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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-04-22 · N° 17. (22.4.1892) · p. Seite 66

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 17. (22.4.1892)
Date
1892-04-22
Page
Seite 66 (sequence 4)
Language
German
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,1 י י 1 l iiiii■! mm -» 66 — Die ״BlutlUge“ — ein Corruptel. Zn dtr in dem Artikel: ״Die Blutlüge im Talmud* (Nr. 15—16 den Litteratnrblatte« 8. 60) besprochenen Stelle an« der Tofesta Kethubotb oap. 11 (ed. Znokermandl 273, babl. Kethab. 102b) erlaub« ich mir tu bemerken, dass der Schluss des Sattes: nCBn מרב, oder wie Andre lesen wollten:מרב הראשון od.מרב ראש השנה keinen rechten Sinn giebt. Es handelt sich in der Tofesta bloss darum, nachtnweisen, dass ein anmändigee Kind nicht bei seinen präsumtiven Erben ertogen werden darf, weil dieselben ans Habsucht das Leben des Kindes gefährden könnten, wie einmal der Fall vorkam, dass unter ähnlichen Verhältnissen ein derartiges Kind ums Leben gebracht wurde. Ob dies am Rüsttage des Passah- oder Neujahrsfestes oder am ersten Abend naohseiner Unterbringung bei den lieblosen Verwandten geschehen ist, erscheint vollkommen gleichgültig. Der Schluss מרה ist mir daher sehr verdächtig! Ich halte die vier mit Abbreviaturseiohen versehenen Buchstaben für einen tu tilgenden alten SohreibfehJer, nnd zwar für eine Dittographia ans dem in der folgenden Mischna dreimal vorkommenden Worte מלה. Der Sohluss der Mischna 4 lautet: י משה היה באחד ושחטהו (מו־־ה). Darauf folgt Mischna 5:האשד! שמת! מלה יושבת בבתי׳ שישבה בהן בחיי מלה משתמשת לעבדים ושפחות בכלי כסף וכלי כסף שגשתמשה בוק בחיי מלה. Alles Andere hintansetaten. Die Juden hatten keinen Annehmer, während sioh Lutheraner, Katholiken, Niederländer u. 8. w. auf befreundete Fürsten stütsen konnten; daher sahen die Aufrührer, dass sie am leiohtesten anf Kosten der Juden ihr Ziel erreichen konnten, das darin bestand, ihre Schuldenlast von sioh abtuwälten und sioh überhaupt pekuniär nnabhängig hinsu8tellen. Man hat von anderer Seite den damaligen Frankfurter Jnden zum Vorwurf gemacht, dass sie mit dem Bathe durch Dick und Dünn gegangen seien, anstatt sich an die reohtlose Bürgersohaft anznsohliessen, denen sie ihre politische Stellung näher brachte. Aber man vergass, dass dies einerseits! einfaoh unmöglich war, andererseits aber die Auf- ] rührerischen sich darum nioht im Oeringsten von der I Plünderung der Judengasse hätten abhalten lassen,! während die Juden dadurch des für sie so werthvollen wenn auch schwachen Schutzes des Bathes verlustig gegangen sein würden. — Kracauer hat eine gediegene Arbeit zusammengestellt, die leider zu sehr die ״Einzelfakten* aus dem Qesammtgange historischer Ent- Wickelung scheidet und lässt aus diesem Grunde das Interesse das Lesers bheilweise unbefriedigt. Im Uebrigen ist die Wissenschaft auch für jede gediegene Zusammenstellung historischen Stoffes dankbar. Heinrich Loewe. Gelbbans Dr. S מטה אהרן. Krakau 1891. CommissioDS- Das Abbreviaturzeichen über ר׳ ist der Haken des Buchstaben ל. München. J. Perles. Litteratur bericht. .־ Recensionen. K neuer, Dr. J. Die Schicksale der Frankfurter Juden während des Fettmiloh’sohen Aufstandes (1612—1616.) Separatabdruck ans dem Programm der Bealschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. ibid. 1892. 