Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 38. (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- Seite 152 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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152 — den Märtyrertod erlitten, darunter anob B' Mandl, spalteten sich nach Erlass des ״Tolerznzpatentes" in swei Lager, deren Anscbannngen im Laote der Zeit immer mehr von einander abwichen (8. 71). Die Haoptur8ache der Sektenbildang lag wohl <n den Beligionsverfolgingen der Beformation. Anoh in Mähren bildete sich, etwas früher, eine ״Israeliten"• Sekte, ohne dass ihr Begründer (Josef Seidl) ein Jude gewesen wäre. Die Bewegung in M. nahm, je mehr die Verfolgungen Zunahmen, einen immer weitergehenden, freireligiösen Charaoter an. — Zam Schlüsse f'ebt der gesch. Herausgeber ״swei christliche; eugni88e gegen die Blutlüge", die er im Naohj lasse des sei. Dr. Znckermann vorgeianden und die jetzt der Lies. SeminarbibL gehören. Sie wurden 8. Z. von dem derzeitigen Oberrabbiner von Altona etc., B. Jonathan (Jonas Nathan) Eybaohütz eingeholt nnd sind bei der Bedeutung der Männer, von denen sie abgegeben wurden, sicherlich von hohem Interesse. (Vielleicht verwendet sie Herr Prof. Strack für die angekündigte 2. And. seiner Schrift: ״Der Blntaberglauben bei Christen nnd Juden". Sie erfolgten in Anlehnung an das von Babbi Jonathan ausgearbeitete, wahrscheinlich an die dänische Begierung, der er unterstellt war, eingesandte Gutachten. — Das erstere, von Prot. Chr. B. Michaelis in Halle am 21. II. 1760 gefertigte Schreiben bestätigt unumwunden Eibenschütz’ Gutachten. — Vom gleichen Orte und Datum stammt das zweite, welches der damals bedeutendste, für die Juden nioht gerade voreingenommene Theologe,. Prof. Job. Sal. Semler abgab und welches eich in 9 eingehenden längeren Paragraphen über das fragl. Thema anslässt. Letzteres ist besonders wichtig, weil S. zur Bestätigung seines Schlusssatzes, dass ״die Juden mit so läppisohen, elenden Beschuldigungen vor keiner billigen Obrigkeit belanget, vielmehr aber solche einfältige oder boshafte Ankläger abgewiesen werden, auch zur Ehrenerklärung wohl gar angehalten werden könnten", der dem meineidigen Prof.Rohling hiermit vorgehalten sei, in den 3 Beilagen sowohl anderer christlicher, als auch jüdischer Zeugnisse Beweiskraft anfährt, darunter besonders (S. 106)das desProselyten und Judenfressers Pfefferkorn, das besonders wichtig erscheint. — (S. 101 Note lies Vertreibung 8t. Verbreitung.) _ Wir halten es kaum für nöthig, den Kalender besonders zu empfehlen und wünschen ihm eine recht weite Verbreitung. Breslau, 5. Sept. 1892. Koenigsberger. Prague, H. Annuaire des Arohives Israelites pour l’an 5653. Der Bedacteur der ״Archives iaraölitea“, Herr Prague, hat auch in diesem Jahre durch die Heraus• gäbe des Kalenders pro 5653 seine Fähigkeit, auf diesem Gebiete Neues nnd Ausgezeichnetes zu leisten, wiederum gezeigt. ״WerVieles bringt, wird Manohem Etwas bieten." Dieses Wort fand in der vorliegenden i Arbeit seine volle Bestätigung. Der Kalender enthält aus8er den üblichen kalendarischen Angaben eine politische Bundschau der Verhältnisse der Israeliten aller Länder, die uns wegen der Parallele der Vertreibung der Juden aus Spanien und derjenigen aus Bussland schon desshalb gut gefällt, weil darin trotz Kronstadt der objectiven Wahrheit Nichts vergeben wird. — Die dem Kalender beigefügte Ehrentafel derjenigen französischen Israeliten, die vom April 1891 bis April 1892 regierungsseitig ausgezeichnet wurden, zeigt zu unserer grossen Genugthuung, dass einerseits