oft vorkommende Wiederholung des כלה (oder 1כל•) nioht feststehende grammatische Regel, anf welche der Schüler besonders aufmerksam gemacht werden masste? Gerade im Gebetbuche finden sich Parallelen dafür, so gleich auf einer der nächsten Seiten, S. 424: מאןי כל כל העולם כא• Es ist unbegreiflich, wie der Herr Seminardireotor das übersehen und der Jagend eine so unrichtige Uebersetzang bieten konnte. Seite 253 finden wir die curiose Uebersetzung von אדיר אדירנו mit: ״ Hellglänzend ist unser Fürs t.“ Correkter wäre doch wohl: ״Mächtig ist unser Mächtiger.“ Seite 254: ״ חגרת ימיםLust der Tage.“ Richtiger ist (joch wohl: ״Schmuck“ oder (״der köstlichste“) der Tag£“, denn der Sab bath 8011 hier doch als ein bevorzagtjer Tag der Woche bezeichnet werden. Ein Tag kanfi doch keine ״Lust“ sein, höchstens vermag er uns LLust“ zu gewähren; dieser Sinn liegt jedoch in diesem Passus. - (Fortsetzung folgt.) Ehrlich S. L. und seine hebräischen Kompositionen Oppeln 1892. (Selbstverlag.) Sin kantoralen Kreisen hat der Name des Oberkantors Ehrlich in Oppeln einen guten Klang und seine Kompositionen, von denen er eiiuge Proben bereits veröffentlicht hat, gehören mit zu den Perlen unserer, Synagogen- Litteratur. Unter dem Titel מל ונשם hat derselbe eine Komposition für Solo and Chor!veröffentlicht, welche an saubere Stimmführung, gepaart mit klangvoller Harmonie entschieden Talent und .guten Oeschmäck als Komponist bekundet. Oie Bearbeitung ist hinsichtlich der Harmonie correkt und klangvoll gehalten; die einzelnen Stimmen kennzeichnen sich dnreh senöne, wirkungsvolle,Sangbarkeit. £8 unterliegt keinem Zweifel, dass dies« Komposition, von einem Chor exakt vorgetragen, den besten Eindruck machen muss. Der Herausgeber, dessen eigentliches Feld das der hebräischen Synagogenmasik ist, beweist mit der Veröffentlichung dieser Komposition, dass er auch anf diesem Gebiete za Hause ist. Möge darum die schön ausgestattete Komposition allen Cantorea bestens empfohlen sein. Dieselbe reiht sich würdig seiner im vor. Jahre erschienenen Komposition אתה זוכר an, die wir bei dieser Gelegenheit aach in Erinnerung gebracht haben wollen. Bawitsoher-Pinne. Liitter&riscbe Notiz. Warschau. Eine rassische Uebersetzang von Graetz ״Volksausgabe der jüdischen Geschichte“ wird recht bald begönnen werden. Dieser Uebersetzang soll ein kurzer Abriss der Geschichte der Jaden in Bassland, welche jüdische Geschich tsech reiber bis heute fast gans an berührt gelassen hauen, als Anhang beigegeben werden. Mit dieser Arbeit bat man den dnreh seine Forschungen in der Gesohiohts der verschiedenen kabbalistischen Sekten bekannten russiecnen Schriftsteller Dubpow betraut Verantwort!. Redacteur Dr Bahm er,.Magdeburg.Druck: Beodiz AHuhnkfr. D. L.Wolff.) Magdebarg. Verlag: Bob. F risse, Leipzig

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