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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-06-03 · N° 23. (3.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 23. (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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I weis ani die! als beredten 1 Herrn £d. Mäns ein ״Blatt des Gedeni frische Grab Friedrion v. Bodenstedt’s loh möchte den darin enthaltenen Hii Bedeutung des entschlummerten Poeten und nberzeugungsgetreuen Anwalt für Ü 'ensohenreoht and Menschenliebe daroh einige Beleg! > aus seinen Schriften ergänzen. Denn in einer Zeit, ־־ ־ lande der Denker und Träumer eine vielk ipfige Schaar heterogenster Elemente sieh zusammen thut in dem Ge* danken, Bruder- und Vaterlandsliebe auf t en Glaubens* and Stammesgenossen zn beschränken, ▼on Freiheit und Menschenrecht zu verergeri und die durch di «Verfassung gewährleistete Gleioh Mrechtigang aller Unterthanen zu durchbrechen, that 1 las Verweilen bei dem Bilde eines so waschechten Menschenfreundes wie Friedr. v.-Bodenstedt, in dessen Ropi und Herzen angei echte Engherzigkeit keinen Baum fanden, doppelt wohl. Dass sich mit Th. Mommsen, Virohow etc. nnter den Rittern des Geistes, welche ihr warnendes Einspmohswort gegen die Bestrebungen der Herren Stöcker, Böokel, Ahlwardt eto. erhoben, sich auch Friedrioh v. Bodenstedt befand, ist schon in der Eingangs erwähnten Betrachtung hervorgeho )eu, ebenso, wie gern und — fügen wir hinzu — wie pietätvoll er hebräische Poesie and alttestamentäi iaohe Stoffe behandelte und wie hoch er — unbeirrt an dessen jüd. Abkunft — den dichterischen Werth Hein! »’s schätzte. Dass er daneben auch niobt blind gegen d ie Öohatten- •eiten der Natar Heine's war, geht wohl a m deutlioh- •ten ans seinen ״Erinnerungen‘ des Jahrs 1 1843 hervor. .Darin heisst ee 8. 138: ״Hier (in Bauland) wurde mir zuerst ) iar, warum ifÜätuid* die neuere deutsche Litteratur sich 10 geringes Ansehen in der Fremde gewann. Sie bot im besten Falle ein treues Bild der kläglioben heimisoben Zustände, für welche sich Niemand begeistern konnte. Die talentvollsten Schriftsteller behandelten selbst diese Zustände mit Spott und Hohn, aber wenn sie nicht daheim dafür büssen wollten׳, so mussten sie ein Asyl in der Fremde suchen. Paris wurde der ■Hauptzufluohtsort der Unzufriedenen und französische Zdstände wurden ihr Ideal; aaoh was sie schrieben, nahm französische Färbung an and athmete französieohen Geist — ja in der Verherrlichung Napoleons, die er bis znr Vergötterung trieb, liess Heine selbst die überschwänglichsten Franzosen weit hinter sich zurück. Man verzieh ihm daheim viel, seiner entzückenden Lieder wegen, die nur in deutschen Ge- 1müthern volles Verständniss finden konnten.* Welche echte Freundschaft ihn mit Berthold Auerbach verband, ergiebt sein herrlicher Naohraf an iden frisch Entschlafeneu: ,Als ich zum latsten male deine Schwelle Betrat — ee war an einem Frühlingstage Des letzten Jahres — schien mir nicht so helle Wie sonst dein Angst and da thatst die Frage: ״Bin ich kein Deutscher mehr, weil Pharialter Den Pöbel hetzen gegen die Hebräer?• Ich sprach: Deo wüsten Hetzern and dem Pöbel Wird besere Einsieht bald das Handwerk lagen. Wird sie beseitigen wie verbrauchte Möbel. — Answüohae treibt der Glaube allerwegen, Doch dämm istfs wenn di. Blttthen sich efech'ieeien, In Feindschaft au dem liaam, dam sie enUprweaan.* Da lächeltest daza in müder Bähe Und wünschtest mit mir baldige beas’re Tage.. . Non liegst da bingestreckt in dunkler Trohe Und wandelst meinen Grass in Todtenklage; Doch bleibt dun aas jedwedem Zwang erlöster Urfriaoher Geist bei ans als beeter Tröster. Das Volk wird deinen Dorfgeschichten lauschen Und deines Geistes Lieht and Wärme spüren, So lang des Schwarzwald» würzige Tannen muchan, Prischwangige Mädchen Glath am Herds schüren — Und in der Freunde Herzen wirst da leban, So lange Odem ihrem Mond gegeben!“ Wie er aber überhaupt über die Eiferer and Bach- Stäbenheiligeu seiner eigenen und deu ethiaohen Inhalt anderer Religionen dachte, dafür ist wohl der nachstehende Auasug aus seinen ״ Erinnerungen ans meinem Leben‘ ein beredte# Zeugnis»: ״Schwindet der Glaube*, heisst es daselbst S. 420, ״so ist die Sohuld nicht im Volke za suchen, sondern bei seinen Lehrern and Führern, welche statt vermittelnd und versöhnend zu wirken, dis ^nhityr der verschiedenen Bekenntnisse gegen einaadsf UMfc. ' hetzen, als ob es eine Sünde wäre an einem OrtEM*' boten su sein, wo eiu anderer Glaube harrsabi, ־־«*•'

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