die französische Begierung trotz Drummont und de Mor&s sich auf demWege der Gleichberechtigung nioht beirren lässt, und dass anderseits unsre französischen Glaubensgenossen sich dieser Gleichberechtigung vollauf würdig zeigen, indem sie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens Tüchtiges und Hervorragendes leisten. Dieser Ehrentafel entnehmen wir die Angabe, dass derGouverneur und Commandant der Festung Verdun ein isr. General ist, Namens Hiestie. Als litterarische Beilage enthält der Kalender,, eine Geschiobte aus der Bastille, deren Helden zwei deutsche Juden aas Landau sind, nebst einer litterarischen Notiz von Schwab über den proven9alisohea Schriftsteller desXIlI. Jahrhunderts, Etabbi Meschallam, | den Verfasser des Sefer haschlamah. — Eine jtidiso hfranzösische Bibliographie sowie die den französischen isr. Cultus betreffenden Organisationen schliesst das interessante Büchlein. Der Kalender enthält eine Angabe, die wir bei. ähnlichen deutschen Pablicationen vermissen, nämlioh diejenige der Tage, an welchem es naoh jüdischem Bitas untersagt ist, getraut zu werden. Durch eine derartige Angabe werden jüdische Familien und jüd. Cultus beamte oftmals manchen unangenehmen Aaseinandersetzungen enthoben. Der Druok und die Ausstattung des Kalendern sind wie immer ausgezeichnet. Dr. Blumenstein-Luxenburg. Paseheies, Jakob W. Ulnstrirter Israelitischer Volkskalender für das Jahr der Welt 5S53. 4. Jahrgang. 12*. 224 S. broch. 0,70 Mark. Prag 1893. Altst. Bing 930. Der Kalender enthält ein ausführliches jüdisches Kalen• dariam, mit den österreichischen Jahrmärkten, Stempelskalen, and dergL mehr. In einer Gallerie jüdischer Denkwürdigkeiten bringt er eine fleissige Studie über den Oberrabbiner Salomo Ephraim in Prag (gest. 1619). An die Familie das bekannten ans Madeira nach Amsterdam eingewanderten marranniscben Dichters Jakob Israel Belmonte knüpft eine Prager Ghettogeschieht» von Beraard Auerbach (pseudonym) an; jedoch enthält der Kalender nur einen kleinen Anfang davon: die ״Fort- Setzung“ erscheint im — nächsten Jahr! Von der ״Geaerath Dam bar“, welches in der Ueberschrift steht ist, ebensowenig in dem Anfangastückchen, wie vom ״Prager Ghetto“ za lesen Es folgt noch ein Nachruf auf Koppelmann Lieben, der am 11. März d. J. in Prag gestorben ist. dessen beigegebenes Titelbild wohl den Namen ״illnstrirteru Kalender rechtfertigen aolL Unter ״Scherz nnd Emst“ werden einige hübsche Steilen aus dem Talmud in Versen und einige Bonmots gegeben. Im Allgemeinen ist der Kalender Österreich hohen Verhülltsten mehr angepasst als deutschen. H. L. in Magdeburg. Litterarische Notizen. Lende■. Im Verlege von David Nntt erscheint demnächst in der Serie englischer Geachichtswerke von zeitgenöasisohen Schriftstellern ein Buch nnter dem Titel: ״Die Jaden im mittelalterlichen England“ von Herrn Joseph Jacobs, in welchem derselbe hauptsächlich aus noch ungedraakten Quellen alle wichtigeren Urkunden zas&ramengetragen hat, welche über die bürgerliche Stellung der Jaden Englands während des XIL Jahrhunderts Auskunft geben. Berichtigungen, In vor. Nr. ist im ersten Artikel 8. 146 Z 27 v. 0• zu lesen: ״Unter 130 Jadengewährea circa 30—40 Häuser und 20 sonstige Realitäten“; Z. 38 da statt d^ss, letzte Zeile über W. N. fehlt Jaden. S. 147a soll heissen: 5098 16. Kiaiew. (TO), Zeile 22 דחפום statt ITCrD; Z. 41: TO Statt t"TO, Z. 47: בה׳ ר Statt הה״ר, z. 57: 5098, statt 6093. s. 147 b z. 6 קהלרן statt קהלכן• Verantwort!. BedaotearDr.Bahmer,Magdeburg.Druck :Bendix&Hahn.(tr.D. L.W0UL) Magdeburg.-Verlag: Bob. F riete, Leipzig.