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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-03-11 · N° 11. (11.3.1892) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 11. (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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— 42 sich ferner unter den Essäern viele Talmide-Chacha• mim befanden, die mit den pharisäisohen Lehrern in innigerVerbindang standen — an ihnen gehörten ein Tbeil der Sch&mma'iten und auch die יצנועי בית דדיך Oh0Di Hamagol, Jose b. Joeser, Chanina b. Dosa u. A. — and aasserdem jeder pharisäische Gesetzeslehrerjnit ■ den Essäera dadurch zasammenhing, dass er ein חבר sein musste und als solcher die lewitische Reinheit, d. i. den untersten Grad des Essäismns zu beobachten verpflichtet war'), so lag es nicht ferne, die ursprünglich essäische Bezeichnung Bana'iaa im Allgemeinen auf alle Talmide-Cnachamimanzuwenden3}. Daher konnte R Jocbanan, der palästinensische Amora, der — wie ich an anderer Stelle nachznweisen gedenke — dem Essäismns nicht fern stand, auf die Frage מאי בנאין in essäiscber Redeweise antworten: אלו ת־׳ח שעוסקין בבנינו של עורם ,das sind die Gelehrten, die sich mit der Anferbanung der ־Welt beschäftigen.1‘ Aber wie das Wort und der Begriff der Erbauung in idealistischem Sinne seinen Weg von den Essäem zu den Pharisäern geuommen, so wird er wohl auch die entgegengesetzte Richtung eingesohlagen haben und von den Essäem — zu der christlichen Gemeinde gelangt sein. Mit dem Begriffe der Aufriobtnng einer neuen sittlichen Ordnung, eines Malchuth Scbamajim, eines Himmelreiches, den das IJrchri8tentham seinem Ursprünge, dem Essais mus, entnommen* *), wird es sogleich die Bezeichnung: ,Erbauung“ dieses Reiches den Essäem (Banaim) entlehnt, m die Sprache des N. T. eingeführt un 1 im engem christlichen Sinne angewendet und ausgei idet haben. Diese Annahme hat wohl grössere V ihrscheinlichkeit für sich, als die oben angeführte Vermnthung Bassermanns, dass das Bild von dem ״Ecksteine, den die Bauleute verachtet* (Ps. 118, 22) zu dem christlichen Sprachgebrauch olxoSoji&v, cixodofirj und_den zahlreichen verwandten Wendungen im N. T. geführt habe. Es dürfte sich wohl umgekehrt verhalten. Nachdem Jesus und seinen Jüngern das Wort und der Begriff ,Erbauung* von den Essäem her geläufig war, konnten sie darauf kommen, das psalmistische Bild in christlichem Sinne zudeutan. Aber wer auch dieser Hypothese zuzustimmen nicht geneigt sein sollte, wird doch nach den vor• stehenden Nachweisen aus Bibel and Talmud nicht aihhin können, die Behauptung christlicher Theologen, dass ,Erbauung ein durchaus dem Christenthum an• gehöriger Begriff*, dass er eine ״Schöpfung des Christliehen Spracbgeistes* sei, auf ihren wahren Werth zurüokzulühren. Diese Behauptung ist jedenfalls dahin einzusebränken, dass der Begriff oixoSopetv׳ im N. Teine specifisch-christliche Wendung genommen und sich um denselben eine besondere Terminologie gebildet hat. Die ganze christliche Gemeiude wird 1m N. T. als ein Tempel aufgefasst and die einzelnen Christen als Steine an demselben, an welchem sie ‘) Frankel a. a. O. und Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentham* Jg. 11. 8. oOll. *) An mehreren Stellen im T. J (angeführt in Ko hat* Aruchs. v. בן 3גח, vgL über die 101g. St. nach Lewy a. a O.) liest man: ר׳ זעירא מקלם ליה וצוח ליה בדיה דאורייתא a seim rief ihm beiialiig entgegen: Aaieruaaer der Thor* (vgl. פשה ,IC z. 8t.) Im T Babli kommt unser ätamiu seltener vor Bekannt ist .die Sudle א־׳ת בניך אלא בוניך Bersch dis; eine ähnliche Auslegung ist ,T1U א'ת אבניה אלא Taanith 4a. Bemerkenswerth ist noch die 8t die: בונות ירושלים זו סנהדרי גדולה ע של ישראל שהן יושבין ובבנק אחזה» Mitgueder des syahednone •ttsaes dnreh ihre Belehrung und Gesetaesan*leguug. (Ex<xL labte a 23 ) ף VgL Gr*ix Geschichte QL 8. 