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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-06-30 · N° 27. (30.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 27. (30.6.1892)
Date
1892-06-30
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Abonnenten der ״Iaraelitieohea Woahanaohrift“, die vierteljährlich bei ,k zahlen, erhalten das ״Jüdische LitteraMr-Blatf grati s. — Inserate wer len mit mit 80 Bark, berechnet and aind an die Expedition dieses Blattes za senden . rject oder durch Robert Friese Inserate erntenden, erhalten 25 % Rabatt, Inhalt: Wissenscbaitliche Aufsätze: Eine Blut)eschaldignng in Frankfurt a. M. im Jahre 15t4. Auf Grind der Prozessakien des Frankfurter Stadtarchivs geschildert von Dr. L. Neustadt in Breslau. — Talmudiscle-midrasohiaobe Forschungen. I. Von Dr. Alexander Roh 1t in New-York. Litteraturbericht: Recensionen: Bernh.Königsbarger. Aus Masorah a. Talmudkritik. Exegetische Studien. Heft 1. Litterarische Notizen. Korrektoren der böligen Schrift. Zur Rätbselkrmde. Uakafnater NaefcSraek aus Siesap histta ist a Eine Blutbeschuldigung in Frankiffurt a. M. im J8hre 1504. Aaf.Graad der Prvsesssktes des Fraakfs geschildert von Dr. Loaia Neustadt i * f iMtnltlt irtw Stadtarchivs 1 Breslau. Vorwort. Das neunzehnte Jahrhundert hat dir ,gebildeten Welt* von neuem das Schauspiel geh Uten, welches ein ständiges Bepertoirestfiok der mittelalterlichen Bühne gewesen, wenn man den Begriff 1 fittelalter für die Geschichte der Juden in dem weitesten Sinnelaset; bis znm Eintritt der Emanzipation. In der Berliner anthropologischen Gesellschaft hat ein Mann der Wissenschaft im Gewände der ,Wissenschaft* die alte Litanei von dem Blatgebrauoh wieder gesungen, nicht ohne sich durch einen n&ohherigen Widerruf unsterblich au blamieren. Besser 818 alleTtheoretisohen Deduktionen pflegt die Geechiohte za beweisen. S&mthohe Blatbesohmdigungen haben mit einem freisprechenden Urteil für die Unschuldigen geendet Sie alle znsammenaasteilen als ein lebendiges Gottesurteil für die Ewigkeit, wäre vielleicht eia Werk, des Schweisses der Edlen wert, wenn es überhaupt Mensöhenhände vollbringen könnten. Denn wo ein Land den Fnss eines Israeliten gesehen, hat es 8 ob aaoh mit dem Blute desselben bedeokt Die Scheiterhaufen haben ihre lodernden Eener wie Wählzeichen ihres Unglücks von den Küsten des atlantischen Oceans bis an daa kaspisohe Meer gesendet. Die Archive aller Länder beherbergen die traurigen Zeugen jener Sohioksalstragödie. Der folgende Bericht entstammt den Akten des Archivs der Stadt Frankfurt, am Main, welche trotz der im grossen and ganzen wohlwollend! in Gesinnung des Bates au wiederholten Malen Pöbelaoi schrei taugen in ihren Maaern gesehen hat. Dem Berioht habe ioh die angekürsten Auszüge aus den Akten folgen lassen aum Beweise, dass ioh ohne jede Voreingenommenheit getreu nach den Protokollen des Baten und den Aussagen der Zeugen den Thatbestaud mitgeteilt habe. Zudem ruht die Arbeit in meinem Palte seit dem Sommer 1886. Damals bin ioh, auf dem Stadtarchiv beschäftigt, unter andern Akten aaoh auf diese aufmerksam geworden. Die Kenntnis einzelner ötüoke verdanke ioh dem jetzigen Stadtarohivar, Herrn Dr. Rudolf Jung, dem ioh für sein freundliche« Entgegenkommen bei meiuen Frank• farter Stadien auch an dieser Stelle meinen Dank ansspreohe. Breslau, im Jani 1892. L. N. In den stürmischen Tagen, als auf deutschem Boden Welf und Waibling am die Krone stritten, hat der jüng- 81 en unter den grossen rheinisohen Jadengemeindea die Gebartsstande geschlagen. Begünstigt von der Natur und daroh die politische Lage gefördert, hatte Frankfort am Main einen zwar späten, aber raschen Aufschwang genommen. Der Handel, dem die Bürger sich ergaben, hatte schon im elften Jahrhundert au Kaiser Heinriohs IV. Zeiten Juden aus den benachbarten Gemeinden herangezogen. Sie gingen sar Messe hach Frankfurt, vereinigten sioh wohl dort vorübergehend au gottesdienstlichen Zusammenkünften, kehrten aber dann mit Sack and Paok ia ihre Heimat zurück. So blieb es auch in der Folge, als Deutschland seine Blütezeit unter den Hohenstaufen erlebte. Der Handel braaoht die Sicherheit, und nur iu Buhe und Frieden kann er sie finden. Als nun der grosse Kampf um die Kaiserkrone Deutschland in zwei feindüohe Heerlager teilte, und die Unsicherheit der oommeraieilen Verhältnisse den Handeltreibenden eine feste Ansiede־ lung zur Notwendigkeit machte, entstand aaoh in Frankfurt eine jüdische Gemeinde. Ueber ihr Entstehen ist alles in Dunkel gehüllt, kein Name tönt aas diesen Tagen sa uns herüber, aaoh nicht annähernd lässt sioh die Zeit der ersten Aoaiedatang bestimmen. Aber wie sie im Toben des Kampfs• unter Kaiser Heinrioh die Handelsfniheit errungen, so hat auch wiederum die Kriegsfaekel ihre erst« Niederlassung beleuohtet. Damals hatten sie in Worms treu aum Kaiser gehalten, alz er seinen Kampf gagsb den Papst führte. Wir wissen nioht, auf welcher Seite sie das zweite grosse Privilegium errungen. Aber die gesammte Entwickelung der Frankfrrftii Gemeinde ist eiue unaufhörliche Wiederholung ersten politischen Erfahrung. Wie dis Stände־ im׳; Kampfe mit den Fürsten, wie die Städte ן ' Kaiser und Reich, wie die alte Bsinhsstnif . selber unter steter Ausnutzung der politMkafr

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