4״. U. S. Die sociale Frage, die seit dem achten Jahrhundert zu wiederholten Malen den inneren Frieden in Deutschland gefährdete und schon zn mehreren Malen in blutigen Kämpfen vergeblich ihre. Lösung gesucht hatte, ist in der Zei » vor dem Ausbruche des 30jährigen Krieges wiederum einer gewaltsamen Entscheidung nahe. Besonder sind es in dieser Zeit die grossen Städte, vor Allem Frankfurt am Main, wo eine Krisis unvermeidlich scheint. Und wie bei allen socialen Krisen in Deutschland sieh während des ganzen Mittel• alters die sociale Bewegung sich in einen Kampf gegen die Juden verwandelt Tmt, 80 auch dieser Aufstand in Frankfurt. Wir hielten es für nöthig gerade diesen Umstand hervorzuheben, weil Kracauer dadurch, dass er dies zu wenig betont, den Anschein hervoirufen kann, als wäre der Fettmilch’sche Judenkrawall etwas Selbstständiges, und nur_ aus dem Hasse gegen die Juden Hervorgegangenes. Dem ist aber nioht so. Jedoch darf man nicht verkennen, dass Fettmilcb, Weite, Sauer, Gerngross u. 8. w. sioh zwar bei Anfang ihres Beginnens von ihrea — wir erlauben uns den Ausdruck — socialpolitischen Forderungen und Zielen abbringen Hessen, und dem Kampfe gegen die Jnden Verlag von Cb. D. Lippe, Wien. 34 S. Der Inhalt dieses Haftes in seiner ursprünglichen Gestalt ist bereits hinlänglich besannt. Er besteht ans den herrlichen Kanaeireden, welche Herr Babbiner Dr. Jellinek in Wien im Jahre 1871 unter dem Titel ״Bezelem Elohim“ oder 6 Beden aber israelitische Menschenlehre and Weltanschauung veröffentlicht hat. Herr Babbiner Dr. Gelb haus, der im Jahre 1883 die von demselben Verfasser unter dem Titel ״Schema Israel“ erschienenen Beden, zu welchen die Vorgenannten in gewisser Beeiehung die Fortsetzung bilden, in flies* ander hebrliecher Ueberaetzung unter dem Titel אמרי שפר hat erscheinen lassen, verdient den Dank aller Freunde der hebräischen 8prache, dass 'er die Gelegenheit des 70 Geburtstages des gefeierten Kanzelredners benutzte, zur Ehre desselben auch die erstgenannten Beden in das Gewand der heiligen Sprache za kleiden und ihren vortrefflichen Inhalt auf diese Weise auch weiteren, der deutschen Sprache nicht mächtigen, Kreisen za ersohliessen. Die Uebertragung ist eine ganz treie und ungezwungene, sie bekundet die Meisterschatt des Debersetzers in Beherrschung der hebräischen Sprache. Möge das Büchlein seinen hehren Zweck in vollem Masse erreichen and sein edler Kern aaoh in dieser neuen Holle viele Herzen erfreuen! L. Cohen-Bees. Litterarische Notiz. In der in vor. Nr. beregten Talmudstelle!Ketaboth 103 b) bedarf jedenfalls das ״TOD מרב“, wie es in unseren Ausgaben zu lesen ist, der näheren Erklärung. Selbstverständlich ist im Talmud im Sinne Baschi’s nur von einer Tödtang aas Geldgier die Bede. Die Habsuoht wird aber im Talmud, nach meinem Dafürhalten, damit motivirt, das nach (Cholin 83a) der Basttag des Passahfeites zu den vier Tagen gehörte, an denen viele Gastmäliler und Lustbarkeiten stattfanden Die Sneht nach Gewinn and Genuss führte zum Verbrechen. Dr N. Paris. Herr B6nan veröffentlicht im ״Journal des Savants“ einen anziehenden E»»ay über den Charakter und die Werke Philo’s aus Alexandrien, wobei er die Gelegenheit benutzt, den jüdischen Charakter wiederholt zu glorifimren. Leadea. Miss Clementina Black’« Skizzen malerischer Ansicnten im Eastend Londons, welche die ״Illastrated London News" veröffentlichen, enthalten eine Beschreibung des öftent- : liehen Judenmarktes in Wentworth 8treet. Miss Black sagt, dass die Künstler, welche nach Italien reisen, um dort malerioche Gruppen zu •kizxiren, diese ebensogut in diesem Londoner Jadengaartier finden könnten. VerantwortL KeuactearDr. Hahmer, Magdeburg. Druck: ltaDdlxZEFui?^tr7rEWöi3^Kgdelim^Te3äg^[ob. Friese, Leipzig

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