Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 39. (21.9.1892)
- Date
- 1892-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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M S». Jüdisches «b*. m Litteratiir-Blatt, Zkt Mwrttm *Ilar;>ln(ka■ ■K Jita k*tnf«4«a HtUmlMlM• Br• •ABinia tat Sm (■Wat• to Pkllo- NfU•) tHikkkt•, CtkMfnpfcl•, Tk••• Hfl•, OriaatalU, Iiitm, Hmllctlk, Utn!tt a. PittgtfU. Herausgegeben Rabbiner Dr. Morlti Rahmer. SKjagd&Suzy, den 21. Septemtee 18g2. BMar fr •iasekllciina LICUntar, «alaka te INaiHw ■■g—■it warte» tm «am Blatt» 4 Bai Buh411| vaa sval Kx««|UrN «M|l aiawHga kaiwa ttnlla•! Db8 ffJOdiscbd LitterB<ar*Biatt^ erscheint wö chentlioh in »!י״*״ halben Bosen. Preis bei allen Baehhsadlaiijfsa in Leipzig bei Robert Friese pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der .IsraelitisabenWochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Poetana alten und Buchhandlungen 8!Mark zahlen, erhalten daa ״Jftdiaohe Litteratur-Blatt“ gratis. — Iaaerate werden mit U Pt für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden. Buohhkndler n. Lehrer, welche d 1 re c t oder durch Robert Friese Inserate eins enden, erhalten 86 jC Rabatt. Inhalt: W issenscbaitliche Aufsätze: Ueber Thierquälerei nach den Grundsätzen des Judenthnms. I. — I ine alte Synagogen- Ordnung. jVonRabb. Dr. Ooldtahn. (I ortsetznng) — Eine Bemerkung zu Aboth IV, 19. Von Ra <b. Dr. Kronberg. Litteratarbericht: Receneionen: Die Blatlüge (Efess Damim) von J. B.Levinsohn. — Eine auferstandene Sprache von Fabias Schach. | Li 11erarische Notizen. Das ernte Auftreten der Juden in bland. — Liturgisches. Uskslugtsr Naahdruck aus Biets■ Blatte ist n i « b t!sstattsL lieber Tbierquälerei nach den Grundsätzen des Judenthums. Zu den schönen fruchten, welche wir dem Fort• schritte der Neuzeit in der Humanität verdanken, gehört der Schute der Thiere vor Grausamkeit, Roh• heit □nd mnthwilliger Tödtnng, una sohätzenswerth sind gewiss die Vereine gegen Thieijquäierei, welche von England ansgingen und sioh seit den dlreissiger Jahren auch nach Frankreich and Deutschland verbreiteten, wo sich eu Berlin, Dresden,!München, Altenbnrg und in anderen Städten Vereine!gegen die Thierquälerei bildeten und zum Theil leuch von den Regierungen Anerkennnng und erbetene Unterstützung fanden. Auoh haben diese Vereine sohon toanohe Verbote gegen die Thierquälerei bewirkt, e. B. dass kleines Schlachtvieh nicht mehr geknebelt auf den Markt gebraoht werden darf, sondern ungebunden dahin gefahren werden mnss. Sehr j lobenswerth ist ferner die Wachsamkeit, mit welohär diese Verein« die Sohule unterstützen, dass die Jugend nadhdräoklieh von grausamen Spielen mit Insejoten and dergL, sowie von roher Zerstörungssacht abgehalteu wird; und Eltern, Erzieher and Freunde deij Jugend | werden ihnen für den wohlthätigea Einfluss auf die kittliohe Bildung derselben ein noch bei weitem grösseres Verdienst anerkennen, als für den Schatz *per Thiere selbst. Dennoch ist nicht au leugnen, daB8 nur ein klares Bewusstsein der Motive, welche uns dabei leiten und danach eine vernünftige Abwägung d Strebens, dieselbe eines Theils vor Hi Theils vor lächerlicher Uebertreibu heit zu schützen und zu bewahren hierbei nicht selten Vorkommen. Da ein dunkles Gefühl den Verstand g< Thierfreund fast darüber sam M wird. Da wird es einem Reiter verfii r Grenzen diese« lbheit, anderen and Verkehrt- [Stande ist, die i^immt biaweilen dass der isohenfeinde dass er sein Pferd darch mancherlei harte Strafe lehrt, sich in den Willen des Reiters zu fügen; dort verargt man ee einem Fuhrmann, dass er auf schleohtem Wege oder vor Bergen notbgedrungen, duroh starke, grausam scheinende Schläge sein Gespann an treibt, den Wagen von der Stelle au bringen. Man vergisst aber ganz, dass der Meusch ja nicht minder im Sohweisse seines Angesichts sich plagt und abquält, um seine Nahrung za erzwingen, nnd fordert wohl gar, dass der Kutscher sich vor denWagefa spanne, um die Pferde zu schonen- Hier trifft das horazisohe Wort: Iusipiens sapiena nomeu ferat, aeqaas iniqai, ultra quam satis est virtutem 8i pelat ipsam. ״Thöricht nennt man daa Weizen, den Billigen nennt man Treibt er aber’s richtige Mase und Ziel er selber die Tagend.* So wie es empfindsame Matronen gibt, die, Thränen vergiessend über einen rührenden Roman, den Armen vor der Thür ab weisen, dessen wirkliohee ' Elend es wagt, sie in ihres schmelzenden Empfindung über eine Erdiohtung za stören; sowie es Damen gibt, die eben 60 fühllös gegen ihre Kleinen sind, als sie übersobwengliohe Zärtlichkeit auf ihr Sohosshündchen verschwenden; so gibt es gar viele zirtliahe Thierfreunde, die gleichwohl hart und fühllos gegen ihresgleichen sind nnd in jeder Frage der Gerechtigkeit, der Billigkeit and der Liebe gegen Mensohen ■ich auf die Seite des gehässigen Vorortheils, der bornirten (V Aussohlioe8ung und der Zurücks( osnung » teilen, dabei ■ aber unerschöpflich in der Erfindung von Scheingründen nnd Ausfiüohten für ihre Härte sind. Das ist die Folge unklarer Empflndelei. Ihr entspringt jene Halbheit, welohe sioh in demSohatse deeThieres vor Grausamkeit zeigt. Auf der einen Seite nimmt man sioh des Thieres auf Kosten der Mensohen an, und wiederum übt man wirkliche Grausamkeit gegen das Thier, wo es irgend dem Eigennütze frommt. Solche Inoonseqaenzen sind aber ausgeschlossen, sobald man den Schatz der Thiere vom rechten religiösen Standpunkte aus betrachtet und übt. Sohon die alte Religion des Zend-avesta hat zwar die Thiere in Schatz genommen. Nach ihr gelten Lioht, Sonne, frisohe Luft, fliessend Wasser, für;, freuudliohe Gottheiten (Diener desOrmazd); dis Nacht, die Miasmen, das Todte und Faule dagegen, soeia ■ das Unreine u. dgl als Diener der bösen Gsttkdfj (Ariman). Ebenso sind die Thiere erogetheili in thätige and sohädliohe (Kharfestars); letztecweaBUfc aasgerottet werden, was oft als Basse fftr SülMMI *aagelegt wird. Dem Sohatse dagfegsn wtrAendie IifcfäftÄffr.■