Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 13. (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M IS. Jüdisches Jahre. XII. Litteratur-Blatt. ויז tileicbaaf *Iler JadMtb■■ •■a Jw4tu Mnffnlti llttaruiifhn Ir* Mkataaifta •»f «aas flablita der Plilo• *•pkf• •Mrfelclit•• nhadfrayblr, Uw*!•fl« Oriataia , Kley «•«, HomII*(U, LHargik m. PldaffOfrU. 9rto Heraasgegeben ▼OV1 Rabbiner I>r. Moritz Rahmer. 35 '3TLöt2> 1Sg3. Blaker der e^xfcUfdfi Lltieratar, aaleba 1«r Keda«t oa saeeMidt «iNaa, fladn 11 4I>1 — HUtt• •iaieheade leaRreehiar Bet Rfaeeadaag ▼•n ivel SeerufdiR• KieaiiiUrei erMft eliasllfft karte flratl■• lavrtlM. Das ״Jüdische Lltteratnr-BlaU“ ersch! (in Leipsig bei Robert Friese) pro Jabrg allen Poatanstalteo nnd Bachbandlnngen 8Rar SS Ff. fftr die gespaltene Petitzeile, Beilagen Bncbbtudier u. Lehrer, welche dir eint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Baohhaadlaagen an; 8 Mark. 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Man braucht nur an den Schrecken sich zu erinnern, von welchem M. Mendelssohn befallen wurde, als Fr. 0. lacobi eines schönen Tages ihm die Mittheilung machte, Leasing sei ein Spinozist gewesen, man braucht nur zu wissen, wie Mendelssohn den verstorbenen Freund dieser Behauptung gege nüber, als wäre sie die?01 machtvollste Anklage, zu vertheidigen bemüht war, und man erlangt eine richtigeVorstellung von dem, wofür Spinoza noch 108 Jahre nach seinem Toie gehalten wurde. Merkwürdiger Weise jedoch .hat gerade M. Mendelssohn durch die sonderbare Art, wie er Lessin(; in Sohatz genommen, nicht wenig dazu beigetragen, dem phil. System Spinoza’* ganz besonders in Deutschland die Wege zu bah 1.hu. Der Hass gegen den ingeblichen Gottesleugner war allerdings keiner Steig( rang mehr fähig, aber auch der Enthusiasmus hätte unmöglioh eine solche Höhe erreichen können, wärt nicht die Einwirkung Spinoza’? gerade auf die deutsche Littefatar klar zu Tage getreten. Diesem Enthusiasmus hat Schleiermacher am beredetsten Ausdruck verliehen: ״Opfert mir ehrerbietig“, ruft dieser Bednor über die Religion, ״eine Locke den Manen des h(iligen versfosseuen Spinoza. Ihn durehdrang der i ohe Weltgehst, das Unendliche war sein AnfaDg und Ende, das Universum seine einzige und ewige Liebe. In heiliger Unschuld und tiefer Demuth spieglte er sich in der ewigen Welt und sah zu, wie auch er ihr liebenswürdiger Spiegel war. Voller^Beligion war er und voll heiligen Geistes und darum steht «r auch da, allein und unerreicht, Meister in seiner Eunst aber Irhaben über die profane Zunft, ohne Jünger und Bürgerrecht.“ Diese schönen Worte Sohlei irmaohePs ehren nicht blos Denjenigen, welohem sie gegolten, ' sondern auch Denjenigen, welcher sie gesprochen, und sie sind th&tsächlich nicht wirkungslos verhallt. Die Ueberschwängliohkeit freilich ist vor einer ruhig-kühlen Würdigung zurückgetreten, dafür aber ist Spinoza nirgends heimisoker als in Deutschland geworden. Gar I mancher deutsche Jüngling hat seit Sohleiermaoher weniger den Manen, sondern vielmehr den Werkeu Spinoza’? nicht eine Locke, sondern seinen ganzen Lockenwald geopfert, und gar manch.(T deutsche Gelehrte hat iu seinem Streben von der Sonne des Spiuoza’scheu Geistes durchleuchtet za werden, einen ׳ stattlichen Vollmond davongetrageu. Es giebt ganz gewiss kein Land in welchem man Spinoza besser ' nnd gründlicher kennt, als bei uns, und wir können I es mit einem blonderen Hochgefühl aus sprachen, i dass ein deutscher Rabbiner, der im ▼origen Winter zu seinenVätern beimgegangaue Dr. Joei*) in Breslau es gewesen, welcher der gelehrteu Welt gezeigt hat,, dass Spinoza die meisten und grössten Bansteine za seinem hochragenden philosophischen Gebäude aus den Werken jüd. Beligionsphilosophen zasammengetragen. Damit wollen wir der schöpferischen Genialität des Amsterdamer Philosophen in keiner j Weise nahe• tretep; denn wir wissen ja, dass die Biene, obgleich sie <;le zur Honigbereituog nöthigen Stoffe sich ent sammeln muss, dennoch den Honig als ihr ureigen Werte anzusehen das1 ungeschmälerte Recht besitzt Freilich ist die Lehre Spinoza’s für nas, die wir an der geeffenbarton Wahrheit einer Schöpfung aas dem Nichts mit Herz und Seele festhalten, niemals Honig-, seim gewesen und kann uus auch nie־ and nimmer Honigseim werden, aber so gross . und tief auch die durch Niohts auszufüllende Kluft ist, die uns hierin von ihm trennt, 1'hat es doch etwas Herxerquickeades für uns, das Bewusstsein, dass die Semiten das wir Jaden einen Philosophen hervorgebracht haben, der nicht blos daroh die Geschlossenheit seines grossartigen Systems, sondern ebenso auch daroh die Erhabenheit seines makellosen Charakters als Stesa erster Grösse am Himmel des gesohiohtliohen Denkens prangt. Die Stissigkeit dieses Honigs lassen wir uns nicht verkümmern von dem spitzen Staohslf den Spinoza gerade für uns Jaden genabt. Wir moderne Jaden, ich meine hier Jene, welahe mohtblos im hergebrachten Sinne desWortes modern fühlen und. denken, sondern welohe dabei auch im alten Sinne des Wortes Juden, sind, wir moderne Jaden stehen heute Spinoza an- *) Vgl. dessen Arbeiten: ,,Spinoau’s theoY.-pol. Träntet'* and ״Zur Genesis der Lehre dpinozsV'.