Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 24. (10.6.1892)
- Date
- 1892-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Inhalt: Wisaeoeobaftliche Aufsitze: Der Heimlg&ng eines deatschin Dichters. Eine Bodenetedtr Betrachtung von Max Weinberg. (Schluss.) — Der ewige Jade. Einelittterariache Skizze von Heinr Loewe (Fortsetzung) — Nochmalige Beleuchtung der Talmudstelle, Kethuboth 102 b u. Toeephta das. c XI. Litteraturbericht: BeecDsionen: Wünsche, Aag. Prot. Dr. theol. et phil., Midrasch Tehillim. Vom Rabbiner Dr. Cohen-Burgkunstatt (Fortsetung). Litterariache Notizen. Zum Heimgang eines deutschen Dichters. Eine Bodenatedt-Betrachtung von Max Weinberg. (Schluss.) ״Besonders erwähneuswerth unter d»n vielen alten Völkerresten, welche in der Krim hängen geblieben, sind dieKaralm oder Karaiten, wie 1 de gewöhnlioh tenannt werden; sie nehmen im JudenLhum dieselbe tellnng ein, wie die Protestanten im Ohristenthum, oder die Schiiten im Islam, das heisst, sie erkennen nur das mosaisohe Gesetz als Riohtsohnur ihres Glaubens und Wandels an and verwerfen alle ans dem Taimnd und den kanonischen Büchern stammenden Satsnngen and Vorschriften. Wegen ihres strengsittliohen Wandels and ihrer sllaeit bswährten Znverlässigkeit und Redlichkeit stehen sie allgemein in hoher Achtung, was sich den übrigen Jt :den in Rossland nioht nachrühmen lässt, von welohe n die Karaim in strenger Absonderung leben. Ihre Geeammtsahl wird aai sechstausend gesohätzt, wovon viertausend in der Krim ansässig :dnd und «war der Mehrmahl nach in einer kleinen Stadt, welohe ihnei 1 aussahlieselioh angehört, auch nie Andersgläubige verlookt hat, ihnen dorthin ma folgen, also die einzige reine Jadenstadt der Welt bildet. Sie heisst Tsohuf 1t-Kal4, ״die Judentes^ung“, and Hegt auf der Kuppe eines kahlen Felsens,- wo kein Baum, kein Stranoh und keine Blume wächst, aaoh keine Quelle springt, so dass alles Wasser, wie die sonstigen Lebensbedürfnisse auf Eseln and Mauleseln aas dem Thale heraufgeeohafft ו rerden muss. Trotzdem führen die Karaim in ihrer Ai geschlossenheit ein zufriedenes Leben and erfreuen sii h in brüderhohem Zusammenhalten, bei Fleiss and Mässigkeit eines behaghohen Wohlstandes. In der Kri m vergleicht man sie mit den Herrenhatern und Mennoniten.“ Eine winzige eigene Erinnerung an den heimgegangenen Sänger mag die Vorstehern en Auszüge nna Betrachtungen besohliessen. Auch ich war so glüoklioh — denn ioh habe ea stete als ein Glück empfanden, einen ()rossen des Geistes einmal in Sehweite za haben -1des Oefteren den hebhohen Mirza Schafly-Diohter mir mit eigenen Aagen ansehen za können. Bodenstedt lebte in der ersten Hälfte der 70ger Jahre in der alten Welfen-Reeidenz Hannover. Und da schwebt er mir deutlich vor, wie er gemessenen, bedächtigen Sohrittee sinnend and träumend in der reizenden, nach Sohloss Herrenhansen fahrenden grossen Allee sioh erging oder in einer der Strassen der Stadt nmherwsndelte. Mein Weg brachte 68 mit sioh,. dass ioh ihm eine Zeitlang fast täglich begegnete. Ioh mässigte dann meine Schritte und phantasirte mieh in das hiniin, was wohl im Augen bhok im Heraen des Dichters keimen und knospen möge, am bald als duftende Blüche der Mensaheu Herz za erfreuen. Damals war es aaoh, dass der Kaufmännische Verein in Hannover za Ehren Gottfr. Kinkels, der dort einen Vortrag gehalten, ein Abendessen veranstaltete, an welchem ioh mich betheiligte und zu dem auch Bodenstedt als alter Freund und Sangeagenoss Kinkels anf besondere Einladung erschienen war. Und hier habe ioh ihn denn aaoh einmal plaudern und ״reden* hören. Ent etwas verspätet war er ersohieaen. Eine körperliche Indisposition hatte ihn zurüok- und hätte ihn fast ganz ferngehalten, wenn es ihn nioht. —׳ wie er seinen Tisohspraoh gegen Kinkel gewandt einleitete — gedrängt hätte, dem Ehrenabend des alten Freandes und Genoasen ansawohnen: ״dies za meiner Entschuldigung and za Deiner Huldigung*. Und nun' tpradelte er über in seiner, geiatand köstlichen Homers vollen Schilderung der Werke and Verdienste dsis gef eierten Freandes and Patrioten, indem er, namentlich seines eigenen ersten Besuchs bei dem verbannten Dichter in England sowie dorGeeohioke ihrer beider• seitigen Hauptwerke der ״ Mirsa-Schaffy-Lieder and des ״Otto der Sohütz* ausführlicher gedaohte. Es mar ein köstlicher, unvergesslicher Abend. ץ Aaoh eine klimperkleine Bodenstedt-RelMuebesitze ioh, die hier noch ihren Platz finden mag.‘ Bodenstadt hatte sioh in den Jahren 1878 and 79 enten kleinen Poeten winket in ״Ueber Land und Meer* eingerichtet, den er ״Diohtentimmen aas der Gegenwart* betitelt hatte. Iah war noch in den Jahren, in wäfc* - ohen man glaubt poetisohe An Wandelungen in schlechte Verse umsetsen za müssen and — ohne sie vorher» 8 Jahre im verschlossenen Palte za bergen — an d Redaotion irgend eines belletristischen Joarsake i senden. Und so wanderten denn auch meine Verse mu Friedrich v. Bodenstedt für seinen P! wi&keL Sie wurden — nioht aafgenommen >}