Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 1. (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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genossen nnd der frühen• Lehr«‘‘ wurden; bis' ob Eliecha gteeeh jenen seinen Vätsrdanbenöf fentli oh abgeschworen and einen anderen dogmatisch fixirten angenommen hätte' Was wtlrde Rabbi M8ir dazu sagen! Armer, Unglücklieber Eliecha, jener von Deinem treuen Schaler dir in Aassiebt gestellte Morgen( ist hienieden noch niaht fttr Dich angebrochen; die Schattenbilder der Reeensenten wollen ihn nicht an brechen lassen.I Da möchte man ansraten: ,ינרד 'S פביז עינך־ ר־ מאיו־ net. Zum Schiass rate ich Herrn S J. Hai ber stamm, dem anermädliohen selbstlosen Förderer aller litterarischen Bestrebungen, ein warmes!שר כחך" za. Prag-Smichow, 29. November 1891. D. Ssmnel Back.*) JLitteratur bericht. -׳- \ Recension en. - Lichtstrahlen aas den Beden Dr. Adolph Jellinek’s, gesammelt und geordnet von Dr. Adolph Karrein. Wien 1891, Bermann n. Aitmann. ,Lichtstrahlen“, das ist ein sohöues blendendes Wort, aber versnoben wir es einmal, die Sache unter einem andern Gleichniss ans näher za bringen. Ein stattliches Haas stent vor ans, das unser Wohlge- : lallen erregt; da bracht nun einer da und dort eineu : Ziegel aas der Maajer and präsentirt ans diese Ziegel-; Sammlung; sie ist ^ioht ganz werthlos, aber wie will; sie sich vergleichet! mit dem ganzeu, wohigepdegten i Hanse, wo jeder Zijegel an seiner Stelle war and dem Ganzen diente; so j verliert mancher Satz, aas seinem; Zusammenhang gerissen, den grössten Theil seiner Bedeutung;* darum glauben wir nicht, dass Dr. Kurreiu j mit seiner Arbeit dem Ruhme Jellinek's eiuen Dienst! erwiesen hat. — Si 70 a. 71 z. B. wird der Talmud ,treibender Stachel und befestigender Pflock“ genannt; wir wissen) nioht, welcher Predigt Jellinek’s diese Stelle entnommen ist; aber wir können es ans sehr leioht denken, aas einer Predigt über Koheleth c. 12 v. 11 nnd dein an diesen Vers sich schliessenden | Midratch; 80 hat >in der Predigt der Vergleich des j Talmud mit dem!reibenden Stachel, dem befestigen- I den Pflocken seine! passende Stelle, aber in der Simm•; lang Karrei i.’s wijrd der Leser, der den Ziegelstein ן nicht sogleich in( den Bau zurückversetzen kann, | schwerlich an der: Stelle Geschmack finden, anJ eine ן Sonderbarkeit Jeljlinek’8 konstatirea, die gar nicht j vorhanden ist. —!Zudem ist Jellinek nicht der Autor,! aus dessen Werken Aphorismen sioh anssohreiben lassen. Die Predigt als Ganzes kann ausgezeichnet sein, aber es fehlen die kurz gefassten, scharf poialirten balze; da ^teht z. B. auf S. 80 (in dem Abschnitt über den: Talmud; als Lichtstrahl ein Satz von 29 Zeilen; dejr Satz ist so, wie ihn Kurreiu giebt, aas dem Zusammenhänge gerissen, kaum za verstehen. — So wenig versteht sich Jellinik aut pointirten Stil, dass da, « o er er eine Antithese bietet, sie nicht selten misslangen ist. So lesen wir z. B. S. 68: ,Die Gegner des Jadenthums verstümmelten den Talmud durch ihre Verbesserungen and verbesserten ihn ( du roh ihre Verstümmlungen.“ Sehr geistreich, sehr scharf, sehr spitz, aber ich weiss nioht recht, was; •oll es bedeuten; der erste Theil zwar der ist verstündlich, auch der Talmad halte Freunde and Bearbeiser, wie def selige BaIlhorn nach der Sage den bei ihm gedruckten Büchern einer gewesen sein soll Aber was heisst das: sie verbesserten ihn daroh ihre Verstümmlungen? — , £8 ist ferner nicht •ehlimm, wenn ein Autor, wie Jellinek, der viel ver- *1 Ihr avisirter Beitrag widFjjfÖ Willkomms• sein. (Red.) öffentlich!, hin und wieder einmal in der Predigt einen saloppen Ausdrnok anwendet, aber dann sollte er nioht gerade in ״Lichtstrahlen“ gleichsam festgehalten werden. So heisst es S. 68: ״Der Talmud zeigt, wie man der gebieterischen Stimme der Zeit Rechnung tragen kann.