Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 2. (7.1.1892)
- Date
- 1892-01-07
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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8 «ad in der Glaubensgenossen sohaft einen im innerlieben Sinne segensreiche Entwiokelung auf das Jadenthnm, ans dessen Wahl, neben Bestätigung and In- ▼eetitnr mit dem goldgestickten. Gürtel des GrosskOnigs, sie in späterer Zeit• hervorgegangen waren. Dennoch war auf der einen Seite eine Eifersaoht zwischen dem babylonischen Exilsfärstenthum und dem palästinischen Patriarohentham, and aaf der anderen der Kampf zwischen der Gebartsand Staats- Autorität des aas der D.avid’sohen Dynastie stammenden Besch Glatha and der mit den Akademien entwickelten Aristokratie des Geistes and der Wissenschaft, insbesondere in der Epoche B’Aschi’s, ganz geeignet das Ansehen des Exilsfnrsten za verringern and zuletzt ganz in den Schatten za stellen, der sar Zeit seiner Machtstellung sammtliche Gemeinden Bibylons am sich in jährlich wiederkehrenden Ver- Sammlungen derselben vereinigt hatte. Gegen diese gelehrte and aastüharliche Studie, welohe die Vorarbeiten von Oraetz, Jost, Brüll, Goldzieher, Beilmann and Krlochmal׳ geschickt benatzt and selbstständig verarbeitet, lässt sich nichts aussetzeu. Jeder, der diese Arbeit liest, wird dem fleissigen Antor dankbar sein, der mit lichtvoller Geistesthat den Ben eis auch aas dieser dunkeln Epoche der jüdischen Geschichte dem Leser erbracht hat, dass ״ der Herr sein Volk nicht verstösst und sein Erbe nicht verlässt.“ Nar einige nebensächliche Anmerkungen im Hinblick anl talmudischen Text vorzubringen sei mir hier gestattet. Zunächst möchte ich Seite 140 Note 3 nnd Seite 66 Note 3 die aas Gittin 14a, b citirte Erzählung nicht der Willkühr des ״despotischen“ Exüafnrsten der Jaden, sondern partho-persischen Gewalthabern (HO"קרובים לסי) zusohreiben, von denen berichtet wird, dass sie B. Jose schlagen. Hinsichtlieh der Bangorduang des Exilsfnrsten am grossköniglichen Hofe (Seite 134 Note 2) möchte ich, im Spinne des Textes Scbabuoth 6b mit Graetz dem Besch Gofäh wohl den vierten Bang nach dsm Könige zuerkennen. Endlich 18t es mir auffallend. weshalb der Verfasser aaf Seite 141 Note 3 das beim peinlichen Gerichtsverfahren des Besoh-Giutha in Synhedrin 27a angeführte לברי'” לעיניה nicht lieber übersetzt: ״man schwäche dem Angeklagten das Augenlicht durch Verhangnng einer beschämenden Str&te,“ als wörtlich: ״man steche ihn die Augen aas.“ Bascbi am angegebenen Orte giebt wohl der letzteren Erklärung den Vorzug, doch ist die erstere gleichfalls berechtigt und vom Gesichtspunkte der Humanität aas vorzaziehea. — Diese Bemerkungen sollen nur beweisen, dass wir auch das in den Anmerkungen reichlich vorhandene wizsenscbattliche Material in dieser amfassenden Studie vollkommen würdigen, die die Anerkennung der gelehrten Specialforscher in hohem Masse verdient. Dr. N. Litterariaciie Notizen. 2. Wir lassen noch eine Ueberaetzuag des Anspruchs Erubin 54* אם יש לד היטב לך aas erwähntem Bächlein hier folgen: ״Baw sagte za seinem Sohne nun, wenn Da was hast, kennst Da Dir Gutes than. Da sollst nicht soaren, wie anders Narren; denn nach dein Tode kannst Da Dich nicht laben, wirst daDn kein Freud' mehr haben, denk nicht ao der Zukunft Tag, der Tod schleicht Dir aaf dem Fasse nach, er lässt Dir nicht Zeit za versehren den Gewinn, wenn Deine Zeit da ist, 1 masst Da hin. Es ist ein vergeblich Sorgen fär die Nachkommen heat oder morgen, dass sie nicht leiden Noth nach; Deinem Tod, denn wer wird Dir’s in der Grabe sagen oder schreiben dass das Vermögen stete wird bei ihnen bleiben, oder dass sie ee nicht an andere Leute henken, die nicht an Deine Mähen denken, oder auch wärde es Dein Feind bekom- ' men, oder es wärde in anderen Wegen ihm genommen Die Menschen sind gleich dem Gras aut dem Feld, jeder bringt seine Nabrang mit anf die Welt; denn Gott, der giebt das Leben, wird anch täglich Nahrung geben Wenn auch Einer I mehr oder weniger Schätze bäte, er wird gespeist und lebt | durch Gottes Gute; ob Einer arm ist oder reich, nach dem Tod ist alles gleich. Wer nichts bat ist ebensowohl satt, als j der, der mit Ehren wird bestatt't, and viel Tausend gehabt { hat. Was. nützet mir denn Geld und Gat, wenn ich im Leben. 