292 und 303 Anm. 8. *>S. Proteetanten-ßibel N. T. v. Schmidt & Holtzeu'lorff, I.. 'Fe־trt 2,5 Ahm. mitgebaut oder erbaut werden‘). Bei dem Wort» ״erbauen* in christlichem Sinne muss s'ets an die christliche Gemeinde gedaoht werden, daher die JDefiuition Bassermanns (s. oben): ״sich erbauen heisst, das Bewusstsein der christlichen Gemeinschaft in sich, gestärkt fühlen*, oder wie Schweizer sagt: ״Erbauen bezieht sich auf die innige Zusammengehörigkeit dieses Reiches (Gottes) und der Frömmigkeit des- Einzelnen; es bezeichiet das Befestigen der Einzelnen als lebendige Bausteine in’s Gebäude, die Belebung, Stärkung, Läuterung jenes Zusammenhanges'). Innerhalb des Jtidenrhims hingegen giebt es auch eine rein subjective Ei bauung, bei der nicht immer an die Gemeiude gedacht zu werden braucht. Selbstverstündlich kann auch der Gedanke der Zusammengebörigkeit der Gemeinde Israels Gegenstand der Erbauung sein, ebenso wie der Gedanke der Zusammengehöngkeit der ganzen Menschheit. Wir Jaden werden gut thnn, uns bei der Definition des Begriffes ״Erbauung* an Bibel, Talmud und — Kant za halten. Daroeoh ist Erbauung die Erweokung und Stärkung desWillens zu einem gottgefälligen Lebenswandel. Diese Erbauung kann eine Folge sein sowohl des Gebetes, als auch der Einwirkung der Gotteslehre oder moralischer Betrachtungen. Für die Predigt hat die auseinandergesetzte verschiedene Auffassung des Begriffes ״Erbauung* ihre besonderen Couseqaenzen. Denn Erbauung ist naoh christlichen wie jüdisohen Homiletikern Zweck der Predigt.1) Aber da nach der specifisch-christlicben Auffassang des Wortes nur bereits vorhandene und bekannte Elemente Gegenstände der Erbauung sein können, nicht aber die Mittheilang von Neuem und Fremdem, so ist damit für die christliche Predigt die Grenze gezogen, innerhalb deren sie sich za bewegen hat, und Baseermann, dem wir diese Darstellung entnehmen (8. oben) verfährt nicht ganz conseqaent, wenn er bei der geistliohen Rede die Belehrung als Nebenzweck duldet*). Die jüdische Predigt hingegen hat einen viel weitern Spielraam. Sie darf und 8011 der Belehrung sich bedienen, in so weit diese zur Erbauung hilft, d. h. zur Erweckung, Hebung und Befestigung gottgefälliger Gesinnungen. Eine Predigt, die erbaat indem eie belehrt, entspricht dem Begriffe!״ בניbauen* in ethischem Sinne, weloüem das ״ גמע Neaes pflanzen* ein adaquater jkasdruck ist (Jeremia 1, 10), sie entspricht der Gesobiohte der jüd. Predigt, der das Moment der Belehrung nie gefehlt hat and sie ist darobaus dem jä׳l. Geiste an* gemessen, dem die Rührung allein, oder die blosae Darstellung des bereite Bekannten nicht genügt. Wenn die jüd. Predigt nach dieser Richtung hin sich entwickeln wird, dann wird sie sich ihre Selbstständigkeit und Eigenart bewahren und am wirksamstea den Vorwarf widerlegen, als sei sie lediglich die Naohahmang einer christlichen Institution‘). ✓ Oie Juden und das Theater. Von Israel Abrahams in London. (Schluss.) Obschon die Jaden in den Carnevalsspielen sehr brutal behandelt wurden, konnten eie doch der Ver- ’) Schweizer a. a. O. *) Bassermann a. a. O. 8. 220. Maybaam Jüd. Hom. S. 29. V Bassermanna a. a. O. 8. 226. *j Damit aoil aber keineswegs der jüngst in einem jüi. Blatte den Rabbinern gemachte Vorschlag,. d.e Lesetruohte der Woche am Sabbath aut die Kanzel .zu bringen, ante!stützt, oder das detr tun der Wege maueber ameriaaaiscaer Co 11 egen einptohleu werden. Der VerstäaJige wird auch hier das Ricjttige za treffen wissen. (Vgl Maybaam a. a. O. S. 29 fl.)

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