“ Aach sonst sacht Kurreiu ״Lichtstrahlen“ hervor, die den Rahm Jellinek's eher verdankein. Jellinek hat die dem bedeutenden Manne verzeihliche Manier, durch allerhand Andeutungen an- 1 dere religiöse und besonders religiös-politische An- { Bebauungen za necken, za stioheln; da diese An- I dentangen nioht schwer verständlich sind nnd doch; immerhin dem Hörer zu r&then aufgeben, 80 wird der Redner dadurch der Masee interessant; solche Stiohe- < leien und Anzüglichkeiten sind anf der Kanzel bs- , denklioh and durohaas uogeziemend. Indess Jellinek entsohädigt für solche kleine Unarten. Aber warnm : zieht Kurrein geraee solche Stellen in den Vorder- | grand. So steht z. B. S. 72, Lichtstrahl 16: ״Die : talmadischen Weben wissen nichts vom Grundsätze ״wir können nioht“ u. s. w. Diese Anspielung anf das ״non possamns“ hat gewiss die klagen Wiener 1 seiner Zeit sehr gekitzelt, aber damit ist die päpstliehe Parole noah nioht widerlegt. Damals als der Papst gegen Heinrich VIII. von England, der sein Weib verstossen wollte and dafür den päpstlichen Konsens verlangte, sein non possuinus sprach, war er hohen Beifalls würdig. — Ueberhaapt ist Jellinek’s schriftstellerische Iudividaalität 80 geartet, dass bei ihm schwerlich auf eine grosse Ausbeute von Aphorismen gerechnet werden kann. Jellinek liebt den mächtigen Strom der Worte, in welchem der Gedanke Mühe hat sioh an der Oberfläche za halten; es giebt wohl keine Seite in Jellinek’s Reden, die man nicht, ohne den gedanklichen Inhalt zu mindern, _ aaf du Hälfte rednoiren könnte; man bewundert das Talent, denselben Begriff so mannigfach auszadrücken an d für den Verfasser einer deutschen Synonimik ist Jellinek eine unerschöpfliche Fundgrube. Aber für Aphorismen, Maximen, Gedanken, Liohtstrahlen ist die Worttülle von Uebel, da heisst e8 kurz and scharf. Karrein schadet Jellinek, indem er den trefflichen Mann nahezu vergöttert. Für Kurrein ist Jellinek einfach ״der Fürst unter den Rednern.“ In Wahrheit ist Jellinek nur der Fürst unter den jüdischen Kanzelred nera der Gegenwart in and ans Oesterreich. Das ist freilich auch nioht wsnig. Litterarisctie Notizen. 9״ehmal Leeb Kehn,« ein zeitgeschichtliche« Cnltnrbild von Intimus. Das ist der Titel eines sensationellen Romanes, den die ״ Wiener Sonnnad Montags-Zeitung“ voa Neujahr ab veröffentlicht und in tolgender Weise ankündigt: ״Der Verfasser dieses Romanes kennt wie nur Wenige die antisemitische Bewegung aas eigener Wahrnehmung. Mit eeli ener Meisterschaft deckt der Autor die geheimen Fäden anf, an welchen diese rückschrittliche Episode in unserem Jahrhunderte des Fortschritte) geleitet wird, er enthüllt hochinteressante Thateachen, die bieher gänzlich unbekannt waren, er schildert das Treiben vor und hinter den Coalissen und charakterisirt die Hauptacteare — sowohl die bekannten, die auf offener Bühne agiren, als auch die im Verborgenen spielenden Kräfte — mit grosser Lebenswahrheit und Naturtrene. Dieses überaus spannend geschriebene Werk bietet •inen lehrreichen Beitrag zur Zeitgeschichte iär Jeden, den die Zeit-, und Streitfrage des Antisemitismus berührt, mag der Leser auf welchem Standpunkte immer stehen. Dieser Roman von allgemeinem Interesse erscheint in 12 bis 15 wöchentlichen Lieferungen — jede als separate. Heft — die »nsaminan zwei stattliche Bände von 460 bis MO Druckseiten bilden and im Buchhandel mindestens 3 ff. ö. W. kosten werden, während die Abonnenten der ,Wiener Bonnu. Mte- Wochenblattes beträgt für־ Deutschland 2 ־Ma. Man kann bei aüsn Postämtern des Deal sehen Reiches abouniraa. Ymanterorl. Rodactenr Dr.4taau>er. Jda^deburg- Draek: BsadizA Hahuttr. D.L. Wulff)Magdeburg. Verlag : Bob.Friase, 1