1 nicht habe guten Math “! Diese sonderbare Lebensanschauung erinnert, wie H. Samael Edels bemerkt, an die Aasspräche im Kohelet, besonders 5, 13. 17 Han an. L. Uns I 3. Ghetto. Dieses Wort, dessen Bedeutung wohl bekannt ist. wird im Dizionario universale della lingua Italiana, tfrie folgt, erklärt: Ghetto i voce C&ldeache significa Libelle di repudio onde noi diciamo Ghetto per intendere luogo di gente segregata e repndiata dal commercio degli altri aommi. Ghetto ist eio chaldäiscbes Wort, welches ״Scheidebrief■1 bedeutet. 1 daher sagen wir Ghetto um zu bezeichnen den Ort jenes ahgesehiedenen und vom Verkehr mit anderen Menschen zurückgewiesenen Volkes. 4. Ureis Das jüdisch-deutsche Wort .Greis ־= Fehler“, das Zunz von;?) גריעות herleiten will, 1N. Brüll verweist in der neuen ״Ausgabe der gottesdienstlichen Vorträge“ S. 455! ant 5 פרדם c.) erklärt M. Grünbaum, Jüdisch-deutsche Chrestom&thie Leipz. 1882 S. 288 von Graus bei Frisch (l, 363) 1 Schutt, rudera. Vielleicht ist’s auch dasselbe, was Gereis Reisig 1 bei Schmeller (II, 142), was dem שבוש besonders nahe stände. | Nach Sachs Beiträge I 83 bedeutet שכוש besonders Schreib- I fehler in den Handschriften. Wahrscheinlich wurde die virgala [ censoria aaf fehlerhatte Stellen in Maunscripten gesetzt daher : die Bezeichnung'. virgala Ruthe, kleiner Zweig, (Reis, Gereis). 5. Kiel. Herr Rabbiner l)r. Stern hat in den bischöflichen, städtischen and anderen Archiven der Stadt schätzbare Daten bezüglich der brerüchtigten Blatbeschaldigang gegen die Jaden von Tri ent gesammelt, welche er der Oeffentlichkeit übergeben will Er hat sich an die ״Alliance israelite Unverselle“ and die ״Anglo-Jewiah-Associatiou * mit der Biite gewendet, die Drucklegung za unterstützen. 8. London Die Januar-Nammer der ״Asiatic Qaarterley- Review“ bringt eineu Artikel: ״Die Gesundhpitsgesetze der Bibel und ihr Einfluss aaf die Lebensbedinguugea der Jaden“ von Herrn Marens N Adler, and einen andern ״Der Humor! der Bibel“ von Bev. DrChotzner. I 7. Auf die Berichtigung de* Herrn B Königsberger in '■ Nr. 52 d Bl. bemerke ich, dass auf S. 280 des מפתח לתשובות 1 הגאונים auch das Trinken des Wein-8 erlaubt wird (מותר כשהיד,)• Allerdings muss die Berührung mittelbar erfolgen, ' wofür R. Ascher als Gewährsmann angeführt ist. — Bei der i Genammtübei siebt der Meinungs-Aeusseraagen der Geonim glaubte ich daher mit der liberalen Anschauung derselben nich t zarückhaiten and füglich den Ausdruck ״Genuss“ gebrauchen za dürfen Dr. N. 1. Dukes berichtet in einer Nummer des ,Litteraturblatt* im Orient von 1646, dass dss Sprüchwort: ״Wo der Satan nicht hinkommen kann, da schickt er seinen Abgesandten, den Wein“, •ich im Jalkat befinde. In diesem Werke fanden wir es nicht, ahsr in einem interessantem Büchlein ״ מראה ה&וסרZuchtitupl“ von Seligman Uüno, jedoch ohne Quellenangabe. Dae Werheben in jäducb-dentechem Jargon verfasst, ist gedruckt in Balsbach (eine aunoj, Frankinrt a M 1880, Offenbach 1690 Der «ibengenannte Sprach lautet dort Jölgendennassen: ״Wo dar Teufel nichthin kann, echickt er setneu Boten an, -das ist dar Malvasier and gute Wein, dem altes Unglück insgemein, das in der Welt geschieht, wird wohl durch den Wein verliehfL « Grlt|«l«Venaa1l• 3 3 GtMhttt. 5 » Cf>t. 3 2 empfiehlt aI8 ipttülftii: & — Sei Btjhffung bitte fi^ 8*ח 5 auf kiefed Staff gu bejteljen. Wen« Vnflage! 80d)Oud) ffir Israel, ffrtun bon Webeffa Steif geb. AetarmanR. Retatr, burrf) 100 3te}eme eer« aiegrte unb oevbefferte üujlagt. «leg. gcbuR&rn Freia JL tjio. «l« »efiä|114 aaertaaat. tftanffjra a. Hi. [515• J. HmmWmmmm, ®erlag. «rorl.Redactaor Dr.Rahmsr,Magdeburg. Drnek:BendixA Huhn(lr. D.L. W01ä)Magdebarg. Verlag: Rob Frises,Leipaig.