Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 34. (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- Seite 136 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Bibel ■vergleicht eia* Die Frevler werden mit der Sprea verglichen, wie es P». 35, 5 heisst: Sie sollen gleich der Sprea vor dem Winde sein, and wie es «ach in anserm Psalm heisst: Nicht also die Frevler, sondern wie Sprea, die der Wind verweht." Diese zweite Beweisstelle ist, wie aas Sehir r. ersiehtlieh ist, vom Sammler des Schocher-tob hinzugesetzt worden, am ans anzudeaten, warum er diesen grossen Midrwöh hier aafgenommen hat. Abgesehen von die• ser Bemerkung des B. Elasar — denn B. Jndan sagt « in Schir r. za 2, 1 etwas Anderes — steht dieser Midrasch mit anserm Psalm in keinem Zasammenhang. Dass er aber in Schir r. sn seinem Platze ist, kann Niemand lengnen. £8 ist daher sehr fraglich, ob die Stelle in Schir r. dem Schocher-tob entlehnt ist, wie Baber Note 259 behauptet. No. 21: ״Die Welt ist verstopft." Es ist nach Masafia za lesen: Die Welt ist wie ein Aatomat (אכבוומטום), wie Baber Note 294 richtig erklärt. No. 22. Den Vers Prov. 3, 34 deutet B. Elasar ebenso wie Besch Lakisch in b. Joma 38 b: Wenn er die Spötter spotten lässt, so giebt er den Demütbigen seinir Gunst, d. h. die Bösen hindert er nicht and die Gaten fordert er. Mit W.’s Uebersetzang: ״Wer sich za Spöttern gesellt, wird selbst ein Spötter" — so erklärt auch Baschi den ־Vers in seinem Commen- ~iar za Mischle — ist der Aassprach B. Elasar’s nicht za verstehen. (Forts, f.) Ltitierarische Notiz. 4«» שפיך חמתך <ue sutiage. Von Heirn Dr. Königsberger gebt uns aus Br eslau folgende recht interessante Notiz zu, die wir unseren ge sch. Lesern nicht vorenthalten wollen: i Sehr geehrter Herr Doctor! Im Anschluss an das bei der Besprechung des Maybaanisehen Agadaentwuria erwähnte שפוך חפתד gestatten Sie mir Folgendes hinzuzutügen resp. ergänzend nachzutragen: Anlässlich eines Vortrags!״Historisches vom Pessachleste“), den ich hier am jüngsten שבת הגדול hielt, nahm ich mir vor, ancb auf das obige 'ש' ח znrückzskommen, worüber ich während meiner Studienzeit in B . . von Sinem meiner gelehrten Freunde eine Vermuthung gehört Aul meine von hier aus z. Z. an ihn gerichtete Anfrage erhielt ich originalster brieflichen Aufschluss- , Erwähnt sei vorher, dass der טורי להב (st. nach 1666) zu den Worten des Schulchan Aruch, Orach Chaiim. cap. 472, 11 מצוד, לחזור אחי" יין אדוש (jeru. Pes. x,37c, a>. schek. 111,47 b Ende; vgl. Pesach 108, Men ach. 87 a. B. bathra 87 b) unter Hinweis aut Spr. 23,31 bemerkt, dass man den rotten Wem wegen seines VOTznges gewählt. Doch — so fügt er hinzu — sei auch in dem Gebrauche des rotben Weines eine Erinnerung an das Blut enthalten, welches der ägyptische König durch tue Abschlachtung der israelitischen Kinder vergoss. (VgL Pesikta sutr. zu Exod. 7, 17 Ende). . ״Heut aber hält man sich davon zurück־, rothen j Wein beim Sederabend zu gebrauchen — wegen der lügeni batten Beschuldigungen.* Han sieht unzweideutig, dass I hier schon die noch immer nicht verstummte Blutlüge ihre! Wirkung äusserte. [ Mein w. Freund schreibt mir nun: ״Das Thüröffnen bei שפוך חמתך steht nidt in den Akten (des Trientin er Prozesses), sondern der Grund dafür ist lediglich eine Vermuthung meinerseits. Man öffnete die Thür nicht des אליהו הנביא halber, sondern tun der Welt zu zeigen, dass Alles, was amSeder geschehe, unverfänglicher Natur sei und von Jedem gesehen und gehört werden könne. Dass man die Thür gerade vor שפוך öffnet, rührt nicht davon her, weil man das j^D für אליהו ד״ביא einschenkt, sondern weil gerade die Stelle: ״Giess deinen Grimm aus über die נדם Gojim (Christen)* der Verdächtigung and Anklage ansgesetzt wsr. Der Thüröfiner wollte also mit anderen Worten sagen: Ihr könnet alle zuhören; wenn wir Gottee Zorn herabdenen, so erbitten wir ihn nicht gegen Euch, die Christen, sonflem gegen die Völker, die Herden etc. Aas dem Protokolle führe ich an: Ans dem dee Israel, Sohn des Samuel: Interrogatua, quid flgurat illa esio sanguinis Christian i et quere illom ita comedant in fngatiia, respondet, quia 68t oommemoratio sanguinis, quem Dominus dixit ad Moysem ut deberst spergere superliminaria hostiorum domorum iuaeorum, cum ipsi radei erant in servitate Pbaraonis (das Blut werde in die fugstiae — Mazzot — gemischt als Erinnerung an den Beiehl Gottes in Egypten, die Schwellen mit Blut zu besprengen!!0 Dass die rote Farbe des Blutes noch mehr Anhalt zur Blutbeschaldigung gab, ist bekannt. Noch verdächtiger war die Ceremonie bei der Aufzählung der 10 Plagen, wobei man jedesmal einen Tropfen ans dem Becher Weins verspritzt (der Becher der Frende ist kein voller, weil bei jeder der 10 Plagen Verlast an Thierand Menschenleben za beklagen ist VgL den bekannten Midrasch Uber das halbe Hallel der Engel! aber gerade dieses Austropfen des Wein •Blutes erinnert an das Besprengen der Pfosten mit Blut! Derselbe Israel, filius Samuelis, erklärte (gemartert, d. h. er sagte aut die ihm vorgehaltene Antwort: Ta! In den Protokollen wird dies jedesmal sogefälscbt, als wenn er, der Halbtotgemarterte, die ausführliche Antwort giebt): dicit, quod iudei patres iamilie (Familienväter) in festo pasce ante cenam accipient modicam de sanguine pueri Christiani et de illo ponent in sao cieto pleno vino et com eo aspergunt mensam* (nehmen ein kleines Maass Blut in den Becher Wein and besprengen den Tisch). Ans dem Protokoll des Israel, Sohn des Mohär aus Branden- -barg, Hauptzeuge gegen die Jaden, nachher getauft, mit dem Namen Wolfgang: Aut die Frage, wie das Blut in die Mazzes nud in den Wein käme, antwortet er: ... dicto sero pasce ante cenam paterlamiiias mensa preparata ponit de dicto sanguine in dato suo pleno vino et postea balneat digitam in dicto vino, cum qao digito balneato postea aspergit ea que sunt super mensa, commemorando, illas 10 plagas. quas de08 dedit populo Egipti, qua aspersione et commemoratione plagarum facta item patertamilias dicit istä-verba hebraica videlicet: Sfoco hemosco (Du wirst die Yerstümm hal von Sfoco שפוד hagohym hemosco חמחד honsslar hal על lho hagohym הנו ים ghedahocho u. s. w. erkennen). que verba significant iu lingua latina: ״Deus eifernde iram tuam super magnmn populum, jntelligendo super Christianos, quia nolent te glorificare * Et post predicta omnes alii iudei astantes respondent dicendo: Amen. — DasThüröffnen selbst wird in den Akten nicht erwähnt . . . Aehnliche Aussagen, wie angegeben, über das Tischsprengen, über das Herabwünschen der 10 Plagen über die Christen etc, finden sich noch in den übrigen Verbören.“- Soweit mein geehrter FreancL Welch’ boshafte Phantasie in den Auslegungen za Tage tritt, mit welcher Gemeinheit man aal' das durch die unnatürlichsten Foltern erpresste ״Ja- Geständnis«“ Gewicht legte, erhellt aus obigen Citaten der Trientiner Prozessakten. Ich will zur Bestätigung ersterwähnterVermuthang meines lieben Freundes noch hinzafügen, dass ich weder im Maimonides, noch im MachsorVitry (ed. Berlin, 2. Heft, S- 296), Abadarham (Prag 1781, p. 72b) noch im Maharil, eine Andeutung des Thüröifnena gefunden, sodass seine Annahme durchaas zu Recht zu bestehen scheint. Obwohl nun noch den Worten des Maharil (p. 21a) ״nach einer Note zu Maimonides“, (die ich in unsem Ausgaben nicht fand) das Sprechen des שפוך als eine Unterbrechung des Hagadah-Vortrags betrachtet wird und somit angenommen werden könnte, es sei ein späterer, für den Text der Hagadah nicht völlig sanctionirter Passus, der das Sehnen der durch die Blutbeschuldigungen Verfolgten nach Befreiung and göttlicher Bestrafung der teuflischen Folterknechte and inquisitorischen Justizmörder schrperzvoll widerballen lässt, so scheint doch die Aufnahme der Verse: השמו VTll ואת — wenn auch nicht unbedingt — auf die Zerstörung dee 1. Tempels ünd eine Ein- Schiebung dieser Verse während des babylonischen Exils hinzuweisen. [Wenn das Stück erst nach der Zerstörung des 2. Tempels aufgenommen worden wäre, hätte man wohl statt der Worte aus dem Psalter: Jerom. 10,25 gewählt, wo der Ausdruck wiederholter Vernichtung vorkommt (\אכלו — ואכלד)]• VgL noch Abudarbam a. a. O. und Halachoth Gedoloth (ed. Berlin, 8. 142). Dass aber die Einschiebang des שפוך nicht infolge der Blatbesch aldigung erfolgte, scheint daraus her vorzugehen, dass es lange vor dem ersten Blutprozesse bereits bekannt war. Mit houhachtangsvollem Grosse Ihr ergebener Breslau, den 7. Aug. 1892. Koenigeberger. Veiantwoitl RedacteurDr Rahmer,Magdeburg. Druck: Bendix&Hahn. (fr. D. L. Wollt.) Magdeburg. Vertag: Rob. Friese,Laipsig. י! די1 Ift'ilii! 1 -(fcfiifr ׳ tv isatii fli S Wir ■